Aktuelle 4K-Monitore zeigen ein scharfes Bild und verwandeln sich mit einem einzigen Kabel zur Dockingstation für Notebooks mit USB-C-Schnittstelle. Ab 400 Euro gibt es alles vom puristischen 27-Zöller bis zum 32-zölligen Komplettpaket.
Von
Benjamin Kraft
Unterwegs kann das kleine, leichte Notebook seine Stärken ausspielen, doch am Schreibtisch will man größeres Arbeitsgerät. Mit einem USB-C-Kabel dockt der mobile Rechner am großen, hochauflösenden Monitor an, an dem eine Tastatur und eine Maus hängen, und verwandelt das Set im Handumdrehen in eine ergonomische Arbeitsumgebung. Bonus: Der Schreibtisch bleibt von zusätzlichen Kabeln verschont, weil Display- und USB-Daten über eine Strippe laufen, die auch die Stromversorgung übernimmt.
Displays mit 4K-Auflösung (alias UHD, Ultra-High Definition, 3840 × 2160 Bildpunkte) sind längst keine teuren Exoten mehr und auch der USB-C-Anschluss ist an immer mehr Geräten zu finden. Wir haben uns sechs aktuelle 4K-Monitore mit USB-C-Anschluss näher angeschaut.
Testfeld
Das günstigste Angebot macht Samsung mit dem 32-Zöller S32AM700UU, den Onlinehändler ab 380 Euro anbieten. Für rund 400 Euro bekommt man HPs U28 mit 28 Zoll Bilddiagonale; Dells 27-Zöller P2721Q kostet 50 Euro mehr. Etwa 600 Euro werden für Lenovos ThinkVision T32p-20 mit 31,5-Zoll-Display fällig, die gleich großen Monitore LG UltraFine 32UN880-B und Philips Brilliance 329P1H kosten zwischen 700 und 870 Euro.
Da die pandemiebedingte Preislotterie auch den Monitormarkt erfasst hat, können die genannten Preise stark schwanken. Daher geben wir in den Einzelbesprechungen die Preisspanne an, die wir im Testzeitraum beobachtet haben. Ein Tipp: Bestellen Sie nicht, wenn der Händler mehrere Tage oder gar Wochen Lieferzeit angibt; sobald die nächste Lieferung eintrudelt, purzeln die Preise meist wieder – zumindest kurzfristig.
Wer einen USB-C-Monitor sucht, aber in diesem Feld nicht fündig wird, sollte in einige unserer vorherigen Tests schauen. Wir haben bereits farbechte Profis zur digitalen Bildbearbeitung unter die Lupe genommen und uns den schicken Bürohelfer EV2785 von Eizo sowie den Doppeldocker Philips 439P9H angeschaut [1, 2, 3].
Ausstattung und Lieferumfang
Die Testgeräte haben allesamt erfreulich viele Signaleingänge, angefangen mit der USB-C-Buchse. Dieses Multitalent schickt über sein verdrehsicheres Kabel USB-Daten und das Bildsignal und versorgt ein angeschlossenes Notebook mit Energie. Das Leistungsspektrum reicht von 60 Watt bei LG bis 90 Watt bei Philips. Das genügt, um die allermeisten Notebooks im Betrieb zu laden. Zusätzlich bringen alle einen DisplayPort und mindestens einen HDMI-2.0-Eingang mit, die Modelle von LG, Philips und Samsung sogar zwei.
Ein USB-Hub mit den konventionellen, rechteckigen USB-A-Buchsen etwa für Tastatur und Maus ist ebenfalls überall mit an Bord. LG und Samsung geben ihren Displays zwei Ports mit, bei HP sind es drei, bei Dell, Lenovo und Philips vier. Die drei letztgenannten tragen zwei Buchsen gut erreichbar entweder unten oder seitlich im Rahmen, sodass man bequem einen USB-Stick oder andere Peripherie anstecken kann, ohne hinter den Monitor zu krabbeln.
Zwar geben bis auf Samsung alle Hersteller an, dass mindestens zwei der USB-Ports USB 3.1 beherrschen, doch ist das doppelt ungenau. Zum einen meinen sie mit einer Ausnahme damit USB 3.1 Gen 1, was nichts anderes als USB 3.0 mit maximal 5 GBit/s bedeutet (siehe Kasten). Nur das Philips-Display hat USB 3.1 Gen 2 an Bord, kann Daten also mit bis zu 10 GBit/s (etwa 1 GByte/s) übertragen.
Zum anderen gilt das nur, bis man das Display mit voller 4K-Auflösung und 60 Hz Bildwiederholfrequenz betreiben möchte. Dann reicht nämlich die Bandbreite am Hub nur noch für USB-2.0-Geschwindigkeit; die maximale Datenrate beträgt in diesem Modus nur 480 MBit/s, also rund 53 MByte/s. Wer auf schnellere Datentransfers angewiesen ist, kann sie im Bildmenü für den Hub aktivieren; dann sinkt die maximale Bildrate bei 4K allerdings auf 30 Hz. Bei dieser Bildwiederholfrequenz ruckeln bewegte Objekte sichtbar, etwa ein über den Desktop gezogenes Fenster.
