c't 14/2021
S. 74
Test & Beratung
iMac

Stationäres Riesen-­MacBook

Apple iMac 24" (2021) mit ARM-Prozessor M1

Nach zwei MacBooks und dem Mac Mini folgt mit dem 2021er iMac der nächste Mac mit Apples hauseigenem ARM-­Prozessor M1. Neu sind auch die gewachsene Bildschirm­diagonale und bunte Gehäuse.

Von Florian Müssig

Reminiszenz an den Urahn aus dem Jahr 1998: Beim allerersten iMac steckte der Röhrenmonitor(!) in einem Kunststoffgehäuse, welches Apple in etlichen kräftigen Farben angeboten hat. Der mindestens 1450 Euro teure iMac des Jahres 2021 ist nun auch wieder bunt geworden: Es gibt ihn nicht mehr nur wie zuletzt in Silber, sondern auch in Blau, Grün und Rosé; höhere Ausstattungsvarianten (ab 1670 Euro) bekommt man zusätzlich auch noch in Gelb, Orange und Violett. Der gewählte Ton färbt die Rückseite mit großem Apfel-Logo knallig, während der Standfuß, das beiliegende Zubehör – dazu später mehr – und das Kinn an der Vorderseite in einer pastelligen Farbvariante daherkommen.

Der Rahmen rund um den Bildschirm fällt dünner aus als bislang und ist zudem grundsätzlich in Weiß gehalten statt vormals Schwarz. Das macht den iMac optisch zum Hingucker, verringert aber etwa beim Videogucken die Immersion. Zudem deckt der Rahmen den Panelrand nicht exakt ab, sodass doch wieder eine feine dunkle Linie um das eigentliche Bild läuft. Rahmen und Panel werden von einer glänzenden Acrylglasscheibe überdeckt. Das Panel stellt 4480 × 2520 Pixel (also etwas mehr als 4K-Auflösung) auf 23,5 Zoll Diagonale blickwinkelstabil dar und gehört mit vollständiger Abdeckung des DCI-P3-Farbraums zu den besseren seiner Art. Die rund 500 cd/m2 Maximalhelligkeit liefert eine klassische LED-Hintergrundbeleuchtung; Mini-LEDs wie im neuen iPad Pro (siehe Seite 72) oder Apples XDR-Profi­monitor gibt es hier nicht. Apropos externer Monitor: Während ältere iMac mit Intel-­CPUs drei Monitore gleichzeitig ansteuern können, schafft das M1-Modell wie die M1-bestückten MacBook Air, MacBook Pro und Mac Mini [1] nur derer zwei – trotz zwei Thunderbolt-Ausgängen.

Das Netzkabel dockt magnetisch am iMac an und ist farblich passend zum Gehäuse ummantelt.

Die beiden Thunderbolt-Buchsen fin­det man an der Rückseite aller iMacs mit M1-Prozessor. Beim Basismodell war es das dann auch an USB-C-Ports, während höhere Ausstattungsvarianten (die mit den zusätzlichen Farben) noch zwei weitere USB-C-Buchsen direkt daneben bieten. Letztere können aber keine ­Moni­tore oder Thunderbolt-Geräte ansteuern, sondern verstehen sich ausschließlich auf das USB-Protokoll. Rasante Thun­­derbolt-­SSDs liefern an M1-Macs ihre Maximalgeschwindigkeit; klassische USB-­3.x-­Peripherie läuft bestenfalls im 10-GBit/s-Modus (Gen 2) [2].

Peripherie

Das beiliegende 143-Watt-Netzteil mit farblich zum Gehäuse passender Kabelummantelung dockt magnetisch an der Rückseite an. Praktisch: Apple verkauft das Netzteil gegen 26 Euro Aufpreis in einer Version mit integrierter Gigabit-­LAN-Schnittstelle, damit das Netzwerkkabel nicht auf dem Schreibtisch herumliegt; teurere 4-Port-Modelle bringen das Netzwerknetzteil automatisch mit.

Apple hat beim neuen iMac den LAN-­Anschluss ins Netzteil ausgelagert.

