c't 12/2018
S. 33
News
Server & Storage

ARM64-Prozessoren für Server

Die britische Firma Avantek verkauft ThunderX2-Einschübe für ihren Rack-Server 2U4N. Bild: Avantek

Rund zwei Jahre nach der Ankündigung des Serverprozessors ThunderX2 gibt die Marvell-Tochterfirma Cavium die allgemeine Verfügbarkeit bekannt. Ab sofort sind 40 ThunderX2-Versionen mit 16 bis 32 ARM64-Kernen sowie 1,6 bis 2,5 GHz Taktfrequenz erhältlich. Einst war auch von 54-Kernern die Rede, die nun anscheinend nicht mehr geplant sind.

Die ThunderX2-Varianten unterscheiden sich auch in Bezug auf Multithreading (1 bis 4 Threads per Core), in der Anzahl der PCI-Express-3.0-Lanes (48 oder 56) und der Anzahl der Speicherkanäle (vier, sechs oder acht für DDR4-2666). Zwei ThunderX2 können in einem Server zusammenarbeiten und binden dann – genau wie AMD Epyc – bis zu 4 TByte Speicher an. Zu den ersten Firmen, die Systeme mit ThunderX2 verkaufen, gehören HPE, Cray, Atos Bull und Avantek. Pilotsysteme laufen in Supercomputer-Forschungsprojekten wie Mare Nostrum (Barcelona) oder Isambard (Uni Bristol).

Die Webseite ServeTheHome.com veröffentlicht Benchmarks eines Vorserien-Servers mit zwei der schnellsten Cavium ThunderX2 CN9980 mit insgesamt 64 Kernen und 256 Threads. Pro Chip zahlt man hier mit rund 1800 US-Dollar Listenpreis weniger als die Hälfte wie für einen AMD Epyc 7601; der Xeon Gold 6148 kostet rund 3000 US-Dollar. Im direkten Vergleich unter Linux und mit dem Compiler gcc schlug sich das System mit zwei ThunderX2 recht gut.

Der ThunderX2 hat eine deutlich höhere Singlethreading-Performance als der 2015 vorgestellte ThunderX. Der ThunderX2 ging aus dem „Vulcan“-Projekt von Broadcom hervor; das Broadcom-Team für ARM64-Server hatte Cavium Anfang 2017 übernommen. Ende 2017 wurde Cavium dann von Marvell geschluckt.

Unterdessen wurde bekannt, dass sich Qualcomm aus dem Geschäft mit ARM64-Servern zurückzieht. Der 2012 von Intel zu Qualcomm gewechselte Anand Chandrasekher, der die Server-Sparte leitete, hat das Unternehmen bereits verlassen. Qualcomms einziger Server-Chip ist der Centriq 2400 mit bis zu 48 Kernen; er läuft aber nur in Single-Socket-Systemen. Möglicherweise schätzt Qualcomm diese Marktnische als zu klein ein.

Um die ARM64-Prozessoren der chinesischen Firma Phytium ist es recht still geworden. Damit ist außer Marvell/Cavium mit dem ThunderX2 derzeit nur noch Ampere mit dem A1 im ARM-Server-Rennen. Der A1 stammt von jenem Team, das bei Applied Micro den X-Gene entwickelt hatte. (ciw@ct.de)