Wisch und weg
Wiederverwendbare Notizbücher mit App-Anbindung
Die beiden Notizbücher Everlast und Wave von Rocketbook lassen sich mit einem feuchten Tuch oder in der Mikrowelle löschen und sind deshalb immer wieder verwendbar. Um die Notizen zu erhalten, fotografiert man sie vorher per App und synchronisiert sie mit zahlreichen Cloud-Diensten.
An das Gefühl und die leichte Verfügbarkeit des guten alten Notizbuchs aus Papier kommt bislang wenig heran, obwohl sich Notizen längst direkt am Smartphone oder Laptop anfertigen lassen, ohne Angst vor Papiermangel und verschlampten Aufzeichnungen. Rocketbook verknüpft deswegen mit seinen immer wieder verwendbaren Notizbüchern Everlast und Wave die Verlässlichkeit des Papiers mit den Vorteilen der digitalen Notizen.
Die Kunststoffseiten des Rocketbook Everlast sind glatter als herkömmliches Papier, der Widerstand beim Schreiben ist mit Whiteboard-Oberflächen vergleichbar. Nach circa fünfzehn Sekunden ist die Tinte trocken. Sie lässt sich einfach mit einem feuchten Tuch entfernen.
Das Wave fühlt sich hingegen rau wie Papier an und die Tinte trocknet sofort. Um sämtliche Aufzeichnungen zu entfernen, legt man das Buch in die Mikrowelle und stellt eine Tasse mit Wasser darauf. Ist der Vorgang erfolgreich, wird die Tinte durchsichtig. Das klappte ziemlich gut, nur die erste Seite unter der Tasse hatte Rückstände behalten.
Zum Beschreiben beider Blöcke eignen sich nur Frixion-Stifte mit radierbarer Tinte – die gibt es in vielen Farben im Schreibwarenhandel für etwa drei Euro das Stück. Ihre Schrift kann man wie auch auf normalem Papier mit einem Kunststoff-Nupsi am anderen Ende des Stifts wegradieren. Dabei verschwindet die Tinte übrigens nicht, sondern wird durch die Reibungshitze transparent. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt taucht die Farbe wieder auf.
Beim genauen Hinsehen sind nach dem Radieren und beim Löschen des Wave Spuren der alten Aufzeichnungen zu sehen, vergleichbar mit einem Tintenkiller. Das Wave sieht nach ein paar Runden Notizen mitgenommen aus, während das Everlast fast wie neu wirkt, da hier die Tinte tatsächlich entfernt wird.
Digitalisierte Notizen
Jede Seite im Notizblock hat am unteren Rand einen individuellen QR-Code und sieben Icons. Durch Ankreuzen eines Icons legt man fest, wohin die App den Scan schickt. In der App lässt sich für jedes ein Ziel definieren, und zwar Box, Dropbox, Evernote, Google Drive, Google Fotos, iCloud und iMessage (beide nur iOS), OneDrive und OneNote (beide nicht Office 365 Deutschland), Slack und Mail. Dienste können dabei mehrfach vorkommen, auch mit unterschiedlichen Konten.
Das Einscannen per Smartphone-Kamera lässt sich umfangreich konfigurieren: Man kann Duplikate ausschließen, entscheiden, ob eine Seite automatisch gesendet wird oder Scans von mehreren Seiten in einem PDF bündeln und als animiertes GIF abspeichern. Die Scans gehen bei guten Lichtverhältnisse schnell, geraten perspektivisch korrekt und werden mit High-End-Kameras sehr scharf. Kopien speichert Rocketbook in der App, sie können später an andere Dienste und Apps weitergeben werden. In den Apps landen Scans als PDF oder JPEG und lassen sich daher nicht nachträglich bearbeiten. Als eigenständige Notizen-App eignet sich das Programm bestenfalls rudimentär.
Fazit
Will man digitalen Workflow und analoges Schreibgefühl vereinen, gibt es keine Lösungen, die sich einfacher und ohne laufende Kosten mit anderen Diensten verknüpfen lassen. Das Everlast erweist sich bei normaler Behandlung tatsächlich als langlebig. Das Wave ist angenehmer zu beschreiben, aber umständlicher zu löschen, zudem erfordern die Tintenreste alle paar Löschvorgänge einen Neukauf. Als Rocketbook One gibt es auch eine reine Papierversion ganz ohne Wiederbeschreib-Versprechen mit 140 Seiten für etwa 20 Euro. (asp@ct.de)