Weltenbummler
Virtuelle Welten erschaffen mit CoSpacesEdu
Virtuelle Welten erkundet man standesgemäß mit teurer VR-Brille, alles andere ist Stümperei – das ist die gängige Meinung. Dass es anders geht, zeigt eine Münchener Firma mit ihrem Projekt CoSpacesEdu.
Die Firma Delightex aus München verfolgt mit CoSpacesEdu ein spannendes Konzept: In einer virtuellen Welt im Browser lassen sich Objekte positionieren und bei Bedarf mithilfe einer Programmiersprache animieren, die visuell (Blockly) oder mit Textbefehlen zu handhaben ist (JavaScript und TypeScript): Der Anwender erschafft eigene interaktive Geschichten und Spiele – genannt Spaces. Diese lassen sich nicht nur im Browser anschauen, sondern auch über eine App. Mit ihr und einer passiven Stereoskopielösung wie Google Cardboard taucht man in die virtuellen Welten ein. Damit das funktioniert, muss das Mobilgerät über einen Gyrosensor verfügen.
Der Namenszusatz lässt es bereits vermuten: CoSpacesEdu zielt vorwiegend auf den Bildungsbereich. Daher gibt es zwei Zugänge, jeweils mit unterschiedlichen Rechten. Lehrer verwalten über ihren Zugang Lizenzen, legen Klassen an und erstellen Aufgaben für jede Klasse. Wenn sie eine Aufgabe einzelnen Schülern zuweisen, können nur der jeweilige Schüler und der Lehrer darauf zugreifen. Alternativ lassen sich Gruppenaufgaben erstellen. Hier können mehrere Schüler gemeinsam ein Projekt bearbeiten. Während ein Schüler der Gruppe noch ein Objekt korrekt platziert, verpasst ein anderer dem Code den algorithmischen Feinschliff und der dritte in der Gruppe testet derweil die Änderungen live auf seinem Smartphone in 3D.
Bauen und mehr
Jeder Space kann mehrere Szenen umfassen, die man am linken Bildschirmrand verwaltet – ganz wie von gängiger Präsentationssoftware bekannt. Diese Analogie hilft, das dahinterliegende Konzept zu verstehen. In diesen Szenen erbaut der Nutzer seine virtuellen Welten. In der Bibliothek gibt es bereits über 100 verschiedene 3D-Objekte und 30 Figuren. Dazu kommen knapp 20 Bausteine, beispielsweise eine Mauer, ein Ring und eine Kugel. Achtung: Beim ersten Aufruf lädt CoSpacesEdu sämtliche Objekte in die Bibliothek, was insbesondere bei langsamer Internetverbindung dauert. Wem der Bibliotheksinhalt nicht reicht, der füttert die Datenbank mit eigenen Dateien. Allerdings erschließt sich der Upload von 3D-Objekten nicht sofort: Man muss die Dateien aus einem Dateimanager per Drag & Drop auf die Space-Fläche ziehen, gegebenenfalls mitsamt MTL-Datei für die Textur. Die Export-Funktion der 360°-Bilder muss man ebenfalls erst finden. Im Reiter „Umgebung“ ist zwar der Upload möglich, nicht aber der Export. Dieser versteckt sich im Kontextmenü des Kameraobjekts.
Wir haben unsere zusammengeklickte Welt mit Blockly, TypeScript und JavaScript animiert. Ein Klick auf den Info-Button am oberen Rand des Programmierfensters öffnet eine englischsprachige Webseite mit einer Übersicht der TypeScript- und JavaScript-Befehle.
Mit der integrierten Physik-Engine simulieren Schüler Experimente – und das ohne auf irgendwelche Sicherheitsrisiken achten zu müssen.
Die kostenlose Basic-Version verwaltet nur 30 Schülerlizenzen. Zudem lassen sich damit maximal 30 Objekte pro Space einfügen. Darunter fallen 3D-Modelle, Bilder, 360°-Bilder und Audio-Dateien. Mit einigen Objekten in der Bibliothek kann die Gratisversion nicht arbeiten. Auch die Programmierbefehle sind eingeschränkt: Ausschließlich grundlegende Blockly-Befehle funktionieren. Die beiden Skriptsprachen bleiben außen vor. Zum Ausprobieren genügt diese Variante, für den produktiven Unterrichtseinsatz sollte man zur kostenpflichtigen Pro-Version greifen (mindestens 30 Lizenzen, 3 Euro pro Lizenz und Jahr). Sie schaltet sämtliche Optionen frei.
Fazit
Trotz der vielfältigen Funktionen lässt sich CoSpacesEdu nach einer Orientierungsphase einfach bedienen, sodass auch Einsteiger sich schnell zurechtfinden und erste Erfolge erzielen. Gruppenarbeiten laufen ohne störende Wartezeiten ab. Damit bleibt wertvolle Unterrichtszeit, um Projekte zu bearbeiten. Geschickt eingesetzt fördert CoSpacesEdu die Bildung in einer digitalisierten Welt nachhaltig. (apoi@ct.de)