Mit der Brechstange
Störrische Windows-Updates wieder deinstallieren
Eigentlich sollen Windows-Updates Probleme lösen, doch gelegentlich passiert halt mal das Gegenteil. Dann kann es ziemlich aufwendig sein, ein Update wieder loszuwerden – schlimmstenfalls bleibt nur der Griff zum Rettungsmedium.
Die meisten Windows-Updates tun das, was sie sollen, doch manchmal passiert es eben doch und sie lösen keine Probleme, sondern verursachen stattdessen neue. Im März diesen Jahres beispielsweise beeinträchtigten zwei Updates die Netzwerkfunktionen von virtuellen Maschinen, im November letzten Jahres legte ein Update Nadeldrucker lahm. Manchmal – zum Glück noch seltener – passiert sogar ein GAU, so wie Anfang des Jahres: Da beschädigte ein Update, welches Microsoft im Zuge der Meltdown-/Spectre-Bekanntwerdung veröffentlichte, Windows-10-Installationen auf PCs mit sehr alten AMD-Prozessoren so sehr, dass das Betriebssystem nicht mehr startete. Im März letzten Jahres legte ein Update Unternehmensrechner lahm, die die Updates über einen lokalen WSUS-Server bezogen. Letztlich ist aber egal, ob ein Update kleine oder große Probleme auslöst und dass meist nur kleinere Nutzergruppen betroffen sind. Denn für jeden, den es trifft, ist es trotzdem ärgerlich.
Dieser Artikel beschreibt, auf welchen Wegen Sie störrische Updates bei Bedarf wieder loswerden – hoffentlich jedenfalls, denn eine Garantie für das Gelingen gibt es nicht – es ist ja durchaus denkbar, dass das Update auch die Mechanismen zum Deinstallieren irreparabel beschädigt hat. Dann funktionieren die nachfolgenden Deinstallations-Tipps womöglich nicht mehr und Sie kommen um das Zurückspielen eines Backups oder, falls kein Backup vorhanden ist, um eine Neuinstallation nicht herum.
Eines aber vorweg noch in aller Deutlichkeit: Auch wenn jedes Windows-Updates potenziell selbstverständlich das Risiko birgt, dass nach dem Einspielen Probleme auftreten, ist es trotzdem unerlässlich, es erst mal einzuspielen. Denn Updates lösen Probleme, die Sie zu diesem Zeitpunkt bereits haben. Anders formuliert: Ja, das Einspielen von Updates kann in Ausnahmefällen Probleme verursachen, aber ohne das Einspielen haben Sie noch viel mehr Probleme.
Erste Schritte
Bevor es losgeht, ist erst einmal einiges herauszufinden. Das Wichtigste: Ist wirklich ein Update schuld an den aktuellen Schwierigkeiten oder vielleicht doch etwas anderes? Denn die Erfahrung lehrt, dass die meisten Probleme eben doch nicht von Updates verursacht werden. Selbst ein zeitlicher Zusammenhang ist kein Beweis, denn manche Probleme treten erst nach einem Neustart auf, und bei den meisten Windows-Rechnern gibt es den nur noch einmal im Monat nach dem Einspielen der am Patchday erschienenen Updates, weil der PC sonst nur in einen Energiesparmodus geht. Ein für jedermann sicherer Hinweis auf die Schuld eines Updates sind Berichte über entsprechende Probleme beispielsweise in c’t oder auf heise online. Bei der Gelegenheit noch der Hinweis: Nur weil es Berichte gibt, dass ein Update Probleme verursacht, sollten Sie es dennoch nicht gleich deinstallieren. Machen Sie das nur, wenn die beschriebenen Probleme bei Ihnen auch wirklich auftreten.
