c't 9/2018
S. 20
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Prozessoren

Mehr Coffee Lakes

20 neue Core-i-8000-Prozessoren für Notebooks und Desktop-PCs

Intel erweitert die Coffee-Lake-Prozessorfamilie: Der Sechskerner Core i9-8950HK für Notebooks schafft fast 5 GHz, neue 28-Watt-Quads bringen stärkere Grafik. Bei Desktop-Rechnern läuten Celerons, Pentiums, 35-Watt-Sechskerner und vier neue Chipsätze den Generationswechsel ein – denn bald kommt der konkurrierende AMD Ryzen 2000.

Die Firma Intel stopft die Lücken im Angebot der achten Core-i-Generation Core i-8000. Seit August 2017 gibt es 15-Watt-Vierkerner für Notebooks (U-Typen), im Oktober folgten Sechskerner für Desktop-PCs (S-Typen). Letztere liefen jedoch bislang ausschließlich auf relativ teuren Mainboards mit dem Chipsatz Z370. Nun kommen billigere Chipsätze, mehr als 80 damit bestückte Mainboards, billigere Prozessoren und eine Fülle an Coffee-Lake-PCs.

Gleichzeitig erscheinen Sechskerner für High-End- und Gaming-Notebooks (H-Typen), darunter der erste Core i9 für Notebooks. Der i9-8950HK schafft 4,8 GHz im Turbo und lässt sich noch übertakten. Anders der sonst fast baugleiche Xeon E-2186M für mobile Workstations mit fehlergeschütztem (ECC-)Arbeitsspeicher. Intel bringt außerdem noch einen weiteren Xeon und zwei Core i7-8000H mit je sechs Kernen sowie zwei Core i5 mit je vier Kernen. Die insgesamt sieben H-Typen sind mit 45 Watt Thermal Design Power (TDP) spezifiziert, also für dickere Mobilrechner gedacht.

Der Core i9-8950HK kommt in Gaming-Notebooks wie dem MSI GT83 Titan zum Einsatz; Dell Alienware übertaktet ihn ab Werk auf 5 GHz.

Die Ankündigung der neuen High-End-Mobilprozessoren triggerte Neuvorstellungen von Gaming-Notebooks etwa von Dell (Alienware), HP (ZBook), MSI (GT) und Schenker (XMG). Dell übertaktet den erwähnten ersten Core i9 für Notebooks ab Werk auf 5 GHz.

Zum Kasten: Core 2 Duo ohne Spectre-V2-Schutz

Für flachere Notebooks bringt Intel drei 28-Watt-„U“-Versionen mit vier Kernen, in denen eine „Iris Plus“-Grafik steckt, die erheblich schneller ist als die „Iris“-GPU der 15-Watt-U-Quads. Wie ihre Vorgänger haben Core i7-8559U, Core i5-8269U und Core i5-8259U außer L1-, L2- und L3-Caches noch 128 MByte eingebettetes DRAM (eDRAM) quasi als L4-Cache. Der beschleunigt vor allem die GPU.

Mehr Desktop-CPUs

14 neue Coffee Lakes kommen für Desktop-PCs – und vor allem auch die Chipsätze H370, B360, H310 und Q370. Davon ist der B360 der interessanteste: Der H310 ist zu stark abgespeckt – ihm fehlen USB 3.1 Gen 2 alias SuperSpeed+ und PCIe 3.0 für M.2-SSDs – und der teurere H370 hat Zusatzfunktionen, die wohl nur wenige Käufer brauchen können, etwa RST-RAID über bis zu drei NVMe-SSDs. Wer übertakten möchte, also einen K-Prozessor mit unbeschränktem Multiplikator kauft, muss weiterhin zu Mainboards ab etwa 90 Euro mit dem Z370 greifen. Boards mit dem Q370 wiederum ermöglichen zwar Fernwartung, sind aber teuer und kommen erst später.

Den ebenfalls erwarteten Z390 hat Intel noch nicht angekündigt – aber bis zur Computermesse Computex in Taipeh sind es auch nur noch sieben Wochen. Zuvor, nämlich noch im April, will AMD neue Ryzen-2000-Vielkerner bringen – HP hat bereits Pavilion-Rechner avisiert, die man mit Intel-Sechserkern oder AMD-Achtkernern ordern kann.

Unter den mehr als 80 neuen Mainboards mit H370, B360 und H310 ist auch das Asus ROG Strix B360-F Gaming.

Bei den neuen LGA1151-Prozessoren handelt es sich um zwei Mittelklasse-Sechskerner (Core i5-8500/-8600), den Vierkerner Core i3-8300 sowie 35-Watt-„T“-Typen mit zwei, vier oder sechs Kernen. Außerdem gibt es nun den 40-Euro-Billigheimer Celeron G4900 sowie Celeron G4920, Pentium Gold G5400, G5500 und G5600.

Wir konnten den erwähnten Celeron und den 35-Watt-Sechskerner Core i5-8500T kurz antesten, und zwar auf dem aufwendig ausgestatteten Asus-Mainboard ROG Strix B360-F Gaming. Die Performance des Celeron G4900 enttäuschte: Mit 3,1 GHz taktet er zwar etwas höher als der Kaby-Lake-Celeron G3950 (3,0 GHz), rechnet im Cinebench R15 aber nicht schneller: Er schaffte 123 beziehungsweise 239 Punkte (Single-/Multithreading), der G3950 124/241 Punkte. Der Neuling ist auch nicht nennenswert sparsamer. Immerhin enthält der Celeron G4900 wie alle Coffee-Lake-Chips auch Hardware-Decoder für VP9-Videos. Auf Mainboards wie dem Asus B360M-C mit zwei DisplayPorts steuert er gleich zwei 4K-Monitore an – aber auch das war schon mit Kaby Lake möglich.

Der Core i5-8500T arbeitet unter Last effizienter als etwa der Core i5-8400: Er schafft 83 Prozent der Cinebench-R15-Punkte (150/782 gegen 169/941) und braucht dabei nur 64 Prozent der Leistung. Das ist allerdings vor allem in Sonderfällen relevant, etwa in besonders kompakten Rechnern. Die angegebenen 35 Watt TDP sind eher Wunschdenken, denn das Test-Mainboard nahm unter Last bis zu 71 Watt auf – das war deutlich mehr als mit dem Celeron G4900, für den Intel 51 Watt TDP nennt.

Kein HDMI 2.0

Noch immer sind die LGA1151-Prozessoren nicht zu HDMI 2.0 kompatibel: Sie liefern nur HDMI 1.4 oder DisplayPort 1.2. Mit einem sogenannten LSPCon-Chip auf dem Mainboard lässt sich DP 1.2 zwar in HDMI 2.0 verwandeln, doch einen solchen Chip löten nur wenige Board-Hersteller auf. Eher findet man ihn in Mini-PCs – und die sind wiederum meistens mit Mobilprozessoren bestückt. Für Media-Center-PCs, die auch 4K-Videos in HDR streamen sollen, wären theoretisch die konkurrierenden Ryzen-2000-APUs mit HDMI 2.0 besser geeignet, hier hapert es aber noch an den Treibern in Bezug auf HDR und Netflix. (ciw@ct.de)