Funk-Safter
Juice Booster 3 air für E-Autos im Test
Der Steckerstreit beim DC-Laden des E-Autos ist längst beigelegt, doch beim AC-Laden bekommt man europaweit durchaus unterschiedliche Ladebuchsen zu sehen. Juice Technology liefert die passenden Adapter und mit dem Juice Booster 3 air gleich ein Ladekabel mit Wallbox-Funktion und WLAN dazu.
Der Juice Booster sorgte schon bei E-Fahrern der ersten Stunde dafür, dass ihnen unterwegs nicht der „Saft“ ausging. Das Schweizer Unternehmen Juice Technology hatte damit recht früh ein Produkt am Start, das als mobile Ladelösung – quasi eine mobile Wallbox – in ganz Europa taugte. An einem Ende sitzt der Typ-2-Stecker fürs E-Fahrzeug, in der Mitte die Ladeelektronik in einer verkapselten Metallröhre, am anderen Ende der Bajonett-Verschluss von Juice Technology, für den es 30 verschiedene Adapter zur Wandbuchse gibt.
Der aktuelle Juice Booster 3 air erweitert das Konzept um das Thema Konnektivität: Über Bluetooth und WLAN lässt er sich per App ansprechen und hält Verbindung zur Juice-Cloud, die eine Ladestatistik vorhält und auch mehrere Juice Booster verwalten kann.
Der Einstiegspreis liegt bei rund 1500 Euro, die Adapter schlagen mit etwa 100 Euro pro Stück zu Buche. Neben den Steckern fürs einphasige und dreiphasige AC-Laden findet sich auch ein Typ-2-Stecker fürs Laden an einer Wallbox. Das scheint nur auf den ersten Blick ungewöhnlich: Setzt man den Adapter auf, wird die Ladeelektronik im Juice Booster überbrückt und das Set gibt sich als passives Ladekabel. So muss man auf Reisen ein Kabel weniger im Auto verstauen.
Die Verarbeitung der Ladeelektronik wirkt grundsolide, allerdings ist das Kabel mit drei Metern etwas kurz und führt selbst bei sommerlichen Temperaturen ein Eigenleben, lässt sich also kaum gerade auslegen. Fährt man den Juice Booster im winterlichen Kofferraum spazieren, dürfte sich der Effekt verstärken. Im Shop verkauft Juice Verlängerungen mit fünf oder zehn Metern (205/275 Euro). Der Bajonett-Verschluss erinnert an robuste Präzisionsmechanik aus dem Fotobereich. Der Juice Booster erkennt über einen Widerstand im Adapter, welcher Stecker angeschlossen ist und passt das Ladeverhalten an.
Ersteinrichtung
Der Juice Booster 3 air funktioniert prinzipiell auch offline ohne App: Adapter aufstecken, mit Fahrzeug und Netz verbinden, danach die Leistungsstufe über die Juice-Taste am Stecker oder direkt an der Ladeelektronik einstellen.
Für die erweiterten Cloud-Funktionen braucht es einen Juice+-Account, mit dem man sich an der J+-pilot-App für iOS oder Android registriert. Danach lässt sich der Juice Booster anmelden, indem man einen QR-Code von der beiliegenden Garantie-Karte abscannt. Die unscheinbare Pappkarte ist wichtig: „Nur wer sie hat, ist Eigentümer des Boosters“ verrät die App. Im nächsten Schritt lässt sich das Gerät mit dem WLAN verbinden. Nutzt man den Juice Booster daheim stationär, kann er eine Ladehistorie in der Cloud hinterlegen.
Ebenfalls im Lieferumfang befinden sich zwei RFID-Karten, die man optional anlernen kann. Sie lassen sich als Schlüssel konfigurieren. Entsprechend eingerichtet, gibt der mobile Charger den Ladevorgang erst dann frei, wenn man die Karte auf das Funksymbol am Ladestecker gehalten hat. Den RFID-Karten kann man in der App beispielsweise unterschiedliche Fahrzeuge oder Fahrer zuordnen, sodass sich die Ladehistorie aufschlüsseln lässt.
