Drahtlos fernschalten
Hamas kleiner Zwischenstecker fürs Smart Home schaltet Stromverbraucher manuell, sprachgesteuert oder automatisch. Doch bei der Energiemessung patzt er.
Die WLAN-Steckdose „Mini“ bindet man mit der zugehörigen Smarthome-App für iOS und Android ins heimische Funknetz ein, was nur mit einem Konto in der Hama-Cloud geht. Anschließend hört die Steckdose auf Schaltbefehle der App. Nach Anbinden an Alexa, Siri oder Google Assistant reagiert das Gerät auch auf gesprochene Kommandos.
Über das simple Ein/Aus hinaus bietet die App tageszeitabhängige Schaltpunkte (Zeitsteuerung) und automatisches Schalten nach einer einstellbaren Frist (Countdown, 1 Minute bis 24 Stunden). Über „Smarte Szenen“ kann man mehrere Verbraucher gleichzeitig steuern und bedingtes Schalten einrichten. Solche Automatiken können beispielsweise von Wetterdaten oder dem Zustand eines anderen Verbrauchers abhängen, den man mit einer weiteren WLAN-Steckdose überwacht. App und Hama-Cloud sind mandantenfähig: Mehrere Familienmitglieder können ein Smart Home getrennt bedienen.
Tippt man in der Geräteübersicht auf eine WLAN-Steckdose, kommt man über den Reiter „Energieverbrauch“ zur Messfunktion. Die App zeigt mit rund 10 Sekunden Latenz Änderungen von Spannung (Volt), Strom (Milliampere), gezogener Wirkleistung (Watt) und aufgelaufener Energie (Kilowattstunden) des angeschlossenen Verbrauchers an.
Leider hat sich der Entwickler des Geräts bei der Wirkleistungsmessung für ein ungünstiges Konzept entschieden: Der Mess-Chip BL0937 ist zwar für einphasige Stromzähler ausgelegt und soll – nach dem, was wir dem chinesischen Datenblatt entnehmen konnten – einen maximalen Messfehler von 0,5 Prozent erreichen. Er meldet die aktuelle Leistung aber nicht digital über einen Bus, sondern als Frequenzsignal. Das muss wiederum der Mikrocontroller ESP8285 auf dem Tuya-WLAN-Modul TYWE2S messen und auswerten.
Dadurch kam es vor allem bei kleinen Leistungen unter 10 Watt zu einem großen Genauigkeitsverlust: Mit den Prüflasten aus unserem Test von Energiekostenmessgeräten in c’t 17/2022 maßen wir bei zwei gekauften Geräten für die Wirkleistung eine mittlere Abweichung von 46 Prozent gegen die Referenz (Laborgerät LMG95). Im Vergleich zu den Kandidaten der Ausgabe 17 ergibt das die Bewertung „sehr schlecht“.
Beispielsweise lagen die beiden überprüften Hama-Steckdosen beim PC-Netzteil im Standby (Suspend-to-RAM, 2 Watt primär) um enorme 400 beziehungsweise 410 Prozent zu hoch. So gaukeln sie ein viel zu großes Einsparpotenzial vor. Angaben zum Messfehler macht der Hersteller weder auf dem Karton noch in der Kurzanleitung oder der Online-Produktseite. Hama kommentierte unsere Ergebnisse bis Redaktionsschluss nicht.
Schlau schalten kann sie, die kompakte WLAN-Steckdose „Mini“ von Hama. Aber auf ihre Energiemessung sollte man bei kleinen Lasten nichts geben. Wer diese Funktion lediglich braucht, um einen Verbraucher auf „läuft noch“ zu checken, der darf dennoch zugreifen. (ea@ct.de)
| Hama WLAN-Steckdose „Mini“ (00176575) | |
| Fernsteuerbarer Zwischenstecker mit Energiemessung | |
| Hersteller, URL | Hama, hama.de |
| Bedienelemente | Ein/Reset-Taster mit Mehrfarbleuchte |
| WLAN | Wi-Fi 4 (1) alias IEEE 802.11n-150, nur 2,4 GHz |
| maximale Schaltleistung | 3680 VA |
| Eigenleistungsaufnahme | 1,1 W (4,0 VA) eingeschaltet, 0,5 W (2,2 VA) aus |
| jährliche Stromkosten | 3,90 € (ein) |
| Preis | 18 € |