Bei den teureren iMacs liegt zudem ein Magic Keyboard mit Touch-ID-Sensor bei – den Fingerabdruckleser gab es bislang nur bei MacBooks. Bei den 2-Port-­Modellen kostet das Magic Keyboard mit Touch ID 50 Euro Aufpreis. Achtung: Wer Touch ID will, sollte die Tastatur unbedingt beim iMac-Kauf mitbestellen, denn als separates Zubehör war sie bei Redaktionsschluss nicht erhältlich. Gleiches gilt für die bei beiden iMac-Modelle optionale Tastaturvariante mit Touch ID und zusätzlichem Ziffernblock (30 beziehungsweise 80 Euro Aufpreis). Touch ID funktioniert ausschließlich an M1-Macs; an älteren Intel-­Macs lassen sich die neuen Magic Keyboards lediglich ohne Biometrie verwenden.

Ausstattungsvarianten

Anders als zu Intel-Zeiten kann man nicht mehr zwischen mehreren CPU-­Modellen wählen: In allen neuen iMacs steckt der 4+4-Kerner M1. Performan­ce-Unterschiede gibt es nur im Detail: So verwendet das Basismodell des iMac wie das MacBook Air ab Werk einen M1 mit sieben GPU-Kernen, während bei teureren Modellen acht aktiv sind. Allerdings gibt es zwei Kühlsysteme: Basis-iMacs haben einen Lüfter, bei 4-Port-Modellen fächern gleich zwei Lüfter die Luft durch die Kühllamellen.

Der neue iMac ist der erste stationäre Mac, der biometrischen Komfort über den Fingerabdruckleser Touch ID (rechts oben) bietet.

In der Praxis haben teurere Modelle deshalb ein etwas höheres Potenzial, unter Dauerlast nicht einzubrechen. Die ist allerdings schwierig zu erreichen – nicht nur, weil der M1 der flotteste ARM-­Prozessor seiner TDP-Klasse ist. Ältere x86-Software im Rosetta-2-Emulator ­lastet nicht alle Funktionseinheiten aus; bei für M1-optimierten Anwendungen kommen hingegen mitunter effiziente Beschleunigungseinheiten statt der generischen CPU-Kerne zum Zuge – oder in Ergänzung. Bei Office-Arbeiten und Video­gucken blieb der iMac jedenfalls flüsterleise, und selbst die maximal gemessenen 1,4 Sone des Testgeräts waren erträglich.

Rund um den Bildschirm läuft ein ­weißer Rahmen, was einen anderen Bildeindruck bewirkt als der bislang übliche schwarze Rahmen.

Statt 8 GByte Arbeitsspeicher lassen sich alle Modelle mit 16 GByte (plus 230 Euro) bestücken. Beim Basismodell sind maximal 1 TByte SSD-Speicherplatz (460 Euro, statt 256er-SSD) möglich, bei teureren Modellen auch 2 TByte (930 Euro, statt 256er-SSD). Alle Komponenten sind auf die Hauptplatine gelötet und können so­mit nicht nachträglich ausgetauscht oder erweitert werden. Die Hauptplatine samt Kühlern versteckt sich übrigens wie die ordentlich klingenden Lautsprecher im bunten Kinn-Bereich des iMac.

Hinter dem Panel selbst ist nicht viel Technik untergebracht, wodurch Apple das Gehäuse auf knapp 12 Millimeter plattquetschen konnte – mancher reine Monitor ist dicker. Wie gehabt lässt sich der iMac am Standfuß zwar neigen, doch eine Höhenverstellung oder gar eine Pivot-­Funktion sind nicht vorgesehen.

Durch den ARM-Prozessor M1 lässt sich der iMac nicht mehr unter Windows betreiben. Für reine macOS-Nutzer ist das egal, doch Software-Entwickler brauchen für Windows-Versionen ihrer Apps ein anderes Testsystem. Auch der Einsatz eines iMac als repräsentativer Rechner am Empfang von Anwaltskanzleien oder in Behandlungszimmern von Arztpraxen fällt weg, wenn dort Fachsoftware unter Windows gefragt ist.

