c't 11/2021
S. 84
Test & Beratung
Android-Smartphone

Das Desktopfon

Android-Smartphone Motorola Moto G100 mit Dockingstation

Ein Desktopmodus fürs Smartphone ist nichts Neues, doch Motorola setzt die Idee mit dem Moto G100 samt beiliegender Dockingstation besonders ­konsequent um. Auch die ­übrige Hardware überzeugt.

Von Robin Brand

Mit dem Moto G100 spricht Motorola Menschen an, die mit ihrem Smartphone an einem großen Bildschirm arbeiten wollen – mit einem neuen Desktopmodus. Motorola liefert das G100 mitsamt einer passenden Dockingstation aus.

Motorola ist nicht der erste Hersteller, der seine Smartphones mit einem Desktopmodus ausstattet. Vergleichbar aus­gerüstet sind einige Oberklasse-Smartphones von Huawei, LG und Samsung. Allerdings kommt nur das Moto G100 direkt mit dem passenden Zubehör aus USB-C-Dock und USB-C-auf-HDMI-Kabel. Fürs produktive Arbeiten lassen sich per Bluetooth oder über ein USB-C-Dock per Kabel Maus und Tastatur verbinden. Das beiliegende Dock reicht über einen USB-C lediglich das Bildsignal weiter, ­weitere Ports sucht man vergeblich. Schließt man nur eine Tastatur an, kann man den Smartphone-Screen als Touchpad verwenden.

Mit mehreren parallel geöffneten Anwendungen kann Motorolas Desktopmodus gut umgehen.

Der Desktopmodus eignet sich vor allem fürs Arbeiten mit Webanwendungen. Verwendet man ein universelles USB-C-Dock, um zum Beispiel kabelgebundene Peripherie oder ein LAN-Kabel zu verbinden, zeigte sich das Motorola-Smartphone wählerischer als ein zum Vergleich herangezogenes Samsung Galaxy Note10. So erkannte das Smartphone zwar, wenn wir es per ThinkPad-Dock mit Monitor und kabelgebundenen Kopfhörern verbinden wollten – gab aber keine Displaysignale an den Monitor weiter. Beim Note10 klappte das ohne Probleme. Direkt per USB-C-auf-HDMI-Kabel oder mit dem beiliegenden Dock ließ sich das Motorola mit dem ­Monitor verwenden. Im Unterschied zu Samsungs DeX ließ sich in Motorolas Desktopumgebung die Auflösung auf ­externen Bildschirmen nicht anpassen. Auf verschiedenen Monitoren zwischen 19 und 32 Zoll fand das Motorola aber stets die passende Auf­lösung.

Desktop mit Einschränkungen

Ist eine Anwendung auf große Bildschirme vorbereitet, wie diverse E-Mail-Anwendungen, Microsoft-Apps oder Programme der Google Suite, lässt sich hervorragend damit arbeiten. Auch eine längere Messenger-Nachricht ist schneller auf der ­ausgewachsenen Tastatur am Monitor ­getippt. Hantiert man häufig mit Dateien, ist der Android-Desktopmodus allenfalls eine Notlösung – selbst einfaches Drag & Drop auf den Homescreen funktioniert nicht.

Dass der Desktopmodus überhaupt ein Wettbewerbsvorteil ist, liegt daran, dass Android nach wie vor nicht von Haus aus mit einem solchen kommt. Eigentlich sollte dieser samt Taskleiste und einem brauchbaren Fenstermanagement mit ­Android 10 eingeführt werden. Der Code ist im System zwar enthalten, wurde bislang als Funktion aber nicht aktiviert. So duplizieren die meisten anderen Smartphones, die Displaysignale über die USB-C-Buchse ausgeben, lediglich den Smartphone-Screen.

Das Motorola-Modell stellt anstelle eines Desktops wahlweise auch einen Mediaplayer in einer simpleren Kachelansicht auf großen Bildschirmen dar. Dann ist die Auswahl auf Apps wie Netflix, YouTube und Mediatheken sowie Spiele reduziert.

