Endlich! Aber …
Das Apple MacBook Air (2018) mit Retina-Bildschirm
Nach etlichen Jahren ohne Überarbeitung hat Apple das MacBook Air neu aufgelegt. Es glänzt nun mit schönem Bildschirm, hinkt bei einigen Aspekten trotz erhöhten Preises aber der Windows-Konkurrenz hinterher.
Firmen-Admins, die nach drei Jahren abgeschriebene MacBook Air durch neue Modelle ersetzen wollen, konnten bis vor Kurzem dieselben Geräte noch mal neu kaufen – so lange hatte Apple sein günstigstes Notebook nicht mehr aktualisiert und stattdessen einfach weiterhin verkauft. Zu den betagten Spezifikationen zählten unter anderem ein Core-i-Doppelkern der fünften Generation aus dem Jahr 2015 sowie ein blickwinkelabhängiger, grob auflösender TN-Bildschirm.
Die seit Anfang November erhältliche 2018er-Iteration des MacBook Air behebt diese Missstände: Der Bildschirm ist nun ein zeitgemäßes IPS-Display mit weiten Einblickwinkeln und hoher Auflösung (2560 × 1600 Pixel); der Prozessor entstammt der achten Core-i-Generation. Das lässt sich Apple gut bezahlen: Das MacBook Air (2018) kostet mindestens 1350 Euro – davor ging es bei rund 1000 Euro los.
CPU-Sondermodell
Apple verwendet in allen neuen MacBook-Air-Konfigurationen dasselbe CPU-Modell. Der Intel Core i5-8210Y gehört anders als bei Notebooks üblich (und im bisherigen MacBook Air praktiziert) nicht zur U-Familie mit 15 Watt Abwärme, sondern ist ein Y-Modell mit nochmals reduzierter TDP (Thermal Design Power). Laut Datenblatt darf er 7 Watt verbraten, während die anderen Derivate seiner Baureihe (Amber Lake-Y) mit nominell 4,5 Watt spezifiziert sind.
Obwohl die Y-Baureihe für passiv gekühlte Tablets und Notebooks gedacht ist, hat das neue MacBook Air einen Lüfter, der bei anhaltender Rechenlast hörbar in Erscheinung tritt. Dadurch bricht die Performance bei längeren Berechnungen anders als beim passiv gekühlten 12-Zoll-MacBook zwar nicht überproportional ein, doch sie verbleibt auf generell niedrigem Niveau: Der alte 15-Watt-i5-Doppelkern des bisherigen MacBook Air erzielt im Cinebench R15 sehr ähnliche Multi-Thread-Werte um 250 Punkte; auch beim Single-Thread-Test kann er sich nicht groß absetzen.
Zum Vergleich: In der 15-Watt-U-Baureihe sind mittlerweile Vierkerner mit Werten um 500 Cinebench-Punkten gängig; bei guten Kühlsystemen sind sogar über 600 Punkte drin. 13-Zoll-Notebooks mit Vierkern-Prozessoren gibt es in der Windows-Welt bereits für rund 800 Euro in ordentlicher Ausstattung inklusive USB-C [1]. Apropos USB-C: Die Thunderbolt-Fähigkeit der beiden USB-C-Buchsen am neuen MacBook Air ist nahezu irrelevant, denn bei den Nutzungsszenarien der beiden Thunderbolt-Paradedisziplinen Storage (für Videoschnitt) und eGPU (für Gaming) fehlt es schlicht an CPU-Power. Sofern man nicht unbedingt ein 5K-Display über ein Kabel ansteuern möchte, hätte auch USB-C mit Power Delivery und DisplayPort gereicht.
Der größte nutzbare Fortschritt an der achten Core-i-Generation ist die im Prozessor integrierte Grafikeinheit, die nebst verbesserter Multi-Monitor-Fähigkeiten auch einige moderne Video-Codecs in Hardware unterstützt und entsprechend kodierte Filme ohne CPU-Last abspielt. Wegen der etwas höheren CPU-TDP hört die GPU auf den gesonderten Namen UHD 617; ihre Fähigkeiten entsprechen allerdings denen von UHD 615 (restliche Y-Modelle) beziehungsweise UHD 620 (U-Baureihe).
