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Saugroboter Roborock S7 mit motorisierter Wischeinheit
An vielen Saugrobotern lässt sich zusätzlich ein Wischtuch für die Nassreinigung befestigen. Das Ergebnis kann meist aber nicht mit dem eines dedizierten Wischroboters mithalten. Roborocks S7 soll beides können: saugen und gründlich wischen.
Der neue Saugbot S7 bringt nicht nur technische Neuerungen: Der chinesische Hersteller Roborock hat ihm auch ein optisches Schmankerl spendiert. Die Halterung für den Wassertank und die Saugeinheit erstrahlt in leuchtendem Orange und lässt den Bot weniger dröge aussehen als andere Saugroboter.
Die Steuerung des S7 erfolgt wie seit einigen Modellgenerationen nicht mehr über die Smart-Home-App von Xiaomi, sondern über die ausschließlich für Staubsauger gedachte Roborock-App. Die Ersteinrichtung geht flott von der Hand: Der Sauger öffnet beim ersten Einschalten ein temporäres WLAN. Nachdem man in der App das Hinzufügen eines neuen Geräts angestoßen hat, verbindet sich das Handy automatisch mit dem Bot. Nun braucht man lediglich das heimische WLAN auszuwählen und dessen Passwort einzutippen, worauf der S7 beides speichert, sein temporäres WLAN abschaltet und sich automatisch mit dem Netzwerk verbindet.
Anschließend lassen sich in der App die Saugstärke des Gebläses und die Durchflussmenge beim Wischen einstellen, Timer für wiederkehrende Reinigungen anlegen und Orte festlegen, die der Saugbot umfahren soll. Dafür legt der S7 beim erstmaligen Reinigen in der App einen Grundriss der Wohnung beziehungsweise Etage an. Wie bei früheren Modellen gelingt das präzise. Raumgrenzen erkennt der S7 dabei automatisch. Auf Wunsch passt man sie in der App mit wenigen Fingertipps an. Das Aufteilen, Zusammenführen und Benennen einzelner Räume ist ebenfalls möglich. Letzteres ist sinnvoll, wenn man den Bot mit Sprachassistenten von Apple, Amazon oder Google verknüpfen möchte, um ihn gezielt in einen Raum zu schicken.
Der S7 speichert mehrere Grundrisse, die sich verschiedenen Etagen zuordnen lassen. Er erkennt jedoch nicht automatisch, in welcher Etage er sich befindet. Vorm Saugen muss man die Karte in der App deshalb manuell auswählen.
Theoretisch kann man den S7 auch ohne die Hersteller-Cloud nutzen: Am Gerät selbst befinden sich Knöpfe, die eine vollständige Reinigung starten und ihn zurück zum Dock fahren lassen. Ein weiterer Knopf startet eine kurze, lokale Spot-Reinigung an dem Ort, an den man den Bot von Hand abgesetzt hat.
Mehr ist ohne Cloud jedoch nicht möglich. Wer sich um seine Daten sorgt, aber nicht auf sämtliche Komfortfunktionen verzichten will, der registriert sich mit einer anonymen E-Mail-Adresse eines Freemailers.
Staubschlucker
An der Unterseite des S7 sitzt eine drehende Walze, durch die angesaugt wird. Anders als bei vorherigen Modellen hat sie keine Borsten mehr, sondern ausschließlich Lamellen aus weichem Vollgummi. Sie lassen sich leichter reinigen als Bürsten, bei denen sich Haare verfangen und aufgewickelt statt eingesaugt werden. Dieses Problem trat bei der Gummiwalze in unserem Test deutlich seltener auf. Wir mussten nur alle paar Wochen vereinzelte Haare von Hand aus der Walze ziehen.
Grundsätzlich befördert die Lamellenwalze losen Staub und kleine Krümel genauso gründlich in den Saugbehälter wie bei vorherigen Roborock-Saugern. Auf Hartböden erreichte der S7 eine für diese Geräteklasse gute Reinigungsleistung. Bei Teppichboden schaufeln die Lamellen aber nicht ganz so gründlich. Liegen dort viele Krümel, ist mitunter eine zweite Reinigungsfahrt nötig.
