c't 25/2018
S. 132
Test
Ergonomische Mäuse
Aufmacherbild

Der rechte Klickwinkel

Ergonomische Hochkantmäuse im Vergleich

Mit einer konventionellen Computermaus in der Hand verdreht man Handgelenk und Unterarm, verspannt Muskeln, belastet Sehnen. Die sechs Vertikalmäuse im Test sind ergonomischer: Sie lindern Beschwerden und helfen dabei, dass diese niemals auftreten. An die Form gewöhnt man sich schnell.

An Vertikalmäusen, auch Hochkantmäuse genannt, liegt die Hand schräg, sodass sie nicht mit dem Ballen, sondern mit der Handkante auf dem Tisch liegt. Dadurch ist nur wenig Muskelspannung nötig und die Gelenke bleiben in einer natürlichen Haltung.

Wir haben Hochkantmäuse auf Ergonomie, Vielseitigkeit, Funktionsumfang und Verarbeitung getestet. Wie normale Mäuse gibts die vertikalen auch für kleines Geld. Wir haben uns jedoch sechs Modelle der oberen Preisklasse angesehen, die für mehr Geld auch zusätzliche oder besondere Features mitbringen.

Im Testfeld sind die Evoluent C Right Wireless von Evoluent, Logitechs schicke MX Vertical, die im Winkel verstellbare OysterMouse Wireless, die Rockstick 2 von Rockstick Mouse, die schlichte HE Mouse von R-Go Tools und deren alternative, kabelgebundene Variante Break HE.

Ungewohnte Handhabe

Zum Kasten: Barrierefreiheit: Vertikalmäuse vom Arbeitgeber bezahlen lassen

Hatte man noch nie Hochkantmäuse in der Hand, liegen sie dort erstmal sehr ungewohnt. Aufgrund der veränderten, eigentlich natürlicheren Haltung sind Bewegungen anfangs meist ungenau und der Cursor schießt über das angepeilte Ziel hinaus. Bei allen Testkandidaten lässt sich die Empfindlichkeit des Sensors und damit die Mauszeigergeschwindigkeit einstellen – zur Eingewöhnung macht man hier am besten langsam. Logitechs MX Vertical ist am flexibelsten, man wählt zwischen 400 und 4000 dpi in 50er-Schritten, was sich stufenlos anfühlt.

Praktisch und zusätzlich gelenkschonend: Bei hohen dpi-Einstellungen bedient man die Mäuse ohne große Armbewegungen nur aus Fingern und Handgelenk heraus. Das geht besonders gut mit den leichten Mäusen. Die Evoluent C mit ihrem vergleichsweise hohen Gewicht bewegt man lieber mit dem ganzen Arm. Diesen Nachteil gleicht sie aber durch ihre äußerst ergonomische Form fast komplett aus, durch die sie sich nahezu perfekt in die Hand schmiegt.

Bei der OysterMouse kann man sich nach und nach an einen steileren Winkel herantasten: Sie lässt sich in fünf verschiedenen Winkeleinstellungen verwenden – und das auch von Linkshändern. Allerdings liegt sie sehr wackelig in der Hand, was dem niedrigen Gewicht und der fragil anmutenden Bauweise anzukreiden ist.

Auch die Lage der Maustasten und des Scrollrads ist bei Vertikalmäusen anfangs ungewohnt. Aufgrund des steilen Winkels klickt man nicht mehr nach unten, sondern eher seitwärts. Einzige Ausnahme ist hier die Rockstick 2, deren komplette obere Hälfte ein Kippschalter ist. Kippt man diesen in die eine oder andere Richtung, löst das Links- beziehungsweise Rechtsklicks aus.

An die schief anmutenden Maustasten und die veränderte Handhabung der Mäuse gewöhnt man sich in wenigen Stunden, nach einigen Tagen fällt der Unterschied kaum mehr auf. Länger braucht man für Besonderheiten wie die Kippmechanik und den harten Druckpunkt des Mausrads der Rockstick 2 oder die Klappmechanik der OysterMouse.

Verarbeitung

Die Klappmechanik der OysterMouse ermöglicht einen individuellen Neigungswinkel, ist aber auch wackelig.

Logitechs MX Vertical sticht in Sachen Verarbeitung positiv heraus. Sie fühlt sich wertig an und besonders der Alu-Part des Gehäuses ist schmuck. Die Evoluent C macht mit ihrem stromlinienförmigen Design ebenfalls eine gute Figur auf dem Tisch, obwohl sie eigentlich ziemlich klobig ist. Ihr hohes Gewicht rührt unter anderem von der AA-Batterie her, die sie wie die Rockstick 2 anstatt eines Li-Ion-Akkus mit Strom versorgt. Das schwerere Gewicht der beiden stört aber kaum. Auch die Evoluent C und Rockstick 2 sind gut verarbeitet. Der Hochglanz-Plastik-Part der Evoluent C ist allerdings anfällig für Fingerabdrücke, das Kippschalter-Gehäuse der Rockstick 2 ist etwas wackelig, was aber schlicht an der Mechanik liegt.

Weniger überzeugen können hier die zwei günstigen R-Go-Tools-Mäuse, die sich hohl und klapprig anfühlen, dafür aber auch angenehm leicht sind. Die OysterMouse wirkt instabil und wackelig, was in erster Linie am Klappmechanismus liegt, der nur durch einen simplen Gegenhaken einrastet. Ihr winziger An-/Ausschalter ist nur bei hochgeklapptem Gehäuse und nur mit Fingernägeln bedienbar. Aufgeklappt liegen im Gehäuse außerdem einige Elektronikteile offen – man fährt damit also besser einen großen Bogen um randvolle Kaffeetassen oder Getränkegläser.

Funktionsumfang

MX Vertical, HE Mouse und Evoluent C bringen keine überraschenden Funktionen mit. Sie sind kabellos und haben zusätzliche, gut erreichbare Daumenknöpfe, einen dpi-Schalter und ein Mausrad an Bord – das ist bei der Evoluent C allerdings nicht klickbar, stattdessen hat sie eine dritte Taste. Wen das stört, legt sich die nicht ganz so schicke Schwester Evoluent4 zu. Die kann den Mittelklick auch auf dem Rad, hat aber trotzdem drei Maustasten. Hier braucht man auf hellen, glatten Tischen allerdings dringend ein Mauspad, da sonst der Sensor spinnt.

Dank Klappmechanismus stellt man die OysterMouse prima auf den individuell optimalen Winkel ein. Das ist außerdem praktisch, wenn verschiedene Anwender die Maus nutzen. Unpraktisch ist die Lage der Knöpfe für Daumen und kleinen Finger, die schon mit mittelgroßen Händen nur durch Verrenken zu erreichen sind.

Die Break HE kann Benutzer per Lichtsignal daran erinnern, regelmäßig Pausen zu machen. An sich eine praktische Funktion. Doch dann muss man regelmäßig ein Auge auf die Maus werfen, um das farbige Signal überhaupt zu bemerken.

Ungewöhnlich geformt und beidhändig nutzbar: Der obere Gehäusepart der Rockstick 2 ist Handauflage, linke und rechte Maustaste in einem.

Erst einmal gewöhnungsbedürftig, dann aber überraschend angenehm ist der Klickmechanismus der Rockstick 2. Die Hand liegt an ihr so, dass man Klicks nicht nur mit Handgelenkbewegungen, sondern auch Fingertipps auslöst. Dabei ist es fast egal, wo genau die Finger liegen – der obere Gehäusepart ist schließlich ein einziger, großer Kippschalter. Links- und Rechtsklicks lassen sich so mit fast allen Fingern, sogar dem Daumen auslösen. Doppelt ungewohnt ist hier das Scrollrad, das man mit dem Daumen bedient. Klicks auf das Rad sind aufgrund des harten Druckpunktes und der Konstruktion der Maus nervig und brauchen viel Fingerspitzengefühl, da man sonst gleichzeitig einen Links- oder Rechtsklick auslöst. Deshalb nutzt man statt Scrollrad-Klick besser Strg-Taste plus Linksklick.

Fazit

Tabelle
Tabelle: Ergonomische Hochkantmäuse

Wie angenehm und entspannend die Vertikalmäuse für Handgelenk, Unterarm und Schultern sind, merkt man deutlich, wenn man wieder zu einer konventionellen Maus greift. Sofort spürt man, wie sich der Unterarm verdreht und verspannt. Fast alle c‘t-Redakteure, die sich für den Test an eine Vertikalmaus herantrauten, wollten danach nicht mehr zurück. Diese ergonomische Arm- und Handhaltung bieten alle der getesteten Mäuse.

Die Pausen-Erinnerungsfunktion der Break HE ist eine nette Spielerei. Wer eine Kabelmaus bevorzugt, legt sich aber lieber die kabelgebundene Variante der normalen HE Mouse zu und spart die 15 Euro. Fast schon frech ist das 160-Euro-Preisschild der OysterMouse. Die Mechanik ist praktisch, für den Preis ist die Klappmaus aber einfach zu klapprig, zu klein und bringt zu viele Mankos mit.

Am besten gefallen haben uns die ebenfalls teuren Evoluent C und Logitechs MX Vertical – nicht zuletzt, weil sie hochwertig verarbeitet sind. Rechtshänder können hier bedenkenlos zugreifen. Nicht nur, aber besonders auch für Linkshänder ist die Rockstick 2 trotz der ungewöhnlichen Mechanik einen Blick wert. Sie überzeugt auch davon abgesehen mit einem guten Preis-/Leistungsverhältnis. Sparfüchsen bietet sich die HE Mouse für gerade mal 60 Euro an, allerdings muss man Abstriche bei Verarbeitung und Material hinnehmen. Dafür gibts hier die größte Auswahl bei den Varianten, was auch wieder Linkshändern entgegenkommt. (jube@ct.de)