Bunch spricht Klartext
Arbeitsumgebungen auf dem Mac konfigurieren
Mit der kostenlosen Mac-App Bunch automatisieren Sie Aufgaben, die sonst mitunter viele Klicks bräuchten – das klappt auch klickfrei zu festgelegten Uhrzeiten. Wir zeigen, wie Sie Bunch-Dateien im Texteditor erstellen, um auf Knopfdruck individuelle Abläufe zu starten oder zu beenden.
Arbeitstage unterteilen sich in Phasen, in denen man unterschiedliche Programme benötigt. Morgens gehören vielleicht Kalender, Mailprogramm sowie Kontakte-App zum Standard. Später arbeitet man weiter am laufenden Projekt und öffnet dafür beispielsweise Finder-Fenster mit unterschiedlichen Ordnerpfaden, diverse Projektdateien und Protokolle sowie Webseiten im Browser.
Während man für die frühmorgendliche Orga-Runde drei Klicks braucht, wird spätestens bei der Projektarbeit deutlich, dass man den Mauszeiger ganz schön viel durch die Gegend bewegen muss, bevor die Arbeitsumgebung hergerichtet ist. Mit einem zuvor angelegten Bunch – so nennen sich die Konfigurationen der gleichnamigen App – reduziert sich der jeweilige Vorgang auf zwei Klicks: Icon anklicken, Bunch-Datei auswählen.
Wir zeigen anhand der zwei oben beschriebenen Szenarien, wie man Bunch mit Anweisungen füttert, und erklären die einzelnen Schritte, damit Sie darauf aufbauend Ihre eigenen Bunch-Dateien schreiben können. Für jede Aufgabe, die die App ausführen soll, erstellen Sie eine Textdatei mit der Endung .bunch. Eine vollständige Übersicht der eingängigen Syntax sowie weitere Beispiel-Bunches finden Sie in der englischsprachigen Projektdokumentation (siehe ct.de/yzqb).
Zurechtfinden und loslegen
Nach der Installation erscheint ein Bunch-Icon in der Menüleiste. Jedes Textdokument mit der Endung .bunch im Ordner ~/Dokumente/Bunches landet als eigener Eintrag in dem aufklappenden Menü. Direkt nach der Installation ist das nur Example.bunch. Mit Unterordnern erzeugen Sie eine hierarchische Struktur, die allerdings nur eine Ebene tief sein darf. Ist das Bunch-Menü geöffnet, können Sie die Konfigurationen anklicken oder mit der rechtsbündig angegebenen Ziffer aufrufen.
Damit die App andere Programme starten oder Dateien öffnen kann, müssen Sie ihr erlauben, den Mac zu steuern. Falls Sie das beim ersten Start versäumt haben sollten, können Sie den Zugriff später in den Systemeinstellungen unter „Sicherheit & Datenschutz“ gewähren.
Für ein erstes Bunch betrauen Sie die App mit der Aufgabe, den Kalender, die Kontakte- sowie die Mail-App zu starten. Dazu erstellen Sie mit der TextEdit-App ein neues Dokument. Falls das Programmfenster die Formatierungswerkzeuge anzeigt, wechseln Sie in den Klartextmodus, indem Sie im Format-Menü den Befehl „In reinen Text verwandeln“ auswählen. Wenn Sie ein bestehendes Bunch in TextEdit öffnen wollen, um es zu verändern, halten Sie die Cmd-Taste gedrückt und klicken Sie den Eintrag an.