Fazit

Apple führt die Erfolgsgeschichte rund um den potenten und effizienten M1-Chip fort: Der neue iMac ist ein farbenfroher All-in-one-Rechner für Office- und Multimediaaufgaben. Wie bei den M1-MacBooks ist ein farbstarker Bildschirm bereits an Bord; wer den nicht braucht, fährt mit einem Mac Mini günstiger. Nachträgliches Aufrüsten ist nicht möglich, und wenig überraschend liegt die Performance aller M1-Macs sehr eng beieinander.

Das Gehäuse des neuen iMac ist nur knapp 12 Millimeter dünn. Der Winkel lässt sich über den Standfuß verstellen, die Höhe hingegen nicht.

Mit dem iMac 24" ist das Ende dessen erreicht, wofür der M1 bei Macs konzeptionell infrage kommt. Für weitere Wachablösungen – als Nächstes dürften MacBook Pro 16" und iMac 27" an der Reihe sein – muss Apples CPU-Team dickere Geschütze auffahren – wir sind gespannt. (mue@ct.de)

iMac 24" (2021): Daten und Testergebnisse
getestete Konfiguration CZ130-001000
Lieferumfang macOS 11 64 Bit, Netzteil, Tastatur, Maus
Schnittstellen (V = vorne, H = hinten, L = links, R = rechts, U = unten)
VGA / DVI / HDMI / DisplayPort / Kamera – / – / – / – / ✓
USB 2.0 / USB 3.0 / USB 3.1 / LAN – / 2 × H / 2 × H (2 × Typ C) / im Netzteil
Kartenleser / Strom / Docking-Anschluss – / H / –
USB-C: Thunderbolt / USB 3.0 / USB 3.1 / DisplayPort / Laden ✓ / ✓ / ✓ / ✓ / –
Ausstattung
Display 23,5", 4480 × 2520 Punkte, 218 dpi, 1180:1, max. 500 cd/m2, DCI-P3, spiegelnd
Prozessor Apple M1 (8 Kerne), Turbo bis 3,2 GHz, 16 MByte L2-, 16 MByte L3-Cache
Hauptspeicher / Chipsatz 8 GByte LPDDR4x-4267 / Apple M1-SoC
Grafikchip (Speicher) / mit Hybridgrafik int.: Apple M1 mit 8 GPU-Cores (vom Hauptspeicher) / –
Sound int.: Apple M1
LAN / WLAN USB (GBit, im Netzteil) / int.: Apple (Wi-Fi 6, 2 Streams)
Mobilfunk / Bluetooth (Stack) – / int.: Apple (Apple)
Touchpad (Gesten) / TPM / Fingerabdruckleser – / Apple T2 / Touch ID (in Tastatur)
Massenspeicher / optisches Laufwerk SSD: Apple M1 (512 GByte) / –
Stromversorgung, Maße, Gewicht
Netzteil 143 W, Kleeblattstecker
Gewicht / Abmessungen 4,5 kg / 54,7 cm × 46,1 cm × 14,7 cm
Tastaturhöhe / Tastenraster 3 mm / 19 mm × 18,5 mm
Leistungsaufnahme
Suspend / ausgeschaltet 1,6 W / 0,6 W
ohne Last (100 cd/m2) / CPUZ-Last (max. Helligkeit) 21 W / 45 W
max. Leistungsaufnahme 70,9 W
Laufzeit, Geräusch, Benchmarks
Geräusch ohne / mit Rechenlast < 0,1 Sone / 1,4 Sone
Massenspeicher lesen / schreiben 3274 / 2734 MByte/s
Qualität Audioausgang / Dynamikumfang plusplus / 113,0 dBA
Cinebench R23 Rendering (1 / n CPU) 1503 / 7805
Preis und Garantie
Preis Testkonfiguration 1900 €
Garantie 1 Jahr (erweiterbar)
Startpreis 1670 €
Optionen (Aufpreise) RAM: 16 GByte (230 €); SSD: 512 GByte (230 €), 1 TByte (460 €), 2 TByte (920 €), 3 Jahre AppleCare+ (219 €)
plusplus sehr gut plus gut neutral zufriedenstellend minus schlecht minusminus sehr schlecht ✓ vorhanden – nicht vorhanden k. A. keine Angabe

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