Zum Identifizieren des Updates brauchen Sie dessen KB-Nummer, die sie üblicherweise direkt den Berichten über problematische Updates entnehmen können. Was hinter den KB-Nummern steckt: Zu jedem Update veröffentlicht Microsoft einen Artikel in seiner Knowledge-Base. Die Links sind stets nach dem gleichen Muster aufgebaut: Unter https://support.microsoft.com/help/4056892 beispielsweise finden Sie das Update, welches wie oben erwähnt die AMD-Rechner lahmlegte. Wenn Sie den Link in der Mitte ergänzen zu https://support.microsoft.com/en-us/help/4056892, finden Sie das englischsprachige Original der Meldung. Die Nummer am Ende des Artikels ist die KB-Nummer. Die Angabe wird auch gern als „KB4056892“ geschrieben, also ohne Leerzeichen dazwischen.
Wenn Sie die KB-Nummer kennen und sofern Windows noch läuft, sollten Sie prüfen, ob dieses Update bei Ihnen überhaupt installiert ist. Unter Windows 7 klicken Sie dazu in der Systemsteuerung unter „Windows Update“ auf „Updateverlauf anzeigen“. Bei Windows 10 ist der Updateverlauf in die Einstellungen gewandert, zu finden unter „Update und Sicherheit“, der Link heißt „Verlauf installierter Updates anzeigen“.
Wenn Sie die KB-Nummer kennen und sicher sind, dass das problematische Update bei Ihnen installiert ist und Probleme verursacht, sollten Sie sich als Nächstes auf die Suche machen, ob sich das Problem vielleicht auch ohne Deinstallieren des Updates lösen lässt. Im Idealfall enthalten die Berichte über das Problem bereits Hinweise zur Lösung. Falls keine Lösung zu finden ist, können Sie ein paar Tage später probieren, den Artikel in der Knowledge Base erneut aufzurufen – sobald Microsoft eine Lösung kennt, wird sie hier veröffentlicht. Sie können auch die KB-Nummer als Stichwort für die Suchmaschine der Wahl verwenden, um nach einer Lösung zu suchen. In den Literaturangaben unter diesem Artikel finden Sie zudem Hinweise auf c’t-Artikel rund um das Thema Troubleshooting für Windows, die in solchen Situationen weiterhelfen können. Das Ganze noch mal anders formuliert: Das Deinstallieren eines Updates sollte nur der letzte Ausweg sein, wenn es anders nicht mehr geht.
Der einfache Weg
Wenn Windows noch läuft, ist das Deinstallieren eines Updates oft relativ simpel. Klicken Sie in der Systemsteuerung unter „Programme und Features“ (Windows 10) beziehungsweise „Programme und Funktionen“ (Windows 7) links oben auf „Installierte Updates anzeigen“, markieren Sie das störrische Update und klicken in dessen Kontextmenü auf „Deinstallieren“.
Voraussetzung ist allerdings, dass die Deinstallationsdateien noch vorhanden sind – wenn zwischendurch beispielsweise die Datenträgerbereinigung gelaufen ist [1], können sie gelöscht sein. Als Folge sind die Updates auf keinem Weg mehr deinstallierbar.
Scheitern kann das Deinstallieren allerdings auch daran, dass das fragliche Update in der Liste nicht auftaucht. Unter Windows 10 fehlen in der Liste beispielsweise die kumulativen Updates, die Microsoft monatlich veröffentlicht und die jeweils alle Updates erhalten, die für diese Windows-Version bislang erschienen sind. Auch die einzelnen Updates aus diesen Sammelpaketen stehen nicht in der Liste, aber diese lassen sich ohnehin nicht einzeln herausoperieren – deinstallierbar sind kumulative Updates immer nur vollständig, aber dazu müssen Sie den schweren Weg wählen.
