Intel-GPU, die Erste
Asus-Notebook VivoBook Flip 14 mit Intels Grafikchip Iris Xe Max
Das Asus VivoBook Flip 14 (TP470EZ) ist das erste Notebook, in dem Intels eigenständiger Grafikchip DG1 zum Einsatz kommt – doch Intels Meilenstein bringt für Käufer fast keine Vorteile.
Prozessor-Platzhirsch Intel hatte in der Vergangenheit schon mehrfach versucht, das Grafikchip-Duopol von AMD und Nvidia zu brechen – etwa mit dem Larrabee-Projekt, das aber nie Früchte trug. Der aktuelle Anlauf ist schon weiter: In allen Mobilprozessoren der elften Core-i-Generation (Tiger Lake) steckt eine neue Xe-GPU, deren Architektur darauf ausgelegt wurde, auch größere GPUs zu bauen. Der nächste Schritt, ein eigenständiger Xe-Grafikchip, erfolgte unter dem Codenamen DG1 (für Discrete Graphics 1); Intel hat damit bestückte Grafikkarten im vergangenen Jahr an Software-Entwickler verteilt. Mit dem Asus VivoBook Flip 14 (TP470EZ) ist nun das erste Notebook mit DG1-GPU erhältlich, wobei der Grafikchip den offiziellen Namen Iris Xe Max trägt.
Eine Besonderheit zeigt sich schon im Datenblatt: Intel stellt der GPU als Grafikspeicher nicht die üblichen GDDR-Bausteine zur Seite, sondern langsameren LPDDR4-Speicher. Wie die in Prozessoren integrierte Iris Xe kommt DG1 mit 96 Execution Units (EUs) daher. Deshalb ist auch die 3D-Performance nahezu identisch: Im 3DMark haben wir Werte gemessen, die nur knapp über denen liegen, die die in den CPUs integrierte Iris Xe schafft. In Casual-Spielen oder MMORPGs bekommt man nicht spürbar flüssigere oder besser aussehende Bilder zu Gesicht; für Blockbuster-Titel ist die GPU generell zu schwach. Pikant: Im Treiber stecken Profile, die manche Spiele lieber auf der integrierten Iris Xe laufen lassen, selbst wenn eine Iris Xe Max vorhanden ist – weil die Spiele darauf dann sogar eine schlechtere Performance hätten.
Dass man mit der Iris Xe Max keine allzu großen 3D-Sprünge machen kann, ist wohl auch Intel bewusst. Bei der Vorstellung der GPU im Spätherbst 2020 drehte sich die Präsentation nämlich weniger um Spiele, sondern vielmehr um Sonderfunktionen wie zusätzliche Videoencoder und KI-Recheneinheiten.
KI- und andere GPGPU-Routinen, die auf beliebiger Hardware laufen (also ohne hardwarespezifische Frameworks wie Nvidia CUDA), stecken allerdings noch in den Kinderschuhen beziehungsweise kommen nur in Spezialfällen zum Einsatz – beispielsweise für ausgewählte Filter in der Bildbearbeitung mit Adobe Photoshop. Mehrere Hardware-Encoder bringen aktuell wiederum nur dann etwas, wenn mehrere Videos gleichzeitig transcodiert werden. Immerhin arbeitet Intel nach eigenen Angaben an einer Treiberversion, die erlauben soll, dass auch dann alle QuickSync-Einheiten zur Beschleunigung herangezogen werden, wenn nur ein Videostream anliegt.
Treiberstände
Apropos Treiber: Auf dem VivoBook Flip 14 liefen im Auslieferungszustand die integrierte Iris Xe und die Zusatz-GPU Iris Xe Max mit zwei unterschiedlichen Treiberversionen; ein per Windows Update hereingekommenes Treiber-Update fühlte sich nur für einen der beiden Grafikchips zuständig. Dieser kuriose Umstand ist uns aufgefallen, weil die Akkulaufzeiten zunächst außergewöhnlich knapp ausfielen und die Leistungsaufnahme im Leerlauf hohe 14 Watt betrug.