Sollen Hub und Anzeige ungebremst laufen, müssen USB- und Bildsignale über separate Verbindungen laufen. Weil keines der Testgeräte einen USB-B-Eingang hat, muss auch dafür der USB-C-Port herhalten, während die Videosignale über einen anderen Eingang übertragen werden. Nur Samsungs Smart Display ignoriert den USB-C-Port komplett, wenn es darüber nicht zugleich das Bildsignal empfängt, und der Hub liegt brach. Übrigens spendieren nur Dell und Philips eine USB-A-C-Strippe für Nutzer, die den USB-Hub an eine rechteckige Typ-A-Buchse ihres Rechners anschließen wollen oder müssen.
Die 2-Megapixel-Webcam des Philips 329P1H taugt für die biometrische Anmeldung per Windows Hello und verschwindet bei Nichtgebrauchim Rahmen.
Philips liefert übrigens auch als einziger Hersteller Kabel für sämtliche Schnittstellen seines Monitors mit. Dell, HP und LG lassen einem immerhin eine gewisse Anschlusswahl und legen ein USB-C- und entweder ein HDMI- oder DisplayPort-Kabel in den Karton. Bei Lenovo gibt es nur USB-C, bei Samsung ausschließlich HDMI.
Seitlich platzierte USB-Buchsen wie bei Dell, Lenovo (im Bild) oder Philips sind besser erreichbar als rückwärtige.
LG, Philips und Samsung bauen Lautsprecher in ihre Monitore ein, die allerdings nur als Notnagel taugen – sie klingen entweder blechern, mittenbetont oder beides. Bis auf Dell und Samsung haben alle eine Kopfhörerbuchse, deren Ausgabequalität allerdings überraschend unterschiedlich ausfällt. HP und Lenovo liefern eine mit 0,3 Volt sehr geringe maximale Ausgangsspannung – daran klingen Kopfhörer mit mehr als 80 Ohm Impedanz möglicherweise selbst bei voller Lautstärke zu leise. Bei LG liegen hingegen bis zu 1,7 Volt an. Der Philips-Monitor liegt mit 0,6 Volt dazwischen, doch bei ihm nimmt der Klirrfaktor stark zu, sobald die Lautstärke per Monitormenü auf über 60 gestellt wurde. Das kann bei höherer Lautstärke zu verzerrtem Ton führen.
Die Geräte von HP und Lenovo haben keine Lautstärkeregelung im Bildmenü – man muss sie also per Softwaremixer des Betriebssystems regeln. Das klappt mit Windows systemweit, bei macOS muss man den Pegel stattdessen in jeder Anwendung einzeln steuern – und wehe, wenn man eine vergisst, denn dann wird es laut.
Etwas überraschend für Displays dieser Größe beherrscht keines Picture-by-Picture (PbP), um das Bild zweier Rechner nebeneinander zu zeigen. Immerhin bietet HPs U28 einen Picture in-Picture-Modus (PiP), blendet also auf Wunsch das Bild einer zweiten Signalquelle als kleines Fenster im Hauptbild ein.
Fein eingestellt
Damit der Rücken auch bei längerer Bildschirmarbeit nicht schmerzt, soll sich der Monitor an die Sitzposition der davor sitzenden Person anpassen, nicht umgekehrt. Dazu muss sich das Display mindestens neigen und in der Höhe verstellen lassen. Will man der Kollegin am Nachbartisch etwas auf dem Monitor zeigen, benötigt er eine seitliche Dreh- oder Schwenkfunktion. Und wer viel mit Texten arbeitet, weiß bald die Möglichkeit zu schätzen, die Anzeige ins Hochformat zu drehen; die Hersteller sprechen auch vom Porträt- oder Pivot-Modus. Bei manchen Geräten klappt die Drehung sogar in beide Richtungen.
Die meisten Kandidaten schlagen sich in puncto Einstellmöglichkeiten gut bis sehr gut. Positiv sticht LGs 32UN880 hervor, der sich mit seinem Ergo-Ständer besonders flexibel einstellen lässt. Beim Samsung S32AM700UU zeigt sich hingegen die enge Verwandtschaft mit den Smart TVs aus gleichem Haus, denn er lässt sich nur neigen. Immerhin hängt sein Display recht niedrig, was den meisten Menschen einen guten Einblick ermöglicht.
Der Klemmfuß von LGs 32UN880 ist platzsparend, der Ständer bietet umfangreiche Einstellmöglichkeiten und dient gleichzeitig zur Kabelführung.
Selbstverständlich hat auch die Darstellung einen erheblichen Einfluss auf das Wohlbefinden vor dem Schirm. Das beginnt bei der Helligkeit: Zwar gelten bei normaler Bürobeleuchtung 120 cd/m2 als ergonomisch, doch muss das Backlight genug Reserven bieten, um umliegende Lichtquellen zu überstrahlen. Andererseits darf es in dunkleren Umgebungen die Augen nicht mit zu hoher Helligkeit überfordern.
