Gibts nicht, bau ich
Selbstgebastelt: Das optimale 65-Euro-Alltags-Headset
Offene Bauweise und gleichzeitig Top-Tonqualität von Kopfhörer und Mikrofon: Unser Traum-Headset konnten wir bislang nicht kaufen. Deshalb haben wir aus einem Koss Porta Pro und einem V-Moda BoomPro selbst eins zusammengebastelt.
Leichte Headsets mit sehr guter Mikrofon-Tonqualität findet man auf dem Markt schwierig bis gar nicht. Überhaupt sind Headsets mit Mikrofonen, die sich für Pod- oder Videocasts eignen, dünn gesät – die meisten Geräte wurden ausschließlich auf Verständlichkeit und nicht auf Wohlklang getrimmt – und hören sich deshalb quäkig an wie ein olles Telefon. Uns bekannte Headsets mit sehr guten Mikrofonen – wie das Beyerdynamic DT-297 – gibt es nur in geschlossener Bauweise. Viele Menschen empfinden verschlossene Ohren beim Sprechen unangenehm.
Wir haben deshalb einen sehr gut klingenden offenen Kopfhörer (der seit 1984 fast unverändert gebaute Koss Porta Pro für 35 Euro) und ein sehr gut aufzeichnendes Nachrüstmikrofon (V-Moda BoomPro für 29 Euro) kombiniert. Leider hat der Porta Pro keine 3,5-mm-Buchse an den Hörern, sodass man das BoomPro nicht einfach anstecken kann. Aber ein bisschen basteln – das kann man. Wir haben uns zwei Lösungen dafür ausgedacht, eine ganz einfache und eine etwas aufwendigere.
Die einfache Variante
Hierfür benötigt man lediglich eine 3,5-mm-Doppelkupplung (zum Beispiel Goobay 11884 für 80 Cent) und einen Kabelbinder. Die Kupplung wird mit dem Kabelbinder am Metallbügel des Porta Pro angebracht – danach kann man einfach die Stecker von Kopfhörer und Mikrofon einstecken, fertig. Für mehr Stabilität sorgt ein Klecks Heißkleber. Etwas unelegant ist lediglich das Kabel-Gebamsel, aber das lässt sich ja zusammenrollen.
Die aufwendigere Variante
Hierfür braucht man eine 3,5-mm-Klinkeneinbaubuchse (zum Beispiel LUM KLB 4, ca. 1 Euro), Kabelbinder, Isolierband, einen Lötkolben und solide Löt-Erfahrung. Zuerst entfernen Sie die Steckverbindung der beiden Hörkapseln. Anschließend verkleben Sie die Einbaubuchse am gewünschten Kopfhörerträger mit Heißkleber und befestigen sie zusätzlich mit einem Kabelbinder – wir haben die Buchse rechts angebracht. Kürzen Sie dann das Kabel der rechten Hörkapsel auf 5 Zentimeter und das Kabel der linken Kapsel auf 34 Zentimeter. Isolieren Sie beide Hörkapsel-Kabel auf 1,5 Zentimeter ab. Verzinnen Sie die Enden der freigelegten Litzen mit dem Lötkolben und verlöten Sie sie anschließend mit der Einbaubuchse. Verbinden Sie dann beide Hörkapseln wieder mit dem Kopfhörerträger. Wichtig dabei: Der Kabelaustritt beider Hörkapseln zeigt nun nach oben und nicht wie zuvor nach unten. Zur Zugentlastung der Einbaubuchse können Sie nun noch einen zweiten Kabelbinder anbringen, der die beiden Kabel der Hörkapsel einklemmt. Zum Schluss umwickeln Sie noch die sichtbaren Lötverbindungen mit Isolierband.
Heraus kommt ein Headset, das zwar keine Schönheitspreise gewinnt, aber angenehm leicht ist, nicht die Ohren verschließt, richtig Spaß beim Musikhören macht und ein Mikrofon hat, das sich sogar für Podcast-Aufnahmen eignet. (jkj@ct.de)