Trotz Kunststoffrückseite macht das Moto G100 einen wertigen Eindruck. Auf der matten Oberfläche sind Fingerabdrücke kaum zu sehen.

Damit das Smartphone auch bei mehreren parallel geöffneten Anwendungen nicht in die Knie geht, stattet Motorola es mit Qualcomms Oberklasse-SoC Snapdragon 870 und 8 GByte Hauptspeicher aus. Der 870 ist eine Neuauflage des Snapdragon 865+, der wiederum eine beschleunigte Neuauflage des Snapdragon 865 war.

Die von Qualcomm versprochene Leistungssteigerung gegenüber dem 865 konnten wir anhand der Benchmarks nicht nachvollziehen. Eher attestierten diese dem Motorola ähnliche Werte wie sie zum Beispiel auch das Asus Zenfone 7 mit Snapdragon 865 hinlegte – das ist schnell genug für alle Arbeiten, die am Smartphone anfallen.

Oberklasse mit Abstrichen

Nicht ganz Oberklasse-Niveau – das gilt auch für das Display des G100. Das recht blickwinkelstabile IPS-Panel stellt In­halte mit kräftigen Farben dar. Mithilfe dreier Presets lässt sich die Darstellung an die eigenen Vorlieben anpassen, andere Hersteller bieten aber umfangreichere Möglichkeiten zur Individualisierung. Dank 90-Hertz-Display sehen zum Beispiel Scrollbewegungen schön flüssig aus. Um den Akku zu schonen, passt die Software wahlweise die Anzahl der Bildwiederholungen an den Inhalt an. Im Labor haben wir eine maximale Ausleuchtung von rund 500 cd/m2 gemessen, das ist ein guter, aber kein überragender Wert. Aktuelle Top-Smartphones kommen fast durch die Bank auf Werte um 1000 cd/m2.

Die Rückkamera besteht aus weitwinkliger Hauptkamera, 16-MP-Ultraweitwinkel, Tiefenkamera und ToF-­Sensor. Für die 64-Megapixel-Haupt­kamera greift Motorola auf einen 1/2-Zoll-­großen Bildsensor zurück, das ist nicht ganz so groß wie jene Sensoren, die zum Beispiel in Samsungs Oberklasse-Smartphones stecken (1/1,33 Zoll), aber größer als die, mit denen die Google-Pixel-Smartphones sehr brauchbare Ergebnisse erzielen (1/2,55 Zoll). Vor allem bei Tageslicht muss sich das Motorola-Gerät nicht vor den genannten und anderen High-End-Smartphones verstecken. Die Fotos sind scharf bis in den Randbereich hinein, nur bei genauem Hinsehen nimmt man einige Schärfeartefakte wahr. Bei weniger Licht wird der Bild-Look weicher, erst ab schummrigen 5 Lux im Labor distanzieren die Klassenbesten von Apple, Huawei oder Google das Motorola deutlich.

Ordentlich ist die Abbildungsqualität der Ultraweitwinkelkamera, wenn diese auch bei Weitem nicht die Qualität der Hauptkamera erreicht. Auf der Vorder­seite stehen gleich zwei Kameras bereit, wiederum Weitwinkel und Ultraweit­winkel – praktisch ist letztere vor allem, wenn sich zum Beispiel die ganze Familie für ein Videotelefonat vor dem Smartphone versammelt.

Der Akku ist mit einer Kapazität von 5000 mAh üppig bemessen. Rekorde stellte das Motorola auf unserem Prüfstand damit aber nicht auf – genug Ausdauer für einen Arbeitstag hatte das G100 indes allemal. Mit dem beiliegenden Netzteil ist das Smartphone binnen 107 Minuten geladen, eine halbe Akkufüllung dauert rund 38 Minuten – andere Oberklasse-­Smartphones schaffen in der gleichen Zeit die komplette Füllung.

