c't 20/2023
S. 80
Test & Beratung
Video-Quadrokopter

Extra-Weitblick

DJI Air 3: Quadrokopter mit dualem Kamerasystem im Test

DJIs Air 3 sticht aus der Masse der Videodrohnen mit einem dualen Kamerasystem heraus, das mehr Flexibilität bei der Bildgestaltung bringt. Dennoch überzeugte uns der neue Quadrokopter nicht komplett.

Von Daniel Clören

Die Air-Reihe bildet bei den Drohnen von DJI die Mittelklasse zwischen der Mini- und der Mavic-Serie. Mit einem dualen Kamerasystem, einer omnidirektionalen Hinderniserkennung und einer verlängerten Flugzeit soll die Air 3 aber auch den Ansprüchen ambitionierter Videofilmer und Fotografen genügen.

Die neue Drohne bietet eine Weitwinkelkamera mit einer Kleinbild-äquivalenten Brennweite von 24 mm und eine Telekamera mit 70 mm Brennweite, zwischen denen sich nahtlos wechseln lässt. Mit der neuen Ausstattung steigt das Gewicht der Drohne gegenüber dem Vorgänger allerdings auch von 600 auf 720 Gramm. Die Air 3 erhält in der EU sowie in Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz eine C1-Kennzeichnung. Somit darf man sie laut EU-Drohnenverordnung mit dem kleinen Drohnenführerschein A1/A3 auch nahe an Menschen fliegen und muss keinen Mindestabstand von 150 Metern zu Wohn- und Gewerbegebieten einhalten.

Im Flug

DJI bietet die Air 3 in verschiedenen Paketen an. In der Einstiegsversion ab 1100 Euro steuert man sie mit der Fernsteuerung RC-N2 in Kombination mit einem aufgesteckten Smartphone, auf dem die „DJI Fly“-App (Android, iOS) läuft. Sie zeigt Flughöhe, Distanz, Satellitenanzahl, Signalstärke, verbleibende Flugzeit und die Position der Drohne auf der Karte. Außerdem aktiviert man über die App Flug- und Aufnahmemodi.

Wie die Vorgängerin erreicht die Air 3 eine maximale horizontale Geschwindigkeit von 68,4 km/h. Die Steig- und Sinkgeschwindigkeit hat sich von 21,6 auf 36 km/h erhöht. Die Drohne lässt sich DJI-typisch präzise steuern und steht stabil in der Luft.

Die Drohne beherrscht eine Vielzahl an autonomen Flugmodi, darunter „MasterShots“, bei denen sie hintereinander verschiedene Flugmanöver ausführt und aus dem aufgenommenen Material dann einen Film inklusive Musik generiert. Acht rundum angebrachte Hinderniserkennungssensoren sorgen dafür, dass sich die Drohne auch in schwierigem Terrain sicher navigieren lässt.

Im autonomen Flug wählt die Air 3 bei Bedarf selbstständig Routen – zumindest in der Theorie. Uns bereitete im Test die „Focus Track“-Funktion Probleme, bei der sie das Motiv automatisch in der Mitte halten soll: In einem dicht bewachsenen Waldstück verlor die Drohne oft das Motiv aus den Augen. Obwohl sie Hindernissen hätte ausweichen können, erschien sie in solchen Situationen zudem schnell überfordert und stoppte in der Luft. Andere DJI-Drohnen mit entsprechenden Sensoren meisterten diese Aufgabe besser. Ähnlich sah es beim Abfliegen vorgegebener Wegpunkte aus, wo die Drohne praktisch vor jedem Hindernis stoppte. Danach bleibt praktisch nur die Möglichkeit, für einen Augenblick die manuelle Kontrolle zu übernehmen und die Drohne an eine Position ohne Blockade zu leiten, bevor es weitergehen kann.

DJI verspricht mit dem 4241-mAh-Akku eine maximale Flugzeit von bis zu 46 Minuten, was ein Plus von ganzen 15 Minuten gegenüber dem Vorgänger bedeuten würde. Im Test kamen wir bei einer mäßigen Brise jedoch nur auf 33 Minuten, bevor wir die Drohne bei 15 Prozent Restkapazität landen mussten.

Beim neuen O4-Videoübertragungssystem wurde in Europa das Frequenzband um 5,1 GHz hinzugefügt, womit die Reichweite auf bis zu zehn Kilometer erhöht worden sein soll – was sich aus rechtlichen Gründen nicht austesten lässt. