c't 9/2018
S. 186
Buchkritik
Privacy

Qualifiziertes Misstrauen

Der prominente Ex-Hacker Kevin Mitnick war selbst lange auf der Flucht vor behördlichen Verfolgern. Wenn er über das Einmaleins der Anonymität im Internet spricht, schöpft er aus eigenen Erfahrungen.

Schnell erhalten sorglose Zeitgenossen manchen Stoß vor den Kopf. So macht der Autor eindrucksvoll deutlich, wie unsicher unverschlüsselte E-Mail-Kommunikation tatsächlich ist. Er zeigt, wie schwache Passwörter gewissermaßen im Handumdrehen offenbart werden. Auch auf den Datenhunger der Betreiber von Social-Media-Plattformen geht er ein.

Wer die laufende Berichterstattung zu Sicherheitsfragen verfolgt hat, liest zunächst viel Bekanntes. Der Autor nähert sich jedoch schrittweise technisch komplexeren Themen – etwa den Mechanismen, die es ermöglichen, den Standort eines Netzteilnehmers zu bestimmen. Immer wieder gibt Mitnick seinen Lesern nützliche Hinweise, beispielsweise zur Privacy-freundlichen Konfiguration von Web-Browsern und WLAN-Routern. Er erklärt, was es mit Cookies und OAuth auf sich hat und warum es nicht empfehlenswert ist, vertrauliche Dokumente übers Netz an einen entfernt stehenden Drucker zu senden.

Die Grenze zwischen Anonymitätswunsch und Paranoia verläuft bisweilen fließend – und so beschreibt Mitnick schließlich bis ins kleinste Detail, wie man sich eine neue spionagesichere Online-Identität zulegt. Wer das Ganze zum Exzess treibt, heuert Obdachlose für die Beschaffung von Handy und Prepaid-Kreditkarte an und lernt es, den Blickbereich von Überwachungskameras wie die Pest zu meiden. Ausgesprochen lehrreich ist es, wenn Mitnick eigene Fehler im Hinblick auf Versuche schildert, seine Entdeckung zu verhindern.

Streckenweise liest das Buch sich wie ein spannender Spionage-Thriller, bleibt dabei aber authentisch und realitätsnah. Lesenswert sind nicht zuletzt die Schilderungen von Beispielen für erfolgreiche IT-Recherchen und geplatzte Anonymität. Hier ist dann etwa von der Enttarnung des Silk-Road-Betreibers die Rede. Der illegale Darknet-Schwarzmarkt flog 2013 erstmals auf.

Der leicht lesbare Text orientiert sich hauptsächlich an US-amerikanischen Verhältnissen, passt aber auch zu deutschen Gegebenheiten – so widmen sich etwa einige Seiten dem Fall des Vorratsdatenspeicherungskritikers Malte Spitz. Zur ausgesprochen angenehmen Lektüre trägt nicht zuletzt die vorzügliche Übersetzung bei. (Maik Schmidt/psz@ct.de)

Kevin D. Mitnick, Robert Vamosi

Die Kunst der Anonymität im Internet

So schützen Sie Ihre Identität und Ihre Daten

mitp, Frechen 2018

ISBN: 978-3-9584-5635-8

318 Seiten, 25 €

(PDF-/Epub-E-Book: 22 €)