Luftnummer
Kopfhörer Dyson Zone mit Luftreiniger im Test
Dyson kombiniert im Zone zwei Geräteklassen, die so gar nichts miteinander gemein haben: einen Kopfhörer und einen Luftreiniger. Manchmal ist weniger mehr, zeigte sich im Test.
So einen Kopfhörer gab es noch nie. Dyson, bekannt vor allem für technisch ausgefallene Staubsauger, Ventilatoren, Haartrockner und Luftreiniger, verbindet mit dem 900 Euro teuren Modell Zone einen Bluetooth-Over-Ear-Kopfhörer mit einem Luftfiltersystem, dessen wechselbare Filter in den Ohrmuscheln stecken.
Ein Knopf links und ein kleiner Vier-Wege-Schalter rechts stehen zur Bedienung bereit. Der Materialmix aus Metall und Kunststoff überzeugt, alles wirkt hochwertig verarbeitet. Der Klang, den der Zone entfaltet, hat es in sich. Der Kopfhörer bringt tiefe Bässe und klare Höhen gleichermaßen zielsicher auf die Ohren. Der insgesamt eher warme Klang gefällt für unterschiedliche Musikrichtungen. Die Sprachqualität beim Telefonieren passt ebenfalls, die Verständigung stimmt auf beiden Seiten der Leitung. Neben der passiven Dämpfung durch die dicken Ohrpolster schluckt der Zone mit seiner aktiven Geräuschunterdrückung Umgebungslärm zuverlässig weg, im Zug bleibt jedoch ein leises Säuseln von den Fahrgeräuschen übrig. Der Transparenzmodus reicht nicht ganz an die Qualität von Apples Airpods Max heran, ist aber voll alltagstauglich.
Mit fast 600 Gramm sitzt der Kopfhörer schwer auf dem Kopf, mit der Zeit strengt das die Nackenmuskulatur ziemlich an. Für den Sport eignet er sich aus einem weiteren Grund nicht: Schon ganz ohne Bewegung wärmen die kuschelig weichen Ohrpolster ganz ordentlich, in warmer Umgebung oder bei anstrengender Bewegung wird es darunter schnell zu heiß. Ausdauer hat er aber, denn die vom Hersteller versprochenen 50 Stunden Akkulaufzeit sind realistisch, mit den üblichen Schwankungen etwa durch unterschiedliche Lautstärke oder Qualität des Funksignals.
Gebläse auf den Ohren
So weit, so gut, doch der Zone kann noch mehr. Auf jedem Ohr sitzt ein Gebläse mit einem wechselbaren Filter. Der Zone saugt die Umgebungsluft durch den Filter an und bläst sie durch einen Plastikaufsatz, der magnetisch an beiden Seiten des Kopfhörers andockt und vor Mund und Nase sitzt. Das etwas klapprige, glänzende Teil, das das Gesamtgewicht des Zone auf 670 Gramm erhöht, ist ein echter Blickfang, man zieht damit die Aufmerksamkeit garantiert auf sich. Der Aufsatz ist verschiebbar und passt kleinen und großen Köpfen. Klappt man ihn nach unten weg, versiegt der Luftstrom und die Medienwiedergabe pausiert.
Der Luftreiniger, der ausdrücklich kein medizinisches Gerät ist, soll Viren, Pollen und ultrafeine Partikel zu 99 Prozent aus der Luft entfernen, der Aktivkohlefilter zudem Stickstoffdioxid und Gerüche beseitigen. Das gelingt dem Zone nur bedingt, zumal der Aufsatz Mund und Nase nicht wie eine Maske umschließt, sondern breite Spalte ober- und unterhalb verbleiben. Die gefilterte Luft trug einen chemischen Geruch, der nach einigen Stunden im Test zwar abnahm, aber nicht verschwand. Der Lüfter bringt neben der arg extravaganten Optik des Aufsatzes weitere Probleme mit sich. Zunächst einmal ist die Lüftung in allen drei Stufen deutlich hörbar, selbst im Zug reichen aktive und passive Dämpfung spätestens ab Stufe zwei nicht aus, das stete Surren an beiden Ohren zu überdecken. Dann stresst die aktive Lüftung den Akku des Kopfhörers massiv, schon nach rund vier Stunden ist er leer – nicht einmal ein Zehntel der Laufzeit ohne den Aufsatz. Nicht zuletzt sorgt der andauernde Luftstrom auf Mund und Nase dafür, dass die Schleimhäute schnell austrocknen.
Die Dyson-App steuert den Zone, gibt Einblicke über die Luftqualität anhand von Standortdaten in der Umgebung sowie den Verbrauchsgrad der Filter und visualisiert die Einstellungen für Noise Cancelling und Luftreinigung. Vorgefertige Modi und ein frei einstellbarer Equalizer regeln den Klang. Auch Firmwareupdates erhält der Kopfhörer über die kostenlose App. Zum Lieferumfang gehört ein großes Hardcase mit Drehverschluss, das leer noch einmal über 700 Gramm auf die Waage bringt.
Fazit
Ginge es alleine um die Audioqualitäten, wäre der Dyson Zone zwar vergleichsweise teuer, aber dennoch brauchbar. Sein warmer, detailreicher Klang passt für viele Musikrichtungen und die Akkulaufzeit ist herausragend. Zwar wiegt das Gewicht im wahrsten Sinne schwer und die dicken Polster machen warme Ohren, doch damit lässt sich leben.
Die Luftreinigung jedoch überzeugt nicht. Das klapprige Plastikteil passt nicht zum hochwertigen Kopfhörer, der Luftstrom trocknet die Schleimhäute aus, das Surren der Motoren strapaziert die Nerven und die irritierten Blicke der Mitmenschen belasten das Gemüt. Noch dazu sinkt die Laufzeit bei aktiver Lüftung auf nicht einmal ein Zehntel. Für deutlich weniger Geld finden sich bei Apple, Bose, Sony und anderen klanglich vergleichbare Kopfhörer ohne angebasteltes Gebläse. Allergiegeplagte können das gesparte Geld für Antihistaminika zur Seite legen. (sht@ct.de)
| Dyson Zone | |
| Kopfhörer mit Luftreiniger | |
| Hersteller, URL | Dyson, dyson.de |
| Gewicht Kopfhörer / Aufsatz / Case | 590 g / 75 g / 715 g |
| Anschlüsse | Bluetooth 5.0, USB-C (nur Laden) |
| Systemanf. MyDyson App | Android ab 8.0, iOS ab 14.0 |
| Preis | 899 € |