Während das vorinstallierte Hilfsprogramm MyAsus keine weiteren Updates für das Notebook meldete, wurden wir auf Intels Webseite fündig: Dort stand ein nochmals neuerer Referenztreiber zum Download bereit. Dessen Installation lief zwar ungewöhnlicherweise in mehreren Etappen mit insgesamt drei eingeforderten Windows-Neustarts ab, doch danach waren beide Iris-Einheiten auf dem identischen Stand – und die Leistungsaufnahme viel niedriger. Die in der Tabelle angegebenen Ergebnisse wurden auf dieser Basis gemessen.
Die hier getestete Ausstattungsvariante des VivoBook Flip 14 (TP470EZ) mit Core i5 und 8 GByte (nicht erweiterbarem) LPDDR4x-Speicher war bei Redaktionsschluss noch nicht bei Händlern gelistet, wohl aber eine höhere Konfiguration mit Core i7 und 16 GByte Arbeitsspeicher für 1400 Euro. In allen anderen, günstigeren Modellen (TP470EA, ab 1000 Euro) ist die Zusatz-GPU Iris Xe Max nicht an Bord.
Womöglich wiegt ein billigeres VivoBook Flip 14 tatsächlich 1,5 Kilogramm, wie der Werbeaufkleber auf der Handballenablage verspricht; unsere Testgerät brachte mit 1,64 Kilogramm jedenfalls zehn Prozent mehr auf die Waage. Das Gewicht geht für ein 14-Zoll-Notebook in Ordnung, zieht aber merklich am Arm, wenn man das Hybridgerät mit 360-Grad-Scharnieren freischwebend als Tablet verwenden möchte. Im Hochkantmodus muss man wegen des Bildschirms im 16:9-Format mit schmaler Fläche klarkommen.
Die beleuchtete Tastatur gefällt mit gutem Anschlag und zusätzlicher Tastenspalte für Bild-auf/-ab/Pos1/Ende. Cursorblock und Enter-Taste fallen allerdings einzeilig aus; letztere hat zudem einen auffälligen Rand in Kanarienvogelgelb. Drückt man das Touchpad oben rechts, so wechselt es in einen Ziffernblockmodus – von Asus Screenpad genannt – mit eingeblendeten Zahlenfeldern. Mauszeigerbewegungen sind in diesem Modus weiterhin möglich, nicht aber Klicks.
Das beiliegende Netzteil mit Rundstecker befüllt den Akku rasant; zur Akkuschonung lässt sich der Ladevorgang auf 60 oder 80 Prozent begrenzen. Das VivoBook Flip 14 nimmt Energie auch von modernen USB-C-Netzteilen an seiner dockingfähigen Thunderbolt-4-Buchse entgegen. Andere Schnittstellen sind wiederum betagt: Sowohl die Typ-A-Buchse links als auch der MicroSD-Kartenleser liefern lediglich lahme USB-2.0-Geschwindigkeit. Biometrisches Einloggen mittels Windows Hello hat Asus nicht vorgesehen.
Bei geringer Rechenlast bleibt das Kühlsystem unhörbar, bei warmgelaufenem Notebook bringen aber schon kurze Lastspitzen die Lüfter zum Rauschen. Die Core-i-Vierkerne liefern hier dank guter Kühlung im Vergleich zu anderen Intel-Notebooks eine sehr hohe Rechenleistung ab. An die Performance von AMDs Ryzen-CPUs mit sechs oder acht Kernen, die es ebenfalls in kompakten Notebooks dieser Preisklasse gibt, kommen sie aber nicht heran.
