c't 19/2022
S. 177
Test & Beratung
Buchkritik

Informatikerhumor

Der Informatikprofessor Reinhard Wilhelm schaut mit einer solch strikten Logik auf alltägliche Szenarien, dass er in den winzigsten Merkwürdigkeiten Raum für einen Witz findet. So wird schnell aus einer fragwürdigen Entscheidung eines Großkonzerns eine Glosse über Fahrradkurierjobs und Toilettenpausen.

Skurrile Dinge, denen der Informatikprofessor Reinhard Wilhelm bei der Arbeit oder in den Nachrichten begegnet, hält er in unterhaltsamen Glossen fest. Sein neues Werk folgt dem ersten Band „Einsichten eines Informatikers von geringem Verstande“. Es lässt sich unabhängig vom ersten Teil lesen und verlangt keinerlei Vorwissen.

Die Glossen beginnen zumeist mit einem aktuellen Aufhänger, oft aus der Welt der IT: In „Taliban in Wikipedia“ beschreibt er, wie das „Volunteer Response Team“ sein Porträt von seiner Wikipedia-Seite aufgrund von Copyright-Verletzungen entfernte. Wenn sich das Thema als komplizierter herausstellt, liefert der Autor relevante Fakten, sodass auch Leser ohne tiefere IT-Kenntnisse die Pointe verstehen. So wie bei der Glosse zum Autopiloten, in der Wilhelm anhand von fehlenden Genehmigungen und diversen Fakten aus Presseartikeln aufschlüsselt, dass es sich bei Teslas „Autopilot“ eigentlich um einen „fortgeschrittenen Fahrassistenten der Stufe zwei“ handelt. Sprich: „Der Fahrer muss den Verkehr ständig im Blick behalten. Der Fahrer haftet für Verkehrsverstöße und Schäden.“

Bei manchen Themen wie dem Metaverse benötigt es nicht viel Vorarbeit. Wilhelm hat seine Gedanken dazu als „Meta-Verse“ in Gedichtform niedergeschrieben: „Nicht mit Google hupfen, nicht Privates lupfen. Aber mit Twitter zwitschern, um Musk zu ditschen.“ Ähnlich verhält es sich mit den gestressten Paketlieferanten von Amazon und Fahrradkurieren, die ohne Toilettenpausen fahren müssen, weil jede Sekunde zählt. Auch die Zeilen zu Facebooks Algorithmus, der die Seite der französischen Stadt Bitche sperrte, sind genussvoll zu lesen. Sinniert der Autor mal nicht über Großkonzerne, dann rückt er Themen aus dem Alltag in den Vordergrund, zum Beispiel die mageren Vorschläge der Apple-Rechtschreibhilfe.

Alles in allem widmet sich Reinhard Wilhelm in seinem zweiten Glossenband einem bunten Mix an Themen, die er in unterhaltsame Glossen verpackt. Die knapp 100 Seiten sind leider schnell verschlungen. (wid@ct.de)

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