Fingerabdruckleser
Wie alle aktuellen MacBooks hat auch das neue Air eine Tastatur mit Apples Butterfly-Mechanismus. Der Anschlag ist präzise spürbar, doch wegen des äußerst geringen Tastenhubs braucht es Training, bis man ohne komisches Gefühl flüssig tippt – und selbst dann wünscht man sich mehr Hub herbei, wenn man zwischendurch mal wieder an einer anderen Tastatur gesessen hat. Statt der aus den MacBook Pro bekannten Touch Bar sind herkömmliche Funktionstasten an Bord. Der Einschalter ist gleichzeitig ein Fingerabdruckleser zum komfortablen Einloggen mittels Touch ID. Das neuere Face ID behält Apple iOS-Geräten vor.
Die Sicherheitsfunktionen hinter Touch ID verwaltet Apples hauseigener T2-Coprozessor, der sich auch um Authentifizierungsfunktionen rund um den Bootvorgang, das Aufwachen auf den Sprachbefehl „Hey, Siri!“ und die Verschlüsselung der SSD kümmert. Er überprüft zudem alle Komponenten auf Authentizität, was Hardware-Manipulationen vereiteln soll. Die Kehrseite: Nur zertifizierte Apple-Partner können T2-Macs noch reparieren. Aufrüsten geht beim MacBook Air grundsätzlich nicht, weil alle Komponenten aufgelötet sind.
Der Bildschirm deckt den sRGB-Farbraum ab. Mit den besonders farbstarken MacBook-Pro-Panels (DCI-P3) oder AdobeRGB-Panels teurer Windows-Notebooks kann er also nicht konkurrieren – und er hat auch eine geringere Maximalhelligkeit. Der vormals vorhandene SD-Kartenleser ist entfallen. Wer Windows 10 mittels Boot Camp installiert, muss mit Einschränkungen bei Touchpad (nur Zwei-Finger-Gesten) und Laufzeit (15 statt über 19 Stunden) auskommen.
Die Preise beginnen wie eingangs erwähnt bei 1350 Euro; dann ist eine magere 128er-SSD an Bord. Für die alltagstauglichere 256-GByte-SSD sind satte 250 Euro Aufpreis fällig und für die erneute Verdopplung auf 512 GByte noch mal so viel. Oberhalb davon gibt es noch eine Stufe mit 1,5 TByte, die mehr Aufpreis kostet als das Basismodell an sich: plus 1500 Euro. Unabhängig vom Speicherplatz schlagen 16 statt 8 GByte Arbeitsspeicher mit 240 Euro zu Buche. Alle Ausstattungsvarianten bekommt man in den Gehäusefarben Grau, Silber oder Gold. Im Kaufpreis ist ein Jahr Garantie erhalten; die AppleCare-Erweiterung auf 3 Jahre kostet 250 Euro.
Fazit
Der bessere Bildschirm und die modernen Schnittstellen tun dem neuen MacBook Air gut, doch die von Apple gewählte CPU-Baureihe bringt keine Performance-Steigerung – und das trotz spürbar erhöhter Preise. Die bei Windows-Notebooks schon ab 500 Euro üblichen leistungsstarken Vierkern-Prozessoren sieht Apple erst im ab 2000 Euro teuren MacBook Pro 13" mit Touch Bar vor [2].
Der Namenszusatz „Air“, der einst für besonders leichte Geräte stand, ist nur noch Makulatur: Rund 1,3 Kilogramm sind bei 13-Zöllern schon längst Standard. Leichtgewichte wie die Windows-Notebooks Acer Swift 5 (SF514-52T) [3] oder Asus ZenBook 13 (UX331UAL) [4] bringen unter 1 Kilo auf die Waage – beide sind zudem übrigens billiger und schneller als das MacBook Air (2018). (mue@ct.de)