Anschlussfreudig
USB-C-Dockingstationen von Notebook-Herstellern und Drittanbietern
USB-C verspricht universellen Docking-Komfort, bei dem Notebook und Dockingstation von verschiedenen Herstellern stammen können. Wir haben ausprobiert, ob das in der Praxis tatsächlich klappt.
Anfang 2017 hatten wir uns USB-C-Mini-Docks angesehen [1]. Sie können grundsätzlich als stationäre Dockingstationen für Notebooks dienen, doch mit ihren wenigen Anschlüssen sind sie eher für unterwegs gedacht. Für diesen Test haben wir uns neun größere USB-C-Docks mit mehreren USB-Schnittstellen und LAN-Buchse ausgesucht – mit zusätzlichem USB-Hub auf dem Schreibtisch wird der Kabelsalat schließlich nicht kleiner. Drei Kandidaten stammen von Notebook-Herstellern, die anderen von Drittanbietern. Wir haben Letztere stichprobenartig ausgewählt; der Markt ist deutlich größer.
Die getesteten Docks kosten zwischen 50 und 200 Euro, wobei der Preis allein ein wenig in die Irre führt: Alle Docks mit zweistelligen Preisen kommen ohne Zweitnetzteil, die teureren Modelle hingegen mit. Für echten Dockingkomfort benötigt man aber zwingend ein zusätzliches Netzteil, damit das beim Notebook mitgelieferte in der Tasche für unterwegs verbleiben kann. USB-C-Netzteile mit bis zu 60 Watt kosten ab 35 Euro.
Stromversorgung
Für die getesteten Notebooks (siehe S. 96) reicht diese Leistungsklasse aus, wenngleich sich gemäß USB-PD-Spezifikation bis zu 100 Watt per USB-C-Kabel übertragen lassen. Dell legt seinem WD15 ein 180-Watt-Netzteil bei und kann hauseigene Notebooks auch mit mehr als 100 Watt versorgen, weil man eine proprietäre Erweiterung gebastelt hat. Notebooks anderer Hersteller laden daran mit maximal 60 Watt.
Das USB-C-Dock von Ucouso ist ein kurioserer Sonderfall: Ihm liegt zwar ein Netzteil bei, doch dieses dient nur dazu, das Dock selbst und daran angeschlossene Peripherie mit Strom zu versorgen. Zum Laden eines Notebooks muss ein zusätzliches USB-C-Netzteil eingesteckt werden, welches dann das Notebook versorgt – da haben die Entwickler den einfachsten Weg bei der USB-C-Umsetzung gewählt. Das günstigste Dock von Adloko war zickig: Es konnte das Inspiron 5370 nur laden, wenn das Notebook eingeschaltet war; beim IdeaPad 720S funktionierte Laden gar nicht.
Auch schon früher war das Laden mitunter hakelig: HPs erste Notebooks mit USB-C, etwa die erste Generation des Spectre 13, ließen sich nur im ausgeschalteten Zustand an Nicht-HP-Netzteilen laden. Im Betrieb musste es hingegen explizit ein Original-HP-Netzteil sein. Beim jetzt getesteten neueren ProBook 430 G5 gibt es dieses Problem nicht grundsätzlich, wenngleich es am Dell-Dock im Betrieb nicht laden wollte.
Die Docks von Dell, HP, Lenovo und Kensington geben sich im Leerlauf mit weniger als 1 Watt zufrieden; die anderen verbraten teils über 4 Watt.
Weil über ein USB-C-Kabel außer Strom nur USB- und DisplayPort-Signale laufen, müssen andere Dockanschlüsse wie für Audio oder Gigabit-LAN über USB-Chips im Dock realisiert werden. Das ist für Privatkunden ohne Relevanz, nicht aber in Firmennetzwerken, weil dort mitunter als zusätzliche Authentifizierungsebene die MAC-Adresse hinzugezogen wird. Bei einem USB-C-Dock gehört Letztere nun zum Dock statt zum Notebook, was die Authentifizierung aushebelt. Mitunter nutzen Hersteller – etwa HP – proprietäre Wege, um dem USB-LAN-Adaptern eine im BIOS hinterlegte MAC-Adresse zuzuweisen. Das klappt aber nur, wenn Notebook und Dock vom selben Hersteller stammen.