Mindestens genauso wichtig wie die Saugleistung ist jedoch die Orientierung des Bots: Die beste Saugleistung brächte nichts, wenn der Bot bestimmte Stellen einfach ausließe. Der S7 navigiert wie in der Preisklasse üblich mithilfe eines 360-Grad-Lidar. Damit erkannte er in unseren Tests große Möbel und Raumgrenzen sehr zuverlässig. Kleine Hindernisse wie Stuhlbeine detektiert er mit seinen IR-Sensoren in der Stoßstange, in der zudem Berührungskontakte sitzen.
In unseren Tests fuhr der S7 jeden Raum in geraden, parallelen Bahnen ab. Je nach Raumgeometrie entschied er sich automatisch, ob es cleverer ist, längs oder quer zu reinigen. Hindernisse erkannte er meist zuverlässig und bremste vorher ab. Hartes Anstoßen trat bei unseren Tests nicht auf. Da er aber keine Kamera mit Objekterkennung besitzt, übersieht er sehr kleine und sehr leichte Gegenstände: Lose Socken und Legosteine werden in der ganzen Wohnung verteilt, wenn man sie auf dem Boden liegen lässt. Wie die meisten Saugroboter zieht er Kabel mit oder verfängt sich schlimmstenfalls darin. Wer nicht will, dass der Bot das ladende Handy vom Nachttisch reißt, muss auf den Boden liegende Kabel vorm Saugen entfernen.
Verwinkelte Nischen, etwa unter Schreib- und Esstischen, bereiteten dem S7 hingegen keine Probleme: In Ecken, in die er hineinpasst, zwängte er sich auch hinein und fand auch selbstständig wieder heraus.
Feucht feudeln
Kombinierte Saug-Wisch-Bots bleiben naturgemäß hinter händischem Wischen mit Muskelkraft und Wischmopp zurück. Es fehlt ihnen an Anpressdruck und mit wenigen hundert Millilitern Putzwasser und einem Wischtuch kleiner als ein DIN-A4-Blatt auch an Menge und Größe. Diese prinzipbedingten Nachteile hat Roborock beim S7 vermindert und nebenbei eine praktische Komfortfunktion eingebaut.
Im Vergleich zu den Vorgängern der S5-Baureihen fällt beim S7 sofort auf, dass der Tank keine Einheit mehr mit der Bodenplatte und deren Wischmopp bildet. Der neue Tank kann und soll dauerhaft eingesteckt bleiben. Da er nicht hinten an der Unterseite sitzt, sondern mittig hinten, ist er höher und gleichzeitig schmaler als die bisherigen Tanks. Sie waren so breit, dass sie in vielen Waschbecken und Spülen nicht ohne anzuecken unter den Wasserstrahl passten. Ein- und Ausfüllen geht wegen der handlichen Abmessungen nun deutlich leichter, ohne dass Wasser danebengeht.
Zum Wischen braucht man nur das Wischtuch mit seinem Klettverschluss an der Bodenplatte zu befestigen und diese wie eine Schublade unter den Bot zu schieben, bis sie einrastet. Der eigentliche Clou ist aber ihre variable Aufhängung: Im S7 steckt ein Vibrationsmotor, der die Platte mit dem Wischmopp nach unten drückt und in Vibrationen versetzt. Das soll besonders bei eingetrockneten Flecken für eine gründlichere Reinigung sorgen als das einmalige Überfahren mit einem unbewegten Wischmodul. Zumindest bei kleinen Kaffee- und Wasserflecken haben wir eine leichte Verbesserung im Vergleich zum Roborock S5 und S6 Max V festgestellt.
Wunder darf man von der „Rüttelplatte indes nicht erwarten: Sie wackelt nicht um mehrere Zentimeter hin und her, sondern versetzt den Mopp in kurze und schnelle Vibrationen, etwa so, wie man es von einer elektrischen Zahnbürste kennt. Große oder klebrige Flecken wie Soße oder Ketchup beseitigt auch der S7 nicht immer bei der ersten Überfahrt.