Motorola liefert das G100 mit nahezu unveränderter Original-Google-Android-­Oberfläche aus. Der Hersteller will das Gerät mit einem OS-Upgrade und zwei Jahre lang mit Sicherheitspatches versorgen. Angesichts des vier Jahre gültigen Update-Versprechens, das Samsung mittlerweile für die meisten seiner Smartphones gibt, ist das etwas mager.

Fazit

Mit dem Moto G100 liefert Motorola viel Oberklasse-Feeling zum halben Preis der High-End-Geräte. Hardwareseitig muss man auf Telekamera und ein OLED-Display verzichten. Schwerer wiegt das kurze Update-Versprechen. Andere Hersteller supporten selbst günstigere Geräte länger. Kann man das verkraften, erhält man mit dem G100 ein Smartphone mit solider Kamera, schnellem SoC und einem praktischen Dock, das das Smartphone im Handumdrehen zur Arbeitsstation macht. (rbr@ct.de)

Motorola Moto G100
Android-Smartphone
Betriebssystem / Patchlevel Android 11 / Januar 2021
Ausstattung
Prozessor (Kerne × Takt) / Grafik Snapdragon 870 (1 × 3,2 GHz, 3 × 2,4 GHz, 4 × 1,8 GHz) / Qualcomm Adreno 650
Arbeitsspeicher / Flash-Speicher (frei) / Wechselspeicher 8 GByte / 128 GByte (108 GByte) / MicroSDXC
WLAN (Antennen) / Bluetooth / NFC / GPS / Glonass / Galileo / Beidou Wi-Fi 6 (2) / 5.1 / ✓ / ✓ / ✓ / ✓ / ✓
5G: DSS / Band 1 / 28 / 77 / 78 / 260 / 261 ✓ / ✓ / ✓ / ✓ / ✓ / – / –
LTE (Band 1 / 3 / 7 / 8 / 20 / 28 / 32) / SIM / Dual-SIM / SAR-Wert1 ✓ (✓ / ✓ / ✓ / ✓ / ✓ / ✓ / ✓) / nanoSIM / ✓ / 0,8 W/kg
Fingerabdrucksensor / Kopfhöreranschluss / USB-Anschluss / OTG / DP ✓ (im Einschalter) / ✓ / USB-C 3.1 / ✓ / ✓
Akku / drahtlos ladbar 5000 mAh / –
Abmessungen (H × B × T) / Gewicht / Schutzart 16,8 cm × 7,4 cm × 1,1 cm / 207 g / IP52
Kameras
Hauptkamera Auflösung / Blende / opt. Bildstabilisator 64,2 MP (9248 × 6944) / ƒ/1,7 / –
Ultraweitwinkelkamera Auflösung / Blende / opt. Bildstabilisator 16,1 MP (4624 × 3472) / ƒ/2,2 / –
Frontkamera Auflösung / Blende / opt. Bildstabilisator 15,9 MP (4608 × 3456) / ƒ/2,2 / –
2. Frontkamera (Ultraweit­winkel) Auflösung / Blende / opt. Bildstabilisator 8,0 MP (3264 × 2448) / ƒ/2,4 / –
Display
Diagonale / Technik / Bildwiederholrate 6,7 Zoll / IPS / 90 Hz
Auflösung / Punktdichte 2520 × 1080 Pixel / 408 dpi
Helligkeitsregelbereich / Ausleuchtung 3,14 ... 511 cd/m2 / 83 %
Benchmarks und Laufzeiten
Geekbench Single- / Multicore 975 / 2925
GFXBench Manhattan 3.1 On-/Offscreen 81 fps / 93 fps
Laufzeit bei 200 cd/m2 Video 4K/120fps / You­Tube-Stream / 3D-Spiel 10,3 h / 14,1 h / 8,4 h
Ladezeit 50 % / 100 % 38 min / 107 min
Preis 500€
1 Herstellerangabe ✓ vorhanden – nicht vorhanden

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