Gigabytes für Oldies
ISA-USB-Adapter nutzt Speichersticks als Laufwerk für MS-DOS-PCs
Eine 8-Bit-ISA-Karte mit dem USB-Interface-Chip CH375 bindet einen Speicherstick als DOS-Laufwerk für Rechner aus der Prä-USB-Ära ein. Nutzer alter Software oder PC-gestützter Messtechnik bekommen so günstig viel Speicher und einen einfachen Datentransfer.
Wer noch alte MS-DOS/Windows-PCs aus 16/32-Bit-Zeiten einsetzt, etwa weil es für betagte Mess- oder Steuertechnik keine aktuellen Treiber gibt oder die Software nur mit Parallelport-Dongle läuft, kennt das Speicherproblem: Die alten Festplatten fallen aus, Ersatz bekommt man nur gebraucht und oft ebenfalls kurz vorm Exitus stehend.
Die Dateiübertragung von und zu modernen Rechnern ist wegen des Aussterbens alter Medien schwierig. Manche Adapter simulieren PC-seitig ein Floppylaufwerk und beschreiben einen USB-Stick [1]. Für alte Werkzeugmaschinen und Musikinstrumente sind sie interessant, da sie keinen Treiber brauchen, doch bleibt die Speichermenge pro Stick wie bei Floppies auf 1,4 Megabyte beschränkt.
Für IBM-kompatible PCs mit ISA-Bus gibt es eine bessere Lösung: einen ISA-USB-Adapter. Das Kärtchen passt in jeden halblangen 8-Bit-ISA-Slot und ist mit einer USB-A-Buchse bestückt; ein Slotblech fehlt. Den Job, Daten zwischen einem parallelen 8-Bit-Bus und dem seriellen USB-Port zu vermitteln, übernimmt der Interface-Chip CH375, der Übertragungsarten bis 12 Mbit/s (Full Speed, etwas über 1 MByte/s) und sogar USB-Host-Protokolle beherrscht. Die liegen aber brach, weil so alte Betriebssysteme USB nicht kennen.
Unserem Testexemplar lag eine Mini-CD mit Treibern, Dokumentation und einigen DOS- und Windows-Tools in Chinesisch und Englisch bei. Der DOS-Treiber CH375DOS.SYS taucht in verschiedenen Untermenüs in zwei Versionen auf: eine Datei mit 4,3 KByte Umfang (V1.9) und eine gleichnamige mit 5,1 KByte (V2.0A). Auf unserem Testsystem, einem 386er mit MS-DOS 6.20 funktionierten beide Treiber. Diese trägt man in die CONFIG.SYS ein und übergibt als Parameter die I/O-Adresse, den Interrupt und die Übertragungsgeschwindigkeit. Bei uns klappte es mit der Standardadresse 0260h und dem Abfragemodus (IRQ 0), die Geschwindigkeit beließen wir auf „%0“ – der maximalen Datenrate.
Der CH375-Chip unterstützt zwar USB-Funktionen wie Hot Plugging, ältere DOS-Versionen kommen damit aber nicht zurecht. Der Treiber bindet den Speicherstick als Festplatte ein, er muss daher schon beim Hochfahren angesteckt sein. Findet der Treiber keinen USB-Speicher, meldet er das und der Bootvorgang läuft ohne Zusatzlaufwerk weiter. Später eingesteckte Sticks werden ignoriert. Erkennt der Treiber einen USB-Stick, kann ihn aber nicht lesen, geht es nicht weiter, bis der Stick entfernt wird.
Ob der Speicherstick erkannt und als Festplatte eingebunden wird, hängt vom Betriebssystem und dem Dateisystem ab, mit dem der Stick formatiert ist. Kleine USB-Sticks sind üblicherweise mit FAT16 (File Allocation Table) formatiert, das maximal 2 GByte verwaltet. MS-DOS-Versionen ab 1984 (DOS 3.0) erkennen es problemlos. Klemmt es beim Einbinden des Sticks, hilft einfaches Formatieren unter einem aktuellen Windows. Als Dateisystem gibt dessen Formatierroutine „FAT (Standard)“ vor, FAT bedeutet FAT16. Ist der Stick größer als 2 GByte, wählt Windows zum Formatieren als Vorgabe „FAT32 (Standard)“. FAT32 verwaltet bis zu 2 TByte, wurde aber erst mit Windows 95B und MS-DOS 7.10 eingeführt.
Für alte DOS-Rechner eignen sich also USB-Sticks unter 2 GByte, die in der Schublade vor sich hin stauben. Hat man nur Sticks größer als 2 GByte, kann man auf ihnen etwa mit der Datenträgerverwaltung eine kleinere Partition anlegen und diese mit FAT16 formatieren. Im Test blieb der neuere DOS-Treiber V2.0A bei der Erkennung aber hängen, mit dem älteren V1.9-Treiber funktionierte es dagegen. An modernen Rechnern wurden alle Teststicks problemlos erkannt, beim Lesen und Schreiben von Dateien gab es auf keiner Seite Probleme.
Theoretisch erlaubt der ISA-USB-Adapter sogar, vom Stick zu booten. Doch muss das BIOS dazu vom Vorhandensein des Adapters und dem USB-Laufwerk wissen. Auf der Karte gibt es einen leeren Sockel für einen Festspeicher (EPROM 27C256) und einen BIOS-Ordner auf der mitgelieferten Disk. Der Ordner enthält eine BIOS-Erweiterung als Binärdatei und einen kurzen englischen Hinweistext zum Anpassen der BIOS-Datei für die jeweilige I/O-Adresse vor dem Brennen aufs EPROM. Der Erfolg ist abhängig von der Hardware, dem System-BIOS und dem zu bootenden Betriebssystem. Der wegen des kruden Englisch nicht leicht verständliche Text zählt weitere Wege zum Booten von USB-Disk auf, etwa das Modifizieren des MBR einer vorhandenen Festplatte – für sachkundige Bastler eine Herausforderung, für gewöhnliche Anwender wohl keine Option.
Fazit
Der ISA-USB-Adapter funktionierte im Test überraschend gut. Je nach Preis ist der Adapter mit dem CH375-Chip ein echter Tipp. Bei Amazon, eBay und AliExpress finden sich Angebote China-typisch unter zig verschiedenen Markennamen und zu Preisen von 17 bis über 50 Euro. Die Ausstattung ist, soweit wir sehen konnten, aber stets die gleiche. Wir haben unser Testexemplar für 23 Euro bekommen, ein Preisvergleich lohnt sich. (rop@ct.de)
| ISA-auf-USB-Adapter | |
| 8-Bit-ISA-Karte mit CH375 für industrielle Steuerungen | |
| Herstellername | verschiedene |
| Dateisysteme | FAT16, FAT32 |
| Betriebssysteme | MS-DOS ab 3.0, Windows |
| Preis | 17 bis 50 Euro |