Durchweg bleibt Samsung am dunkelsten: Er lässt sich auf 10 cd/m2 herunterregeln, schafft bei voller Helligkeit aber nur 240 cd/m2 – die Konkurrenten leuchten voll aufgedreht mit mindestens 300 cd/m2, HP strahlt mit knapp 400 cd/m2. Alle sechs Displays leuchteten in der Mitte heller als am Rand. Bei Dell, LG und Philips war der Effekt auf großflächig gleichfarbigem Bildinhalt unübersehbar. Im Office-Einsatz ist das unkritisch, wird aber bei der Bildbearbeitung stören.
Zusätzlich kann ein Blaulichtfilter die Augen schonen, verursacht aber meist einen Gelbstich. Er lässt sich bei fast allen Testgeräten zuschalten. HP nutzt keinen Blaufilter, sondern verschiebt das gesamte Farbspektrum ein wenig zu höheren Wellenlängen und vermeidet so den Gelbstich in Weiß. Damit will man den vermeintlich belastenden Blauanteil im weißen Licht umgehen. Allerdings ist sich die Wissenschaft nach wie vor nicht einig, wie sehr blaues Licht die Augen belastet. Mehr zum Thema Blaulichtfilter finden Sie über ct.de/ydwj.
HPs Eye Ease soll die Augen schonen, ohne Farben zu verfälschen, indem es das gesamte Farbspektrum zu den größeren Wellenlängen verschiebt (dunkle Linie).
Bild: HP
Ansonsten ähneln sich die Kandidaten in Sachen Bildqualität stark. Kein Wunder, denn fünf der sechs Displays nutzen IPS-Panels, wodurch ihre Farbdarstellung auch bei Betrachtung von der Seite lange stabil bleibt. Das Quintett zeigt auch satte Farben, die beinahe den großen Farbraum DCI-P3 abdecken, aber beim Grün schwächeln. Samsung setzt hingegen auf ein etwas weniger blickwinkelstabiles VA-Panel, das sich auf den sRGB-Farbraum beschränkt, dafür aber mit 1525:1 den höchsten Kontrast erzielt. Die IPS-Riege erzielt immer noch gute Ergebnisse zwischen 950:1 und 1200:1.
Fazit
Zwar setzen die Hersteller unterschiedliche Schwerpunkte, als Ein-Kabel-Dock taugen die Displays alle – einige aber nur mit Einschränkungen. Aus dem Testfeld ragen der Philips 329P1H aufgrund seiner umfangreichen Ausstattung und LGs 32UN880 mit dem Klemmfuß und dem guten Softwarepaket heraus. Allerdings sind sie aktuell auch die beiden teuersten Geräte dieses Tests.
Samsungs günstiger S32AM700UU bietet sich für Nutzer an, die keinen reinen Arbeitsplatzmonitor suchen, sondern auch ein Display fürs Videostreaming. Wie viel Mehrwert die weiteren Smart-Funktionen bieten, hängt von den individuellen Erwartungen ab.
Wer sich keinen 32-Zöller auf den Schreibtisch stellen möchte, könnte mit dem hellen, gut verarbeiteten HP U28 glücklich werden. Er empfiehlt sich mit seinem PiP-Modus für Leute, die mittels PiP mehrere Rechner im Blick behalten wollen.
(bkr@ct.de)
Die runden Diagramme geben die Winkelabhängigkeit des Kontrasts wieder. Blaue Farbanteile stehen für niedrige, rötliche für hohe Kontraste. Kreise markieren die Blickwinkel in 20-Grad-Schritten, im Idealfall wäre das gesamte Bild pink.
Bewertungen
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Ausleuchtung / Farbeindruck
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Bedienung / Verarbeitung
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Preis4 / Garantie
450 € / 3 Jahre
400 € / 1 Jahr
620 €/ 3 Jahre
710 €/ 2 Jahre
740 € / 3 Jahre
380 €/ 2 Jahre
1 bei 4K/60Hz nur USB 2.0 2 bei 120 cd/m23 Mittelwert und Standardabweichung des Kontrasts im minimalen beziehungsweise erweiterten Sichtfeld. Das minimale Sichtfeld umfasst alle Einblickwinkel, unter denen ein Betrachter das Bild sieht, wenn er aus 60 cm Entfernung frontal auf die Schirmmitte schaut; die Bildecken sieht er dabei unter dem größten Winkel. Im erweiterten Sichtfeld bewegt er den Kopf parallel zur Schirmfläche bis zu den Displaykanten; der Einblickwinkel auf die gegenüberliegenden Bildränder nimmt zu, der mittlere Kontrast sinkt. 4 zum Redaktionsschluss
sehr gut gut zufriedenstellend schlecht sehr schlecht ✓ funktioniert – funktioniert nicht n. v. nicht vorhanden