Steh mal bitte auf!
Höhenverstellbare Tischaufsätze für ergonomisches Arbeiten
Der Büroschreibtisch passt nicht zur Körpergröße und der heimische Arbeitsplatz ist unergonomisch? Höhenverstellbare Tischaufsätze für Display, Notebook und Tastatur bringen – preiswert – mehr Bewegung in den Arbeitsalltag.
Kennen Sie das auch? Der Nacken schmerzt, im unteren Rücken drückts und Kopfschmerzen kündigen sich an? Oft sind solche Beschwerden eine Folge hochkonzentrierter Tätigkeiten am PC. Denn dabei vergisst man schnell, richtig zu sitzen. Ergonomische Möbel, also ein ordentlicher Schreibtischstuhl und ein höhenverstellbarer Tisch, würden Abhilfe schaffen. Die Anschaffung ist allerdings nicht ganz billig und wird auch nicht von jedem Arbeitgeber finanziert.
Ein erster Schritt zum ergonomischeren Arbeiten können deshalb mobile Tischaufsätze sein. Wir haben uns sieben Aufsätze näher angeschaut, die es ermöglichen, an einem herkömmlichen Tisch auch im Stehen zu arbeiten. Die Geräte stehen stellvertretend für vier Aufsatzvarianten, die man vor dem Kauf kennen sollte.
Die einfachste Ausführung sind Aufsätze, die ausschließlich das Notebook erhöhen und keinen Platz für Peripherie oder Kaffeetasse bieten. In unserem Test sind dies die Geräte von Newton und Longko. Etwas komfortabler sind kleine höhenverstellbare Tischplatten, die man auf die vorhandene Tischfläche stellt. Darauf passen üblicherweise Notebook, Tastatur und Maus. Wir haben stellvertretend für diese Produktklasse mobile Tische von Fenge und Homfa getestet. Höhenverstellbare Komplettaufsätze wie das hier getestete Modell von Halterungsprofi tragen das Notebook und den Monitor, auf einer abgesetzten Ablage davor liegen Tastatur und Maus. Das Peripherieablage lässt sich weit absenken, weshalb das Set dauerhaft auf der Arbeitsfläche verbleiben kann. Die letzte Aufsatzvariante erinnert mit zwei stufenweise verstellbaren Böden an TriptrapKinderstühle: Tastatur und Maus werden in Griffhöhe und das Notebook in Augenhöhe platziert. Wir haben die Geräte von Harmoni und Standsome getestet.
Schmerzhafte Folgen
Eine falsche Sitzhaltung fördert Verspannungen und provoziert Überlastungen. In der Folge stellen sich Rückenschmerzen, Mausarm oder Beschwerden im Bereich der Halswirbelsäule ein. Wer zu lange sitzt, schadet seinem Bewegungsapparat: Die Bänder und Muskeln entlang der Wirbelsäule verlieren an Festigkeit und verkümmern. Auch die Bandscheiben wollen regelmäßig be- und entlastet werden, damit sie geschmeidig bleiben. Dauerndes Sitzen reduziert die Durchblutung der Beine, außerdem verkürzen sich die Sehnen in den Extremitäten, was die Bewegungsfähigkeit auf Dauer einschränkt. Auch das Risiko für Bluthochdruck steigt. Dagegen hilft es, häufiger die Sitzhaltung zu verändern und vor allem, öfter Aufzustehen und im Stehen weiterzuarbeiten.
Allerdings gibt es auch für die Arbeit im Stehen einige ergonomische Regeln (siehe Kasten auf Seite 104). Ganz wichtig: Erledigen Sie zunächst nur einige Tätigkeiten am Tag stehend, damit sich die erforderliche Muskulatur aufbauen kann und Sie das Stehen nicht als Beschwerde, sondern als Entlastung wahrnehmen. Nach einiger Zeit werden Sie eine für Sie angenehme Kombination aus Stehen und Sitzen finden.
Übrigens empfehlen sich Tischaufsätze und Stehtisch auch für Videokonferenzen und Telefonate, denn im Stehen ist der Brustkorb freier, die Atmung kann besser fließen und Ihre Stimme bekommt mehr Volumen. Außerdem besitzen Sie automatisch eine andere Ausstrahlung, wenn die Schultern nicht hängen und der Rücken gerade ist – probieren Sie es einfach mal aus!