Der schwere Weg
Wenn es per Mausklick nicht klappt, hilft die Kommandozeile. Dort können Sie auch jene Updates zu deinstallieren versuchen, die in der Systemsteuerung fehlen. Öffnen Sie dazu eine mit Administratorrechten laufende Eingabeaufforderung. Darin erledigen Sie das Deinstallieren mit einem Windows-eigenen Werkzeug namens „Eigenständiges Windows Update-Installationsprogramm“. Es steckt in der ausführbaren Datei wusa.exe. Folgender Befehl deinstalliert ein Update:
wusa /uninstall /kb:4056892 :
./log:%homepath%\wusalog.evtx
Die KB-Nummer passen Sie bitte an. Der Pfad hinter /log verweist auf das User-Verzeichnis des gerade angemeldeten Nutzers, entspricht also beispielsweise c:\users\axv. Den Namen der Datei am Ende können Sie frei wählen, die Endung hingegen sollten Sie bei .evtx lassen. In Dateien mit dieser Endung speichert Windows seine Protokolle. Das Protokoll entsteht anschließend im Nutzerverzeichnis in zwei namensgleichen Dateien: Neben der Datei mit der Endung .evtx liegt eine weitere mit der Endung .evtx.dxp. Öffnen können Sie das Protokoll durch einen Doppelklick auf die Datei mit der Endung .evtx, es wird dann in die Ereignisanzeige geladen.
Es kann beim Ausführen des Befehls zu Fehlern kommen. Ursache kann dann sein, dass ein Update, das zwischendurch mal installiert wurde, mittlerweile wieder weg ist. Dann findet man zwar im Update-Verlauf einen Eintrag zu dem Update, doch wusa.exe behauptet dennoch, dass es nicht da sei. Welche Updates noch installiert und welche bereits wieder weg sind, können Sie mit einem weiteren Kommandozeilenbefehl nachprüfen:
dism /online /get-packages
Der Befehl listet nicht nur alle Updates, sondern auch alle anderen installierten Pakete auf, etwa Sprachpakete. Anders als der Update-Verlauf verrät der Befehl auch den Status der Pakete. Der lautet üblicherweise „Installiert“, kann aber auch „Abgelöst“ heißen, wenn das Update durch eine neuere Version ersetzt wurde.
Der ganz schwere Weg
Wenn Windows nicht mal mehr bootet, brauchen Sie zum Deinstallieren entweder ein parallel installiertes Windows oder ein Rettungsmedium. Am bequemsten ist das c’t-Notfall-Windows [2], alternativ taugt auch ein „Wiederherstellungslaufwerk“ [3] oder notfalls ein Windows-Installationsmedium. Kurzum: Sie brauchen ein Medium, von dem irgendeine Variante von Windows PE bootet. Wie Windows PE grundsätzlich funktioniert, wo Sie es finden und wie Sie herausfinden, zu welcher Version es gehört, haben wir in c’t 10/2018 ausführlich beschrieben [4]. Wenn Windows 10 zu reparieren ist, sollte auch das vom Rettungsmedium bootende Windows PE auf Windows 10 basieren.
Booten Sie von dem Medium und öffnen Sie eine Eingabeaufforderung. Beim Notfall-Windows finden Sie die im Startmenü, beim Wiederherstellungslaufwerk in den „Erweiterten Optionen“, bei einem Installationsmedium drücken Sie Umschalt+F10.
Tippen Sie in die Eingabeaufforderung notepad ein, was den Texteditor startet. Darin drücken Sie Strg+O zum Aufrufen des Öffnen-Dialogs und klicken auf „Dieser PC“ beziehungsweise „Computer“. Sie sehen unter anderem die erkannten Laufwerke. Suchen Sie das mit der Windows-Installation und merken Sie sich den Laufwerksbuchstaben. Als Beispiel dient hier d:. Der nächste Befehl listet die installierten Updates auf:
dism /image:d:\ /get-packages :
./scratchdir:d:\
Passen Sie beide Laufwerksbuchstaben an. Die letzte Option des Befehls sorgt dafür, dass der Befehl temporäre Dateien auf d:\ anlegt – ohne sie meckert dism, dass „möglicherweise“ nicht genug Platz auf dem RAM-Laufwerk sei, das PE beim Booten für solche Zwecke einrichtet.
