Bunte Vielfalt
Die Indie Area auf der Gamescom 2023
Hunderte Indie-Spiele tummeln sich in diesem Jahr auf der Gamescom und warten darauf, gespielt zu werden. Die Indie Area wächst und gedeiht, wir geben einen Überblick.
Riesige Stände wie der von Microsoft oder Bethesda werden auch in diesem Jahr die Spielemesse Gamescom vom 23. bis 27. August 2023 auf dem Messegelände in Köln dominieren. Die Halle 10.2 bietet allerdings ein ganz anderes Bild: In der Indie-Area werden dicht an dicht die meisten Indie-Games der Messe präsentiert. An vielen kleinen Spielstationen warten Indie-Neuheiten auf Neugierige. Für Spielefans lohnt sich ein Abstecher, denn anders als bei den großen Publishern in den übrigen Hallen können sie hier vieles ausprobieren, ohne stundenlang anstehen zu müssen.
Viele Spiele der kommenden Gamescom werden erst in den nächsten Wochen und Monaten erscheinen. Auf der Messe geben Demoversionen und Prototypen bereits einen Vorgeschmack. Einige davon sind über parallel zur Gamescom stattfindende Steam-Events oder sogar jetzt schon zugänglich.
Indie-Games querbeet
Bereits spielbar ist das Mitte Juni erschienene, narrative Adventure Fall of Porcupine aus der Feder des Kölner Studios Critical Rabbit (siehe Video unter ct.de/ytse), das in der Indie Area der Gamescom zu sehen sein wird. Anthropomorphe Tiere müssen hier Arbeitsalltag und Freizeit unter einen Hut bringen, Freundschaften pflegen und mit den Widernissen des Krankenhausalltags zurechtkommen. Doch nicht alle sind ehrlich und das Gesundheitssystem scheint seine Tücken zu haben. Verpackt ist das Ganze in eine farbenfrohe, handgezeichnete Grafik. Der Prolog des Spiels ist kostenlos auf GOG.com und Steam verfügbar.
Das ebenfalls aus Köln stammende Studio neoludic games will in der Indie Arena Booth seine Buchladensimulation Tiny Bookshop vorstellen. Spielende verwalten darin einen kleinen, mobilen Buchladen. Dabei lernen sie allmählich die Anwohner und ihre Lesegewohnheiten kennen und passen das Sortiment an deren Vorlieben an. Daneben sammeln sie gebrauchte Bücher und dekorieren den kleinen Laden. Durch die Interaktion mit den Menschen werden sie allmählich selbst Teil der Community.
Im Aufbaustrategiespiel Pioneers of Pagonia von Envision Entertainment aus Ingelheim bebaut man die Inselgruppe Pagonia mit rund 40 verschiedenen Gebäudetypen und bringt die Wirtschaft in Schwung, knüpft Allianzen und baut die Verteidigung auf. Pioniere ziehen aus, um unentdecktes Land zu erkunden und neue Ressourcen zu finden. Bei 70 verschiedenen Warentypen müssen weit verzweigte Produktionsketten in Einklang gebracht werden. Dabei kann man den tausenden Figuren auch dabei zusehen, wie sie beim Erfüllen ihrer Aufgaben herumwuseln.
Mimimi Games aus München kündigt für August sein Stealth-Strategiespiel Shadow Gambit: The Cursed Crew an. In einer alternativen Realität segelt das lebende Geisterschiff Red Marley in einem goldenen Zeitalter der Piraterie durch die Karibik. Seelenmagie verleiht der Crew übernatürliche Kräfte, mit denen sie der Inquisition trotzt, die zwischen ihr und einem Schatz des legendären Kapitäns Mordechai steht. Das Spiel soll am 17. August erscheinen, wird in der Indie Arena Booth vorgestellt und ist bereits als Demoversion verfügbar.
In den nächsten Wochen und Monaten werden wir weitere Indie-Games aus dem Programm der Gamescom auf youtube.com/ctzockt vorstellen.