USB-Grafik
HPs USB-C-Dock nimmt eine Sonderstellung ein: Es enthält einen zusätzlichen USB-Grafikchip von DisplayLink. Dadurch kann es – anders als alle anderen Kandidaten – 4K-Bildschirme mit 60 Hz ansteuern. Auch gibt es keine Probleme bei mehr als einem externen Monitor, die viele der Drittanbieter-Docks plagten. Ähnlich wie die schon länger verfügbaren Universal-Docks mit USB-A-Stecker funktioniert die Grafikausgabe zudem an beliebigen Notebooks mit USB-C-Buchse – also auch solchen, die darüber gar kein DisplayPort-Signal ausgeben können.
Dem stehen allerdings auch einige Nachteile gegenüber: Anders als bei reinen USB-C-Docks ist für den Betrieb eines USB-Grafikchips ein zusätzlicher Treiber notwendig. Auch knapst sich die USB-GPU mitunter einen beträchtlichen Teil der USB-Transferrate ab, die sie sich mit am Dock angeschlossenen USB-Sticks, aber auch den im Dock enthaltenen USB-LAN- und -Audio-Chips teilt. Bei statischen Bildschirminhalten, etwa dem Tippen von Texten, ist die Belastung gering; beim Abspielen von HD-Videos bleibt für andere Teilnehmer hingegen spürbar weniger Bandbreite übrig.
Zur Bandbreitenschonung werden die Daten zwar komprimiert übertragen, doch das belastet wiederum die CPU, was je nach Notebook zu unschön rauschenden Lüftern führt. 3D-Beschleunigung klappt gar nicht. Schließlich kann es zu unvorhersehbaren Komplikationen kommen: Apples jüngstes Betriebssystem-Update auf macOS 10.13.4 legt etwa sämtliche DisplayLink-GPUs in Docks lahm (siehe auch S. 34).
Wir würden „echten“ USB-C-Docks ohne USB-GPU deshalb immer den Vorzug geben. Leider gibt es keine verbindliche Nomenklatur, die diesen Aspekt explizit benennt; selbst die Datenblätter der Hersteller enthalten üblicherweise keinen Hinweis auf DisplayLink-GPUs. Immerhin: In Anlehnung an die älteren USB-A-Docks findet man bei Docks mit USB-GPU häufig ein „universell“ im Produktnamen; auch HP taufte das getestete Exemplar auf den Namen „USB-C Universal Dock“. Eine Garantie gibt es freilich nicht, denn an sich ist USB-C selbst ja auch universell – weshalb Digitus und Kensington ihre DisplayLink-losen Docks ebenfalls als Universal-Dockingstationen bezeichnen. HPs Dockingstation ohne DisplayLink-GPU heißt Elite USB-C Dock.
Die Docks von Dell und Lenovo haben Taster, die die Notebooks bei zugeklapptem Bildschirm einschalten. Das klappt aber nur bei Notebook und Dock vom selbem Hersteller und nicht mal da überall: Der Einschalter des Lenovo-Docks funktioniert zwar beim ThinkPad L380, aber nicht beim IdeaPad 720S.
Außer Adloko und Qacqoc haben alle Docks analoge Audioausgänge. Die Qualität der Ausgänge reicht von sehr gut (Dell) bis schlecht (Ucouso). Zum Vergleich: Bei den Audioausgängen der Notebooks selbst sind seit Jahren sehr gut oder gut üblich.
Anders als bei den vor einem Jahr getesteten Mini-Docks funktionierte eine USB-C-Besonderheit durchgängig: Es war bei sämtlichen Notebook-Dock-Kombinationen egal, wie rum das USB-C-Kabel ins Notebook gesteckt wurde. Manchmal musste das Kabel allerdings mehrfach aus- und wieder eingesteckt werden, bis alles funktionierte.
Fazit
Die günstigeren Drittanbieter-Docks schlagen sich wacker, doch je nach Notebook-Dock-Kombination gibt es mitunter Probleme beim Laden oder wenn man mehr als einen Monitor anschließen möchte. Benötigte Zweitnetzteile liegen üblicherweise nicht bei.
Kauft man das offizielle, teurere Dock vom Hersteller des eigenen Notebooks, dann gehört ein passendes Netzteil zum Lieferumfang. Das Risiko von Kompatibilitätsproblemen ist gering und man bekommt eventuell zusätzliche Funktionen, die der USB-C-Standard nicht vorsieht. (mue@ct.de)