Der Cockpit-Bereich der App gibt Auskunft über den aktuellen Status des Juice-Boosters. Die Ladeleistung lässt sich in fünf Stufen von 6 Ampere bis 16 Ampere verstellen, die maximale Ladeleistung liegt bei 11,2 Kilowatt (kW). Über die App verändert man die Leistung auch während des Ladevorgangs.
Der J+ pilot summiert die Energie und nach Eingabe eines fixen kWh-Preises auch die Kosten. Ein Nachtstromtarif lässt sich setzen, bei stündlich wechselnden Börsentarifen muss die App allerdings passen. Während des Ladens erschienen beim dreiphasigen Laden auch Live-Messwerte.
Für das einphasige Laden hat Juice Technology einen Schuko-Adapter im Angebot, der mit einem Temperatursensor direkt im Stecker ausgestattet ist. Das soll das Überhitzen der oft nicht für die Dauerlast ausgelegten Schukosteckdosen verhindern. Bei 85 Grad stoppt der Ladevorgang. Grundsätzlich begrenzt das Kabel einphasiges Laden bei 13 Ampere, was rund 3 kW entspricht.
Im Statistik-Bereich findet man einen Kalender mit der Ladehistorie. Eine Exportfunktion erlaubt es, alle Informationen in gängigen Formaten herunterzuladen oder über eine beliebige App zu teilen. Dabei kann man wahlweise alle Infos ausgeben oder vorher gezielt Daten filtern.
Hinter der Cloud-Lösung steht ein Abo-Modell. Bei der kostenlosen Nutzung werden alle Daten nach sieben Tagen gelöscht. In drei Stufen geht es von 1 bis 5 Euro monatlich hoch zum Business-Abo, das außer unlimitierten Daten, mehreren Fahrzeugen und Infos zur Akkugesundheit noch ein finanzamtkonformes Fahrtenbuch vorhält. Mehrere Juice Booster air lassen sich zu einer Smart-Juice-Gruppe bündeln. Die Cloud übernimmt dann das Lastmanagement und sorgt dafür, dass eine zuvor hinterlegte Maximallast nicht überschritten wird.
Fazit
Ein Kabel, alle Stecker, fürs europaweite AC-Laden ist man mit dem Juice Booster 3 air gut gerüstet. Wer ein Fahrzeug mit 22-kW-Charger hat, sollte allerdings zum Vorgänger Booster 2 greifen, weil er bis zu 32 Ampere statt nur 16 verträgt. Auf die doppelte Ladegeschwindigkeit wird man trotz besserer Konnektivität des Booster 3 air nicht verzichten wollen.
Verträgt das Fahrzeug aber nur 11 kW am AC-Anschluss, ist der Booster 3 air ein vollwertiger Ersatz fürs AC-Ladekabel, das man meist ohnehin spazieren fährt. Die Kombination aus passivem Ladekabel und mobiler Wallbox fürs ein- bis dreiphasige Laden ist clever und spart Platz.
Wer ohnehin eine Wallbox anschaffen möchte, bekommt mit der mobilen Variante deutlich mehr Flexibilität und Kostenkontrolle über die Cloud. Die RFID-Funktion, das Lastmanagement und die kostenpflichtigen Abos sind nur für die spannend, die einen kleinen E-Fuhrpark verwalten müssen. (sha@ct.de)
| Juice Booster 3 air | |
| E-Auto-Ladekabel (Mobile Wallbox) | |
| Hersteller, URL | Juice Technology, https://juice.world |
| Stecker | Typ 2, CEE (IP55), proprietär |
| Lieferumfang | Ladekabel, 2 Adapter, Tragetasche, 2 RFID-Karten |
| Gesamtleistung | max. 11 kW, bis dreiphasig AC |
| Lieferumfang | Ladekabel (3 m), Tragetasche |
| Standby | 3,1 Watt |
| Preis | ab 1560 Euro |