c't 19/2022
S. 84
Test & Beratung
Linux-Distribution

Getrocknete Minze

Die Distribution Linux Mint aktualisiert mit Version 21 den Unterbau auf Ubuntu 22.04 und den Desktop Cinnamon auf Version 5.4. Viel Neues sieht man allerdings nicht.

Das Mint-Team hat gut drei Monate nach Ubuntu 22.04 LTS auf dessen Basis Linux Mint 21 („Vanessa“) veröffentlicht. Streng genommen ist Linux Mint weniger eine Distribution, sondern mehr ein Ubuntu-Mod, denn ein Großteil der Software-Pakete kommt direkt von den Ubuntu-Servern zu den Usern. Nur die für Linux Mint angepassten Bestandteile werden über die Mint-Server ausgeliefert, was nur sieben Prozent der vorinstallierten Pakete ausmacht.

In der Liste der neuen Features von Mint 21 sucht man vergeblich nach großen Neuigkeiten oder aufregenden Änderungen. Das kleine Team hinter der traditionell ausgerichteten Distribution war offenbar mit der Bestandspflege ausgelastet.

Darunter fällt der Austausch der Bluetooth-Verwaltung, Blueman ersetzt Blueberry, damit Mint nicht mehr von der Gnome-Bluetooth-Bibliothek abhängig ist. Blueman verwendet direkt den Linux-Stack Bluez. Durch den Wechsel ist die Bluetooth-Verwaltung aber nicht mehr in der Systemsteuerung integriert, sondern fungiert als eigenständiges Programm. Bei unserem Testrechner fand Blueman allerdings andere Bluetooth-Geräte nicht, es sei denn, wir initiierten die Kopplung über Letztere oder aus der Bluez-Kommandozeile. Danach klappte die Verwaltung zuverlässig, aber die von Mint versprochene bessere Konnektivität konnten wir nicht beobachten.

An anderer Stelle bedient sich das Mint-Team dagegen an der Arbeit des Gnome-Projektes, von dem sie den Desktop Cinnamon abgespalten haben: Die wesentliche Neuerung von Cinnamon 5.4 ist die Verjüngungskur des Window-Managers Muffin, dessen Code auf Version 3.36 seiner Gnome-Vorlage Mutter portiert wurde. So profitiert auch Muffin von der Arbeit an Mutter. Infolgedessen musste Mints Konfigurationsdialog für Bildschirme neu geschrieben werden, ohne dass es sich im Guten oder Schlechten auf die Bedienbarkeit ausgewirkt hätte. Cinnamon 5.4 zeichnet Fenster nun immer mit GTK; Muffin unterstützt keine Metacity-Themes mehr.

Andere angepriesene Features sind eher marginal: Sticky Notes rotiert die Farben bei neuen Klebezetteln; Thumbnailers erzeugt Vorschaubilder ein paar weiterer Dateitypen (MP3, AppImage …), aber in unseren Versuchen nicht zuverlässig.

Relevante, spezifische Änderungen für die Mint-Editionen mit Xfce und MATE gibt es nicht, da es von diesen Desktopumgebungen selbst keine neuen Releases seit der Vorversion Mint 20.3 gab.

Angesichts der schleppenden Entwicklung ist fraglich, ob das dünn besetzte Mint-Team den versprochenen Langzeitsupport von fünf Jahren nicht nur auf dem Papier, sondern auch tatsächlich leisten kann, auch wenn sich Mint überwiegend auf Ubuntu verlässt.

Innovationen, wie es sie noch vor zwei Jahren mit dem Dateitransferprogramm Warpinator gab, fehlen in Version 21. Linux Mint konserviert vor allem das klassische Desktop-Layout mit Taskleiste und Hauptmenü. Wer das bevorzugt und keine Veränderungen erwartet oder wünscht, wird mit Linux Mint (weiterhin) zufrieden sein. Man sollte sich nur der begrenzten Ressourcen bewusst sein oder im Sinne des Open-Source-Gedankens selbst mit anpacken. (ktn@ct.de)

Linux Mint 21
Linux-Distribution
Hersteller, URL Linux-Mint-Projekt, linuxmint.com
Systemanf. 64-Bit-x86-Prozessor, mind. 2 GByte RAM und 20 GByte Datenträgerplatz (4 GByte RAM / 100 GByte HDD/SSD empfohlen)
Supportzeitraum bis 2027
Preis kostenlos (Open Source)

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