Gesteckt
Die beiden stehleiterähnlichen Pulte von Harmoni und Standsome sind in einer Minute auf- und ebenso schnell wieder abgebaut. Die vier Holzplatten werden nur ineinandergesteckt und durch kleine Nuten stabilisiert. Aufgebaut bieten sie zwei Ablageflächen in variablen Höhen. Allerdings muss man zunächst Platz schaffen, insbesondere der Standsome beansprucht mit rund 70 cm × 40 cm recht viel Stellfläche. Da man an den gesteckten Stehpulten nur stehend arbeiten kann, muss man sie für sitzende Tätigkeiten wieder abbauen. Oder man platziert sie auf einer anderen freien Ablagefläche im Zimmer und zieht mit Notebook und Tastatur um – beides ist machbar, wenn auch etwas umständlich.
Theoretisch könnte man auf das obere Brett auch einen Monitor stellen, wovon wir angesichts der hoch aufragenden Stecksysteme aber dringend abraten. Unsere beiden schicken Stehpult-Aufsätze bestehen laut den Herstellern aus zertifiziertem Holz, sie sind in verschiedenen Farben, aus verschiedenen Hölzern und mit unterschiedlicher Beschichtung erhältlich; von Standsome gibt es zudem ein etwas kleineres Modell. Im Internet findet man weitere Anbieter ähnlicher Systeme, etwa von Upstaa und Händig. Man bekommt die massiven Leiter-Stehpulte ab 160 Euro.
Geklappt
Die beiden stabilen, höhenverstellbaren und je rund 80 Euro teuren Klapptische von Fenge und Homfa lassen sich mit darauf abgestellten Geräten problemlos bewegen oder kurz mal zur Seite stellen. Allerdings bieten sie eher wenig Ablagefläche und beanspruchen reichlich Stellfläche. Ihr Vorteil liegt im simplen Aufbau: Man muss lediglich über einen Hebel die Höhe anpassen, fertig. Besitzer eines ausreichend höhenverstellbaren Monitors (etwa über einen Displayarm, siehe [1]) können den Kleintisch mit Notebook und Tastatur beladen vor dem Schirm platzieren – bei niedrigen Geräten verschwindet der Monitor aber hinter der erhöhten Tischkante. Wenn die Tischplatte ergonomisch in Ellenbogenhöhe steht, schaut man weit von oben auf das Notebookdisplay hinab. Für Videokonferenzen ist die niedrige Platzierung des Notebooks ebenfalls ungünstig (Nasenlochkamera).
Deutlich ergonomischer arbeitet es sich diesbezüglich an Komplettaufsätzen wie dem von Halterungsprofi: Das Notebook kommt auf die obere Etage, die Tastatur auf die untere. Arbeitet man im Sitzen, liegt die Tastaturablage auf dem Schreibtisch auf. Um die Haltung zu wechseln, fährt/zieht man den gesamten Aufsatz mithilfe einer Mechanik nach oben. Der Vorteil der nicht besonders hübschen Konstruktion: Alle Geräte und Utensilien bleiben an Ort und Stelle, egal ob sitzend oder stehend gearbeitet wird. Der Nachteil: Man muss die mit Monitor und Peripherie beladenen Tischplatten mit leicht vom Körper weggestreckten Armen hochziehen – wer das mehrmals am Tag vollzieht, könnte trotz Gasdruckfedern-unterstützter Mechanik Rückenschmerzen bekommen.
Gefaltet
Die beiden Tischchen von Newton und Longko erfordern statt Kraft kleine Denkübungen, bis man ihre Faltgelenke in die passenden Positionen gebracht und die Ablagefläche waagerecht ausgerichtet hat. Die Tischchen sind deutlich leichter als alle anderen Kandidaten, aber auch wesentlich instabiler: Wenn man sich darauflehnt, machen sie im wahrsten Sinne des Wortes die Grätsche. Sie bieten Platz fürs Notebook, die Handballen hängen davor in der Luft. Wir haben die Falttischchen auch als Ablagefläche auf dem Sofa ausprobiert. Dort verschaffen sie dem Notebook dank ihrer Belüftungslöcher in der Platte mehr Kühlung, als wenn der Rechner auf den Knien liegt. Die beiden lärmenden USB-Lüfter im Longko-Aufsatz lässt man dabei aber besser aus.
Fazit
Höhenverstellbare Kleintische erlauben kurzfristig und unkompliziert das Arbeiten im Stehen, auf Dauer sind sie aber nicht ideal: Das Notebook steht darauf arg tief, oft fehlt Platz für die Handballenablage und wer für Videokonferenzen die Webcam im Notebook nutzt, schaut von oben auf die anderen Teilnehmer herab. Die wackeligen Faltsysteme dieses Tests taugen allenfalls mal fürs Sofa oder Bett, aber keinesfalls als ernsthafte Arbeitsplattform.
