Früher war der Komfort einer Dockingstation teuren Business-Notebooks vorbehalten. Dank USB-C bekommt man denselben Komfort inzwischen auch in deutlich günstigeren Notebooks: Solche 13,3-Zöller mit Vierkern-Prozessor und SSD kosten rund 800 Euro.
Von Florian Müssig
Wer einmal den Komfort einer Dockingstation genossen hat, möchte ihn danach nicht mehr missen: Ein Handgriff verbindet das Notebook mit Tastatur, Maus, Monitor, Netzwerk, Netzteil und Drucker, sodass man dann wie an einem Desktop-PC arbeiten kann. Und muss man wieder los, dann trennt man die Verbindung flugs und nimmt das Notebook samt geladenem Akku mit – ganz ohne den Aufwand, ein zweites System hinsichtlich Daten und Windows-Updates auf dem aktuellen Stand halten zu müssen. Mit USB-C schickt sich seit Kurzem eine standardisierte, kompakte Schnittstelle an, die proprietären und oft auch klobigen Docking-Buchsen teurer Business-Notebooks abzulösen: USB-C überträgt neben USB- auch DisplayPort-Signale und kann zum Akku-Laden verwendet werden.
Wir haben für diesen Test die günstigsten 13,3-Zoll-Notebooks mit universeller USB-Buchse, flotter SSD und schnellem Vierkern-Prozessor gegeneinander antreten lassen: Dell Inspiron 5370, HP ProBook 430 G5, Lenovo IdeaPad 720S und Lenovo ThinkPad L380. Die Kandidaten empfehlen sich allesamt mit Gewichten zwischen 1,1 und 1,5 Kilogramm und Laufzeiten von zehn Stunden und mehr für einen mobilen Einsatz, doch sie haben auch ausreichend Power, um am heimischen Schreibtisch alle Aufgaben außer 3D-Spielen zu meistern. Passende USB-C-Docks haben wir uns für den Folgeartikel ab Seite 102 angesehen.
Dass man Dockinganschlüsse vor USB-C nur bei teuren Business-Notebooks vorgefunden hat, hängt unter anderem mit rechtlichen Vorgaben zusammen: Für dienstlich gestellte Rechner am Arbeitsplatz gilt die Bildschirmarbeitsplatzverordnung, gemäß der der Anwender den Abstand zwischen Bildschirm und Tastatur individuell einstellen können muss – was bei einem Notebook bauartbedingt nicht geht. Benötigt man dennoch ein Notebook, weil man oft unterwegs ist, dann kann der Admin die Vorgaben mit einer Dockingstation umsetzen.
Allerdings haben Firmen-Admins üblicherweise mehr Ansprüche als nur Docking: Business-Notebooks müssen sich per Fernwartung administrieren lassen; ein integriertes LTE-Modem erlaubt den Zugriff auf Server mit Firmeninterna ganz ohne die Nutzung öffentlicher und damit potenziell unsicherer WLAN-Hotspots. All diese Zutaten machten die Geräte übermäßig teuer, auch wenn man die Besonderheiten privat gar nicht nutzen kann oder will.
USB-C führt nun dazu, dass Docking günstiger wird und die vormals harten Grenzen zwischen Business- und Consumer-Notebooks verschwinden: Zwei der vier hier getesteten dockingfähigen Kandidaten stammen aus der einen Kategorie und die anderen aus der anderen. Dennoch kosten sie mit plusminus 800 Euro ungefähr dasselbe und haben auch abseits von USB-C und Vierkernprozessor sehr ähnliche Merkmale.
Matte Displays
So sind etwa alle vier mit matten Full-HD-Bildschirmen ausgestattet. Alle vier Panels sind in IPS-Technik gefertigt und zeigen deshalb auch beim Blick von der Seite unverfälschte Farben. Lenovos ThinkPad L380 nimmt dennoch eine Sonderstellung ein: Das Display ist ein Touchscreen – ganz ohne die sonst obligatorische spiegelnde Glasscheibe vor dem Panel. Der Bildschirm von Dell ist etwas dunkler als bei den anderen drei, doch zum Arbeiten in Innenräumen reicht auch seine Helligkeit völlig aus.
Die in den Testgeräten verwendeten Vierkernprozessoren sind Quasi-Standard bei Notebooks. Anders als in den vergangenen Jahren, in denen Intel nach Belieben dominierte, hat sich AMD Anfang 2018 eindrucksvoll zurückgemeldet: Die mobilen Ryzen-CPUs sind genauso schnell wie Intels Core-i-Prozessoren. AMDs integrierte GPU kann Intels Grafikeinheit übertrumpfen, wenngleich beide auf absolut betrachtet niedrigem Niveau arbeiten: Für Blockbuster-Spiele mit detailreicher Grafik taugen beide nicht.
Die beiden Lenovo-Notebooks und das HP-Gerät bieten beleuchtete Tastaturen, bei Dell muss man darauf verzichten. Ein mehrfingertaugliches Touchpad ist bei allen vorhanden, Gleiches gilt für einen Fingerabdruckleser zum komfortablen Einloggen über Windows Hello. Nur beim IdeaPad 720S muss man auf einen Speicherkartenleser verzichten. Der Kartenleser des ProBook 430 G5 nimmt normalgroße SD-Karten auf, die vor Inspiron 5370 und ThinkPad L380 nur kleine MicroSDs.
Dell und HP bieten je eine USB-C-Buchse, die Lenovo-Notebooks jeweils zwei. Beim IdeaPad 720S sind die beiden Buchsen allerdings unterschiedlich belegt; fürs Docking taugt nur einer der beiden. Das ProBook 430 G5 und das ThinkPad L380 haben LAN-Adapter, doch nur bei HP kann man ein Kabel direkt am Gerät einstecken. Lenovo nutzt einen proprietären Anschluss und legt einen Adapter mit RJ45-Buchse bei. Die Linuxtauglichkeit der vier Notebooks überprüfen wir voraussichtlich in der kommenden c’t-Ausgabe.
Fazit
Alle vier Kandidaten zeigen, dass aktuelle 13,3-Zoll-Notebooks nicht nur unterwegs glänzen, sondern dank USB-C auch den heimischen Desktop-PC ersetzen können. Das HP ProBook 430 G5 und das ThinkPad L380 sind minimal teurer als das Dell Inspiron 5370 und das Lenovo IdeaPad 720S, haben dank besserer WLAN-Module und zusätzlich vorhandener LAN-Buchsen aber auch die Nasen vorn.
Grundsätzlich stellt das Testfeld die vernünftige Mittelklasse dar. Wer mehr Geld für ein Notebook ausgibt, bekommt dafür flachere Vollmetallgehäuse oder bessere Bildschirme mit höheren Auflösungen und satteren Farben. Merklich weniger Gewicht und noch längere Laufzeiten gibt es nur bei sehr viel teureren Spezialisten. (mue@ct.de)