c't 12/2021
S. 180
Test & Beratung
Buchkritik

Rollende Datenschleudern

Wem gehören die Informationen, die Autos über sich und ihre Fahrer ausplaudern? Mit ihrem Sammelband zum heiß umstrittenen Thema liefert die Stiftung Datenschutz lesenswerte Beiträge zu einer wichtigen Diskussion.

Die Autoren, die zu Wort kommen, verteilen sich über ein breites Fachspektrum von Rechts- und Politikwissenschaft bis zur medizinischen Radiologie. Manche arbeiten für Autohersteller wie Volkswagen und Daimler, andere vertreten die Sicht von Ver­sicherern, sind beim TÜV Rheinland tätig, beim Bundesverkehrsministerium (BMVI) oder in der akademischen Forschung. Somit versammelt das Buch eine Vielzahl von Perspektiven in einer ansonsten oft juristendominierten Diskussion.

Klaus Alpmann, verantwortlich für den Datenschutz im VW-Konzern, beschreibt anschaulich, wie sein Haus die DSGVO-Bestimmungen umsetzt. Dabei kritisiert er allerdings deren vielfältige Auflagen. Alpmann sieht im Datenschutz nicht zuletzt eine Bremse für die Digitalisierung.

Roland Goetzke und Christopher Kaan, beide Referenten im BMVI, werfen einen Blick in die Zukunft: Daten aus Fahrzeugen könnten den Verkehr von morgen sicherer, sauberer und komfortabler machen. Gerade deswegen dürften diese nicht als Eigentum begriffen werden, damit nicht bloß wenige große Akteure im Automobilmarkt profitieren.

In einem schwächeren Aufsatz philosophiert Manfred Heiss, Geschäftsführer der MyAutoData GmbH, über große Linien der Automobilindustrie. Seine Vision: eine private Datenplattform, gegründet von gleichgesinnten Autobesitzern, die damit selbst bestimmen könnten, welches Unternehmen welche Daten zu welchem Zweck bekommt.

Erfrischend ausgewogen sticht schließlich der für das Buch namensgebende Beitrag von August Markl hervor, dem Präsidenten des ADAC. Er bietet einen knackigen Einstieg ins Thema Datenschutz und behandelt auch praktische Gegenwartsfragen: So taugen sogar datenschutzwidrig erfolgte Dashcam-Aufzeichnungen für Beweiszwecke im Zivilprozess. Darin sieht Markl einen Widerspruch. Widersprüchlich findet er auch das Verhalten von Verbrauchern, die einerseits hohe Datenschutzstandards fordern, andererseits aber nur zu gern mit ihren personenbezogenen Daten für digitale Dienste bezahlen.

Der Band liefert zu den aufgeworfenen Fragen keine abschließenden Antworten. Er bildet aber pointiert und kompetent den Diskussionsstand ab. (Niklas Mühleis/psz@ct.de)

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