c't 11/2018
S. 60
Kurztest
Bezahl-App

Geldschieber

Die App Glase macht das Smartphone zur drahtlosen Kreditkarte, die auch hierzulande an fast allen Kassen akzeptiert wird.

Aufmacherbild

Handy-Bezahlsysteme gewinnen in Deutschland nur langsam Fahrt. So lassen Big Player wie Apple Pay und Google Pay noch auf sich warten. Diese Nische besetzen private Finanzdienstleister: Unlängst hat das schwedische Unternehmen Glase den Bezahldienst SEQR samt gleichnamiger App übernommen.

Glase ist im Prinzip eine virtuelle Kreditkarte. Die App funktioniert an allen NFC-Terminals, die auch kontaktloses Bezahlen mit einer Mastercard akzeptieren. Nach unseren Erfahrungen sind das alle großen Supermarkt- und Tankstellenketten.

Zum Bezahlen muss man nur das Smartphone ans Terminal der Kasse halten. Bei Beträgen unter 25 Euro erfolgt die Zahlung sofort, darüber muss man am Terminal die von der App festgelegte Karten-PIN eingeben. Sie lässt sich in den Glase-Einstellungen einsehen, aber nicht verändern.

In der App lassen sich zwei unabhängige Konten hinterlegen. Der bei der Installation automatisch angelegte Glase-Account ist wie eine Prepaid-Kreditkarte und muss vorab mit einer realen Kreditkarte auf einen gewünschten Betrag aufgeladen werden. Einzig dafür wird eine Gebühr berechnet. Davon abgesehen ist die Glase-App und deren Nutzung kostenlos.

Weit spannender ist aber das SEPA-Lastschrift-Konto: Nachdem man durch Abfotografieren des Ausweises seine Identität bestätigt und einem Lastschriftmandat zugestimmt hat, tritt Glase in Vorleistung. Die App gewährt dann ein Transaktionslimit von 50 Euro. Die ausgegebenen Beträge bucht der Dienstleister Glase FinTech nach einigen Tagen vom Konto ab und erhöht das Limit in der App umgehend wieder auf 50 Euro.

Nach drei erfolgreichen Buchungen erhöht Glase das Limit dann auf 500 Euro. So kann man Glase für sämtliche alltäglichen Einkäufe nutzen, ohne dass man sich darum kümmern muss, das Guthaben in der App selbst aufzuladen – also fast wie das Bezahlen mit einer herkömmlichen Girocard.

Besonders ist auch das Cashback genannte Rabattprogramm, an dem jeder Nutzer automatisch teilnimmt. Bei einer bis elf Zahlungen pro Monat gewährt Glase einen Rabatt von 1 Prozent auf die Umsätze. Zwischen 12 und 20 Zahlungen pro Monat sind es 2 Prozent und darüber 3 Prozent Rabatt. Der greift aber nicht sofort bei der Abbuchung, sondern wird quartalsweise auf das Glase-Konto erstattet. Auf Wunsch lässt sich der Betrag in der App kostenlos auf das Lastschrift-Konto umbuchen. Apropos umbuchen: Mit Glase kann man innerhalb von Sekunden Geld an andere Glase-Nutzer verschicken.

Glase ist auch für iOS erhältlich. Wegen des eingeschränkten Zugriffs auf die NFC-Schnittstelle eignen sich iPhones aber nicht zum Bezahlen an Drahtlosterminals. Nur das Überweisen an andere Glase-Nutzer und das Bezahlen mittels Scannen eines QR-Codes funktioniert. Bislang kennen wir in Deutschland aber keine Geschäfte, die die QR-Bezahlung anbieten. (spo@ct.de)

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Tabelle: Glase