Rundum-Sorglos-Paket für Spiele-Studios
Für kleine und mittelständische Indie-Studios ist ein Messestand schwer zu stemmen, Kosten und Aufwand sind immens. In der Indie Area finden sie trotzdem Platz. Die Mühe, die vielen kleinen Stände unter einen Hut zu bringen, wälzt der Veranstalter Koelnmesse auf externe Dienstleister ab: In der Indie Area treten sie als Gruppenorganisatoren auf und vermitteln maßgeschneiderte Stände in verschiedenen Größen an unabhängige Game-Studios, Standbau, Hardware und eine ganze Reihe von Dienstleistungen inklusive. Auch die Teilnahme an digitalen Events wie dem auf Steam sind eingeschlossen. Indie-Teams müssen bei diesen Komplettpaketen meist nur noch das Material liefern und ihr Spiel sowie einen Computer mitbringen. Die Angebote unterscheiden sich allerdings im Detail.
Die meisten Indie-Games präsentiert die Indie Arena Booth (IAB) der Hamburger Agentur Super Crowd auf über 1500 Quadratmetern. Das Angebot ist kuratiert, Teilnehmende müssen ein Bewerbungsverfahren durchlaufen, um einen der Plätze zu ergattern. Eine internationale Fachjury testet alle Einreichungen und bemüht sich um einen breiten Genremix aus verschiedenen Ländern. Mit dabei sind sowohl Prototypen als auch Spiele im Early Access und solche, die kurz vor der Veröffentlichung stehen. Das Interesse ist groß: In diesem Jahr seien über 300 Bewerbungen eingegangen, so IAB-Organisatorin Valentina Birke gegenüber c’t. Eine Jury habe 160 Spiele aus 33 Ländern ausgewählt. Wer sich hier durchspielen will, muss also etwas Zeit mitbringen.
Viele der Spiele lassen sich auch aus der Ferne ausprobieren: Bei einem Steam Event werden zahlreiche Demos bereitstehen. Das Streaming Studio der IAB wird ebenfalls Spiele zeigen und mit den Entwicklerinnen und Entwicklern ins Gespräch kommen. In einer Kooperation mit Nintendo stehen erneut Spielstationen mit Switch bereit, an denen acht neue Spiele ausprobiert werden können.
Eine eigene B2B-Area innerhalb der Indie Arena Booth bietet den teilnehmenden Teams Verpflegung, einen Rückzugsort und Raum für Gespräche mit Medien und Publishern. Valentina Birke hat eine einfache Erklärung für deren Popularität: „Viele unserer Teams kommen mit ein bis zwei Menschen und haben nicht die Kapazitäten, während der Messe in die Gamescom-eigene B2B Area zu gehen. Sie müssen ja auch permanent an ihren Spielstationen stehen und Auskunft geben.“
13 Publisher und 13 Länderdelegationen unterstützen die kleinen Studios: Games Bavaria greift bayerischen Game-Studios unter die Arme, aus anderen Bundesländern kommen Gamecity Hamburg, die Film- und Medienstiftung NRW, die Kultur- und Kreativwirtschaft Hessen sowie die Film- und Mediengesellschaft nordmedia. Aus dem Ausland dabei sind das Catalan Institute for Cultural Companies, SwissGames und Northern Ireland Screen.
Die Berliner Agentur Factory-C vermietet ebenfalls Stände in drei Größen an kleine Studios: Im Home of Indies finden in diesem Jahr 42 Spiele auf 200 Quadratmetern Platz. Für die Teams steht eine kleine Business Lounge mit Verpflegung für Treffen und Pausen bereit.
In Kontakt kommen
Die Indie Area ist nicht nur eine prima Möglichkeit, neue Games zu entdecken, sondern auch, um mit den Menschen hinter den Spielen in Kontakt zu kommen. Oft stehen die Verantwortlichen direkt daneben und verfolgen gebannt, wie ihr Spiel beim Publikum ankommt. Gern beantworten sie Fragen, nehmen Feedback entgegen und geben Einblick in ihre Arbeit. Allein dafür lohnt der Messebesuch vor Ort. (lmd@ct.de)
Videos & Gamescom-Infos: ct.de/ytse