Komplettsysteme wie der Schreibtischaufsatz von Halterungsprofi erzeugen eine ergonomische Arbeitsumgebung. Sie machen aus einem simplen Tisch im Handumdrehen einen höhenverstellbaren Arbeitsplatz, erfordern aber ein wenig Krafteinsatz. Solche Komplettsysteme empfehlen sich für Anwender, die den Positionswechsel beim Arbeiten mit möglichst wenig Aufwand verbinden möchten.
Die schicken Steckpulte aus Massivholz bieten sich vor allem für sehr große Schreibtische mit ausreichend freier Stellfläche an oder für freie Abstellflächen jenseits des Schreibtisches. Ohne einen festen Stellplatz muss man das Pult zu häufig auf- und abbauen – das wird schnell nerven und deshalb auf Dauer unterbleiben. Wer die cleveren Stecksysteme jedoch regelmäßig nutzt, kann seine Arbeitshaltung ähnlich wie mit dem Komplettaufsatz von Halterungsprofi spürbar verbessern. (uk@ct.de)
| Höhenverstellbare Tischaufsätze | |||||||
| Produkt | Harmoni Original | Standsome Double Crafted | Sitz-Steh-Schreibtischaufsatz | Schreibtischaufsatz SD255006WO | GTS-012 | Multifunktional Laptop Table | Newton Laptoptisch |
| Hersteller/Anbieter | Harmoni | Standsome | Fenge | Homfa | Halterungsprofi | Longko | WonderWorker |
| URL | de.harmonidesk.com | standsome.com | www.amazon.de/dp/B07YDT4WFC | www.amazon.de/dp/B07YDT4WFC, www.homfa.de/ | www.amazon.de/dp/B07CGFK9LZ/ | www.amazon.de/dp/B01J79REQW | www.amazon.de/dp/B01E47APHW |
| Variante | Stecksystem aus vier Holzplatten | Stecksystem aus vier Holzplatten und Keil | höhenverstellbare Tischplatte | höhenverstellbare Tischplatte | höhenverstellbare Doppelplatte | 3-Gelenk-Scherenaufsatz | 3-Gelenk-Scherenaufsatz |
| Ablagefläche B × T | zwei Bretter: 80 cm × 24 cm, 35 cm × 25 cm | zwei Bretter à 67 cm × 31 cm | eine Platte: 65 cm × 40 cm | eine Platte: 65 cm × 47 cm | zwei Platten: 95 cm × 40 cm, 94,5 cm × 30 cm | 48 cm × 26 cm (Mausablage 17,5 cm × 15,5 cm) | 42 cm × 26,5 cm |
| Aufstellfläche B × T | 34 cm × 37 cm | 67 cm × 43 cm | 65 cm × 32 cm | 55 cm × 38 cm | 77 cm × 41 cm | 60 cm × 26 cm | 53 cm × 25,5 cm |
| max. Tischhöhe | 74,5 cm | 75 cm | 40,5 cm | 41 cm | 50,5 cm | 46 cm | 45 cm |
| Höhe Arbeitsfläche | 15 bis 72 cm | 27 bis 70 cm | 6,5 bis 40,5 cm | 5 bis 41 cm | 11,5 bis 50,5 cm (Tastaturablage 3 bis 42 cm) | 13 bis 46 cm | 2 bis 45 cm |
| max. Tragfähigkeit | 10 kg | 17 kg je Ebene | 10 kg | 20 kg | 15 kg | k.A. | 15 kg (laut Hersteller) |
| Eigengewicht | 6 kg | 12 kg | 7,8 kg | 9 kg | 16,5 kg | 1,7 kg | 1 kg |
| Merkmale | zwei Arbeitsflächen in sieben Stufen höhenverstellbar | zwei Arbeitsflächen in elf Stufen höhenverstellbar | stufenlose Höhenverstellung per Gasdruckfeder | stufenlosen Höhenverstellung per Gasdruckfeder | stufenlosen Höhenverstellung, Absenkung per Gasdruckfeder | untergebaute USB-Lüfter, Mausablage, auch als Wonderworker Einstein erhältlich | Lüftungsöffnungen in Ablage, auch als VM-SA II für 33 € erhältlich |
| Aufbau | |||||||
| Stabilität | |||||||
| Preis | 199 € | 199 € | 80 € | 83 € | 150 € | 33 € | 60 € |
| sehr gut gut schlecht sehr schlecht | |||||||