Abgepauster Schlachtplan
Disney+: höhere Preise, neues Werbeabo und Sharing-Sperre
Netflix hat es vorgemacht, Disney+ zieht nach: Der Videostreamingdienst des Mäuseimperiums hat demnächst auch mehrere Preisstufen und einen Einstiegstarif mit Werbung. Der Weitergabe von Zugangsdaten will er ebenfalls einen Riegel vorschieben.
Netflix’ Preisstruktur wirkt für viele Nutzer antiquiert: Während jüngere Videostreamingdienste wie Apple TV+ und Paramount+ einen Preis für alle Kunden aufrufen, hält der Pionier starr an verschiedenen Tarifen mit unterschiedlichen Bild- und Tonqualitäten fest. Mancher wettete daher schon darauf, dass Netflix früher oder später sein Preismodell vereinfachen werde. Doch stattdessen verabschiedet sich Disney+ zum 1. November von seinem Einheitstarif.
So bekommen Neukunden zum aktuellen Preis von 8,99 Euro pro Monat beziehungsweise 89,90 Euro im Jahr dann nur noch ein abgespecktes „Standard“-Abo, bei dem Full-HD-Auflösung und 5.1-Ton das höchste der Gefühle sind. Zudem können sie damit nur zwei Streams parallel empfangen. Wer ein neues Abo abschließt und wie bisher bis zu 4K-Auflösung inklusive HDR-Bild und Dolby-Atmos-Ton möchte, muss künftig 11,99 Euro pro Monat oder 119,90 Euro pro Jahr für den neuen „Premium“-Tarif ausgeben – eine Steigerung von über 30 Prozent. In diesem Tarif gibt es dann bis zu vier parallele Streams.
Das alles erinnert an die Tarifstruktur von Netflix – und die Parallelen hören nicht an dieser Stelle auf. Denn Disney+ führt mit dem neuen Tarifsystem ebenfalls ein verbilligtes Standard-Abo mit Werbung für 5,99 Euro pro Monat ein (ein nochmals preiswerteres Jahresabo gibt es hier nicht). Das entspricht bis auf die Reklame dem Standard-Abo, mit der Einschränkung, dass keine Downloads möglich sein werden. Mittlerweile wissen wir: Streamingdienste verdienen mit dem Werbe-Abo am Ende mehr als mit dem Standard-Abo zum Vollpreis.
Bestandskunden behalten laut Disney über den 1. November hinweg ihr derzeitiges Monats- oder Jahresabo zum bestehenden Preis und den bisherigen Konditionen. Allerdings behielt sich Disney in der Ankündigung zukünftige Änderungen bereits vor – weshalb die Frage wohl nur noch lautet, wann die Preiserhöhung kommt und nicht ob.
| Disney+: Preisstruktur ab 1. November | |||
| Tarif | Standard mit Werbung | Standard | Premium |
| werbefrei | – | ✓ | ✓ |
| Originals und Katalogtitel | ✓ | ✓ | ✓ |
| Videoqualität | bis zu Full HD (1080p) | bis zu Full HD (1080p) | bis zu UHD (2160p) & HDR |
| Audioqualität | bis zu 5.1-Ton | bis zu 5.1-Ton | bis zu Dolby Atmos |
| gleichzeitige Streams | 2 | 2 | 4 |
| Downloads möglich | – | ✓ | ✓ |
| Preise | 5,99 € pro Monat | 8,99 € pro Monat / 89,90 € pro Jahr | 11,99 € pro Monat / 119,90 pro Jahr |
Nicht auf Deutsch
Kritiker bemängeln bereits, dass Dolby-Atmos-Ton für deutsche Kunden, die Filme und Serien in der synchronisierten Fassung schauen, bislang praktisch keine Zugkraft für das neue Premium-Abo besitzt. Schließlich ist nur die Originals-Serie „Sam – Ein Sachse“ bei Disney+ mit deutschem 3D-Ton abrufbar; ansonsten bleibt das Soundformat dem englischen Originalton vorbehalten. Bei Netflix bekommt man mittlerweile immerhin rund 30 Filme und ein Dutzend Serien mit deutschem Dolby-Atmos-Ton, bei Apple TV+ ist das Format sogar für beide Sprachfassungen Standard.
Daran, dass sich dies in Zukunft ändert, darf man zweifeln, vielmehr scheint Disney+ an Synchronisationen sparen zu wollen: Erschien die erste Staffel der französischen Originals-Serie „Wochenend-Familie“ noch in 15 zusätzlichen Sprachen, waren es bei der zweiten Staffel derer nur noch acht. Notfalls verweist der Dienst auf die Möglichkeit, das Original mit Untertiteln anzuschauen – die wesentlich preiswerter zu produzieren sind. Auch vom Dolby-Atmos-Konkurrenzformat „DTS:X for Streaming“, das laut Aussage der Entwicklerfirma Xperi eigentlich in diesem Jahr bei Disney+ starten sollte, ist aktuell weit und breit nichts mehr zu hören.
Ausgesperrt
Wie stark Disney+ die Netflix-Strategie abkupfert, zeigt die Ankündigung, künftig wie der Konkurrent technische Maßnahmen gegen die Weitergabe von Zugangsdaten zu ergreifen. Für die Einführung der Account-Sharing-Sperre nennt Disney+ allerdings noch keinen konkreten Zeitpunkt – eventuell auch aus rechtlichen Gründen: Gut denkbar, dass Disney+ vorher noch einmal seinen Nutzungsvertrag überarbeitet, denn der bei Netflix genannte „Haushalt“, über den hinaus niemand den Dienst nutzen darf, findet sich in der aktuellen Fassung noch nicht. Aktuell ist es vielmehr untersagt, seine Zugangsdaten Dritten mitzuteilen.
Schließlich dürfte sich Disney+ mit den Maßnahmen auch dasselbe Ergebnis wie Netflix wünschen, das am Ende sogar seine Abonnentenzahl steigern konnte. Ob dies Disney+ ebenfalls gelingt, bleibt abzuwarten. (nij@ct.de)