Fazit
Das Asus VivoBook Flip 14 ist ein ordentliches Hybrid-Notebook der gehobenen Mittelklasse. Auf besonderen Komfort wie Windows Hello oder einen Bildschirm mit mehr Bildhöhe (16:10, 3:2) muss man allerdings verzichten; noch teurere Notebooks locken zudem mit weniger Gewicht und längeren Akkulaufzeiten. Intels Zusatzgrafikchip Iris Xe Max alias DG1 ist abseits von wenigen Sonderfällen eine verzichtbare Technikdemonstration. Diese Einschätzung gilt allerdings auch für andere Low-End-GPUs wie Nvidias GeForce MX250 oder MX350. (mue@ct.de)
| Asus VivoBook Flip 14 (TP470EZ): Daten und Testergebnisse | |
| getestete Konfiguration | TP470EZ-EC020T |
| Lieferumfang | Windows 10 Home 64 Bit, Netzteil |
| Schnittstellen (V = vorne, H = hinten, L = links, R = rechts, U = unten) | |
| VGA / DVI / HDMI / DisplayPort / Kamera (Hello) | – / – / R / – / ✓ (–) |
| USB 2.0 / USB 3.0 / USB 3.1 / LAN | 1 × L / 1 × R / 1 × R (1 × Typ C) / – |
| Kartenleser / Strom / Docking-Anschluss | R (MicroSD) / R / – |
| USB-C: Thunderbolt / USB 3.0 / USB 3.1 / DisplayPort / Laden | ✓ / ✓ / ✓ / ✓ / ✓ |
| Ausstattung | |
| Display | ChiMei N140HCA-EAC: 14 Zoll / 35,6 cm, 1920 × 1080, 16:9, 157 dpi, 14 ... 227 cd/m², spiegelnd |
| Prozessor | Intel Core i5-1135G7 (4 Kerne mit SMT), 2,4 GHz (Turbo bis 4,2 GHz), 4 × 1280 KByte L2-, 8 MByte L3-Cache |
| Hauptspeicher / Chipsatz | 8 GByte LPDDR4X-4267 / Intel Tiger-Lake-U |
| Grafikchip (Speicher) / mit Hybridgrafik | PEG: Intel Iris Xe Max (8192 MByte LPDDR4) / ✓ |
| Sound | HDA: Realtek ALC256 |
| LAN / WLAN | – / CNVi: Intel AX201 (Wi-Fi 6, 2 Streams) |
| Mobilfunk / Bluetooth (Stack) | – / USB: Intel (Microsoft) |
| Touchpad (Gesten) / TPM / Fingerabdruckleser | I2C: HID (max. 4 Finger) / TPM 2.0 / – |
| Massenspeicher / optisches Laufwerk | SSD: Intel Optane H10 (512 GByte) / – |
| Stromversorgung, Maße, Gewicht | |
| Akku (Ladestopp < 100 % einstellbar) | 41 Wh Lithium-Ionen (✓) |
| Netzteil | 65 W, 192 g, 6,3 cm × 6,3 cm × 2,8 cm, Steckernetzteil |
| Gewicht / Größe / Dicke mit Füßen | 1,64 kg / 32,4 cm × 22 cm / 2 cm |
| Tastaturhöhe / Tastenraster | 1,5 cm / 18,5 mm × 18 mm |
| Leistungsaufnahme | |
| Suspend / ausgeschaltet | 0,5 W / 0,3 W |
| ohne Last: Display aus / 100 cd/m² / max | 1,2 W / 3,8 W / 5,4 W |
| CPU-Last / Video / 3D-Spiele (max. Helligkeit) | 59 W / 12,2 W / 49 W |
| max. Leistungsaufnahme / Netzteil-Powerfactor | 68 W / 0,56 |
| Laufzeit, Geräusch, Benchmarks | |
| Laufzeit Idle (100 cd/m²) / Video (200 cd/m²) / 3D (max) | 10,7 h / 5,2 h / 1,4 h |
| Ladestand / Laufzeit nach 1h Laden | 81 % / 8,6 h |
| Geräusch ohne / mit Rechenlast | < 0,1 Sone / 1,5 Sone |
| Massenspeicher lesen / schreiben | 1019 / 951 MByte/s |
| IOPS (4K) lesen / schreiben | 52736 / 102400 |
| Leserate SD-Karte | 21 MByte/s |
| WLAN 5 GHz / 2,4 GHz (20m) / MU-MIMO-fähig | 40,1 / 20,9 MByte/s / ✓ |
| Qualität Audioausgang / Dynamikumfang | / 99,8 dBA |
| Cinebench R23 Rendering (1 / n CPU) | 1364 / 5837 |
| 3DMark: Wild Life / Night Raid / Fire Strike / Time Spy / Port Royal | 10297 / 15358 / 5457 / 1920 / – |
| Preis und Garantie | |
| Straßenpreis Testkonfiguration | k.A. (siehe Text; 1400 € mit i7-1165G7 / 16 GByte RAM) |
| Garantie | 2 Jahre |
| sehr gut gut zufriedenstellend schlecht sehr schlecht ✓ vorhanden – nicht vorhanden k.A. keine Angabe | |