Suchen Sie aus der Liste den Paketnamen heraus, er steht hinter „Paketidentität“. Sofern der Name die KB-Nummer enthält, ist das Identifizieren recht einfach, vielen Updates fehlt die Angabe allerdings. Dazu gehören beispielsweise die monatlich erscheinenden kumulativen Updates. Dann orientieren Sie sich stattdessen an der Build-Nummer ganz am Ende des Pakets, beispielsweise „7601.24106.1.4“ oder „10.0.16299.15“. „7601“ und „10.0“ bezeichnen die Version, der Rest jeweils die Build-Nummer. Sie wird beim Einspielen von kumulativen Updates hochgezählt. Welche KB-Nummer zu welchem Update gehört, lässt sich nur online herausfinden, und zwar in den Updateverläufen des jeweiligen Betriebssystems, die Microsoft als eigene Knowledge-Base-Artikel zur Verfügung stellt. Sie tragen die KB-Nummern 4009469 für Windows 7 und 4018124 für Windows 10, doch statt jetzt solche Nummern auswendig zu lernen, ist es leichter, sich einfach nur den Begriff „Updateverlauf“ zu merken, den man bei Bedarf dann einfach zusammen mit „Windows 7“ oder „Windows 10“ in eine Suchmaschine eintippt.
Haben Sie das Update identifiziert, können Sie es mit einem weiteren Befehl deinstallieren, hier am Beispiel des im April 2018 veröffentlichten Updates für Windows 10 Version 1709:
dism /image:d:\ /remove-package :
./packagename:Package_for_RollupFix~:
.31bf3856ad364e35~amd64~:
.~16299.371.1.3 /scratchdir:d:\
Passen Sie wieder beide Laufwerksbuchstaben an.
Es kam bei unseren Experimenten immer mal wieder vor, dass die Befehle aus unerfindlichen Gründen mit unterschiedlichen Fehlermeldungen aller Art abbrachen. Es reichte dann aber stets, erneut vom Rettungsmedium zu booten und die Befehle ein weiteres Mal einzutippen.
Wiederholung verhindern
Damit Windows das gerade deinstallierte Update nicht erneut installiert, sind weitere Handgriffe erforderlich, die sich je nach Windows-Version unterscheiden.
Zuerst zu Windows 7: Klicken Sie nach dem Neustart in der Systemsteuerung unter Windows Update auf „Nach Updates suchen“. Windows wird daraufhin das gerade deinstallierte Update erneut finden. Zu sehen bekommen Sie es, wenn Sie nach der Suche auf den Link „1 wichtiges Update ist verfügbar“ klicken. Dort entfernen Sie das Häkchen, um es nicht erneut zu installieren, und klicken zudem im Kontextmenü des Updates auf „Update ausblenden“, damit Windows es auch nicht mehr anbietet.
Unter Windows 10 ist das Vorgehen leider komplizierter, denn Microsoft hat die Option zum Ausblenden ärgerlicherweise ausgebaut. Da es ganz ohne aber doch nicht geht, hat Microsoft unter KB3183922 das „Show or hide updates troubleshooter package“ (wushowhide.diagcab) bereitgestellt, zu finden via ct.de/yyvs. Starten Sie diesen Troubleshooter möglichst bald nach dem Neustart von Windows, damit das störrische Update nicht zwischenzeitlich erneut installiert wird. Wählen Sie nach dem Start „Hide Updates“. Sofern eine Netzwerkverbindung vorhanden ist, prüft das Werkzeug anschließend, welche Updates noch nicht installiert sind, und Sie können durch Setzen von Häkchen entscheiden, bei welchen das auch so bleiben soll. Mit dem gleichen Werkzeug können Sie das Update später auch wieder einblenden, wählen Sie dazu „Show hidden Updates“. Anschließend wird Windows Update die nun wieder eingeblendeten Pakete nachinstallieren. (axv@ct.de)
wushowhide.diagcab: ct.de/yyvs