Für viele Nutzer dürfte der größere Vorteil im Zusammenspiel von automatischer Teppicherkennung und aktivem Wischmodul liegen. Der S7 ist in der Lage, die Wischplatte rund anderthalb Zentimeter vom Boden abzuheben. Läufer und Teppiche erkennt der Bot am höheren Widerstand am Bürstenmodul und hebt sofort den Mopp an. Man braucht für den Wischbetrieb also keine Sperrzonen mehr für Bereiche mit Teppichen anzulegen. Der S7 fährt einfach durch die gesamte Wohnung und wischt nur dort, wo es möglich ist, während auf Teppich normal gesaugt wird.
Das klappte in unseren Tests recht zuverlässig, zumindest auf festen und niederflorigem Stoff. Einzig an den Rändern kamen Teppich und Mopp in Berührung, bis der S7 nach wenigen Sekunden den anderen Untergrund erkannte. Auf hohen, flauschigen Teppichen und Läufern mit Fransen reichte das leichte Anheben jedoch nicht aus und der Bot quälte hörbar angestrengt gegen den größeren Widerstand an. Da sich in solchen Teppichen auch oft die Lamellen in den Fransen verfangen und die Mechanik sehr stark belastet wird, während der Reinigungseffekt nur gering bleibt, muss man dort weiterhin mit Sperrzonen arbeiten.
Nach der Reinigung braucht der Mopp nicht sofort entfernt zu werden, da der S7 das Wischmodul beim Laden in der Basisstation ebenfalls anhebt. Das soll verhindern, dass Holzböden durch die Feuchtigkeit aufquellen. Zwar sollte man den S7 nicht mit dauerhaft nassem Mopp im Dock stehen lassen, doch bei unserem Test überstand das Laminat vorm Dock eine Standzeit von zwei Tagen vor der Entnahme der Wischplatte unbeschadet.
Fazit
Gegenüber seinen Vorgängermodellen wartet der S7 mit sinnvollen Verbesserungen auf: die aktive Wischplatte, die besser zu handhabenden Wasser- und Staubbehälter und die leichter zu reinigende Saugwalze. Die Reinigung beim Wischen ist etwas gründlicher als bei bisherigen Saug-Wisch-Bots. Sie kann wegen der geringen Wassermenge und dem kleinen Mopp aber weiterhin nicht mit händischen Wischen mithalten. Ähnliches gilt fürs Saugen: Für einen Saugbot schneidet der S7 gut ab, bleibt aber hinter einem Bodenstaubsauger zurück.
Beide Mankos gleicht er dadurch aus, dass man ihn praktisch täglich reinigen lassen kann. So wird es erst gar nicht so schmutzig, dass der S7 an seine Grenzen stieße. Zudem reinigt er auch in Ecken und unter Schränken und Kommoden, die man beim herkömmlichen Hausputz aus Bequemlichkeit oft ausspart.
Mit 550 Euro ist der S7 zwar kein ultimatives Schnäppchen, gemessen an seiner Ausstattung und seiner Reinigungsleistung hat aber dennoch ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. (spo@ct.de)
| Roborock S7 | |
| Saugroboter | |
| Hersteller | Roborock, www.roborock.com |
| Länge × Breite, Höhe | 35 cm × 35 cm, 9,7 cm |
| Gewicht | 4,7 kg |
| Staubbehälter | ca. 470 ml |
| Wischtank | ca. 300 ml |
| Laufzeit | ca. 150 min (je nach Saugstufe und Bodenbelag) |
| Betriebsgeräusch | 58 db(A) (mittlere Saugstufe) |
| Sensoren | 360-Grad-Lidar, Ultraschall-Kollisionswarner, optische Treppensensoren, optischer Abstandssensor an der Seite |
| App | Android und iOS |
| Preis | 550 € |