Dieses neue Dokument füllen Sie zeilenweise mit den Namen der relevanten Apps. Bunch kann nur was mit dem Originalnamen anfangen, nicht mit der lokalisierten Fassung. Sie finden ihn heraus, indem Sie die jeweilige App im Finder auswählen, „Informationen“ im Ablagemenü aufrufen (oder Cmd+I drücken) und im Info-Fenster den Bereich „Name & Suffix“ ausklappen. Alternativ können Sie die drei Programme öffnen und im Bunch-Menü „New Bunch with open Apps“ auswählen. Das ist insbesondere dann nützlich, wenn Sie viele Apps öffnen lassen und sich Arbeit sparen wollen. Danach sieht die Bunch-Datei zum Beispiel wie folgt aus:
Calendar Contacts Mail
Nachdem also „Calendar“, „Contacts“ und „Mail“ jeweils in einer eigenen Zeile im Textdokument stehen, speichern Sie die Datei mit dem Namen „Orga.bunch“ im Ordner ~/Dokumente/Bunches. Überprüfen Sie im Finder, ob TextEdit nicht noch die Endung .txt angehängt hat, und entfernen Sie sie gegebenenfalls. Beim Speichern können Sie beobachten, wie das Bunch-Icon im Menü einmal kurz grün aufleuchtet. Das signalisiert, dass die App eine Änderung bemerkt und übernommen hat.
Wenn Sie künftig morgens den Rechner starten, klicken Sie auf das Bunch-Icon und wählen Sie in der Liste das Orga-Bunch aus. Die Apps Kalender, Kontakte und Mail starten nacheinander. Sobald Sie den Eintrag im Bunch-Menü erneut anklicken, schließt die App die Programme. Das umreißt das Konzept von Bunch: Jedes Dokument stellt eine aktivier- und deaktivierbare Arbeitsumgebung dar. Wählen Sie einen Eintrag im Menü aus, füllt sich der Kreis vor dem Namen, und Bunch führt die in dem Dokument gelisteten Anweisungen aus. Klicken Sie den Eintrag ein zweites Mal an, leert sich der Kreis und Bunch beendet die zuvor geöffneten Apps.
Dateien, URLs, Optionen
Um nach der ersten morgendlichen Orga-Runde weiter am Projekt zu arbeiten, benötigen Sie eine weitere Bunch-Datei, die mehr tun soll, als nur Apps zu starten: Der Browser soll eine spezifische URL ansteuern, der Finder verschiedene zum Projekt gehörende Ordner zeigen und Apps bestimmte Dokumente öffnen. In einem nach dem gleichen Schema angelegten Textdokument namens „Projekt.bunch“ entsteht dafür eine umfangreichere Konfiguration.
Internet-Adressen lassen sich wie App-Namen in separaten Zeilen auflisten, um sie im Standard-Browser zu öffnen. Wollen Sie einen speziellen Browser ansteuern, setzen Sie firefox:, chrome: oder safari: vor das https:// der Webadresse. Das sieht dann zum Beispiel folgendermaßen aus:
https://www.ct.de chrome:https://www.heise.de
Um mehrere Dokumente mit dem Standardprogramm des jeweiligen Dateityps öffnen zu lassen, versammeln Sie deren Dateipfade unter dem Generikum Default, jeweils eingeleitet von einem Bindestrich gefolgt von einem Leerzeichen. In unserem Beispiel soll Bunch eine PDF-Datei mit Projektinfos und eine zugehörige Tabelle öffnen:
Default - ~/Reports/Projekt01.pdf - ~/Reports/Projekt01.numbers
Bunch kommt dabei zwar problemlos mit Sonder- oder Leerzeichen zurecht, nicht aber mit den lokalisierten Namen der Benutzerordner („Bilder“, „Schreibtisch“ et cetera), sondern wie bei den Apps nur mit den Namen, wie sie im Dateisystem stehen. Noch schwieriger wird es bei iCloud-Ordnern, deren Unterordner sich nicht intuitiv aus der Finder-Ansicht ergeben. Um den korrekten Pfad in Erfahrung zu bringen, bedienen Sie sich eines Tricks: Öffnen Sie im Finder den „Gehe zum Ordner“-Dialog (Umschalt+Cmd+G) und ziehen die von Bunch zu öffnende Datei aus einem Finder-Fenster in die gewünschte Zeile des Texteditors. Dort erscheint dann der Dateipfad in korrekter Schreibweise, den Sie in das Bunch-Dokument kopieren können.
