Audio-Archäologie
Manchem IT-Veteranen wird warm ums Herz, wenn er die markanten Klänge früher Heimcomputer und Konsolen hört. Chris Abbott und Andrew Laggan liefern Liebhabern legendärer und exotischer Soundchips reizvollen Stoff zum Lesen, Betrachten und Hören.
Der vorliegende Band ist der Erstling einer vierteiligen Reihe, die später auch die 16-Bit-Welt und das MIDI-Zeitalter behandeln soll. Er widmet sich den frühen 8-Bit-Soundchips, mit denen man Spielautomaten, Konsolen und Heimcomputer von 1977 bis weit in die 90er-Jahre hinein bestückte. Die Quellen der bisweilen nervigen, oft aber auch sehr charmanten damaligen Pieptöne und Melodien hatten meist wenig klangvolle Namen wie AY-3-891x oder SN76489n.
Weil das Wissen über manche der Chips fast völlig verloren gegangen ist, wollen Abbott und Laggan so viel wie möglich davon bewahren. Dazu haben sie alte Datenblätter gewälzt, sich den Code von Emulatoren angesehen und Interviews mit Entwicklern und Musikern geführt. Die Autoren stellen 18 Chips vor und listen die Konsolen und Computer auf, in denen diese arbeiteten. Dazu gehören neben Prominenten wie den Tonerzeugern im Atari VCS 2600 und dem Commodore VC-20 auch Exoten wie der Williams HC-55516, den nur wenige Flipper-Automaten zur Spracherzeugung verwendeten, oder der RCA CDP1869, der in seltenen jugoslawischen Heimcomputern zum Einsatz kam.
Kurze Textkapitel erklären die Grundlagen der digitalen, manchmal auch analogen Klangerzeugung jener Zeit. Nur selten gibt es etwas mehr Tiefgang, beispielsweise bei der grafischen Analyse von Pac-Mans Todesschrei. Einen wesentlichen Schwerpunkt bilden dann großformatige Bildschirmfotos alter Videospiele mit QR-Codes. Diese führen zu Videoclips der Spiele im Internet, über die Leser sich die Musik und Soundeffekte direkt anhören können.
Außer den Namen der Musikschöpfer gibt es zu jedem Spiel einen kurzen Kommentar über dessen Audioqualitäten sowie hier und da ein paar Anekdoten. Immer wieder streuen die Autoren Links zu Kreationen aus der Demo-Szene ein, die noch heute Erstaunliches aus den alten Chips herausholt. Weil diese Hörproben-Links einen guten Teil des Reizes ausmachen, ist das E-Book bequemer zu verwenden als die gedruckte Fassung. Es lädt zu gemütlichen Gedächtnisreisen vor dem Rechner ein, auf denen man sich mit den Klängen der Vergangenheit berieseln lässt. (Maik Schmidt/psz@ct.de)