Sie können auch eine App definieren, mit der Bunch eine Datei öffnen soll, um das Verhalten der App feinzujustieren. So kann man Numbers beispielsweise zeitverzögert öffnen lassen, um sicherzugehen, dass Bunch bereits alle anderen Befehle abgearbeitet hat. Dazu fügen Sie hinter dem App-Namen ein Leerzeichen, eine Tilde und eine Zahl, die die Wartesekunden angibt, ein:
Numbers ~7 - ~/Reports/Projekt01.numbers
Alternativ können Sie festlegen, dass Pages mit dem Protokoll des Projekts im Vordergrund erscheint, da Sie sich jeden Tag ohnehin zunächst einen Überblick über den letzten Stand verschaffen wollen. Dazu hängen Sie an den App-Namen einen Zirkumflex (Pages^) an. Damit Sie die Datei auch später jederzeit präsent haben, soll sie selbst dann geöffnet bleiben, wenn Sie den Bunch deaktivieren. Das erreichen Sie mit einem vorangestellten Prozentzeichen (%Pages):
%Pages^ - ~/Reports/Protokoll01.pages
Dateiordner im Finder öffnet Bunch, wenn Sie den vollen Pfad angeben, zum Beispiel /Users/[benutzername]/Documents/Arbeit/Projekt01. Falls Sie mehrere Fenster öffnen wollen, können Sie zur besseren Übersicht den Abschnitt durch die Angabe des Programmes Finder kennzeichnen und darunter Zeile für Zeile die zu öffnenden Ordner angeben.
Um sicherzustellen, dass der Arbeitsplatz aufgeräumt ist und beispielsweise keine Finder-Fenster aus einer vorherigen Arbeitssitzung den Bildschirm verstopfen, können Sie angeben, dass Bunch zunächst alle bestehenden Finder-Instanzen schließen und erst danach die weiteren in der Liste definierten Fenster öffnen soll. Dazu tragen Sie in der ersten Zeile unter dem Finder-Eintrag - XX ein:
Finder - XX - ~/Documents/Arbeit/Projekt01 - ~/Dropbox/Projekte/01 - ~/Library/Mobile Documents/com~apple~CloudDocs/Austausch
Automatisieren
Am Anfang einer Bunch-Datei stehen Metadaten zum Bunch, das sogenannte Frontmatter, umschlossen von Zeilen mit drei Minuszeichen. Hinter title geben Sie dem Bunch einen Namen, worunter der Bunch im Menü erscheint. Einen Shortcut zum Starten des Bunch aus dem Bunch-Menü legen Sie als shortcut fest. Zum automatischen Starten und Beenden eines Bunch legen Sie die Zeiten mit open at und close at. Beispiel:
--- title: Projekt shortcut: ctrl+p open at: 9:00am close at: 5:00pm ---
Flexibel und vernetzt
Sie können Bunches auch auf mehreren Macs parallel nutzen, wenn Sie die Dateien in der iCloud oder auf einem anderen Cloud-Laufwerk speichern. Den Speicherort wählen Sie im Bunch-Menü unter „Preferences/Bunch Folder“.
Bunches können zudem AppleScript-, JavaScript- oder Kommandozeilen-Skripte ausführen und Kurzbefehle [1] starten. Auf der Webseite von Bunch finden sich umfangreiche Dokumentationen der Befehle, Funktionen und Möglichkeiten, während das GitHub-Projekt (siehe ct.de/yzqb) Diskussionen und Fehlermeldungen sammelt.
Fazit
Mit Bunch können Sie im (Arbeits-)Alltag viel Zeit sparen, vor allem wenn man zwischen unterschiedlichen Kontexten hin und her wechselt. Wenn Sie also mehr als nur Browser und Mailprogramm benötigen, konfigurieren Sie auf Ihre Bedürfnisse angepasste Bunches und aktivieren Sie mit wenigen Klicks Ihre jeweils benötigte Arbeitsumgebung. Die simple Syntax des Programms macht Lust, eigene Bunches immer weiter zu perfektionieren. Nutzen Sie die eingesparte Zeit und schreiben Sie ein Bunch mit der Erinnerung, dass der Feierabend naht, sowie einer Abfrage, ob die Lieblingsmusik schon einmal starten soll. (abr@ct.de)
Bunch-Dokumentation, GitHub-Projektseite: ct.de/yzqb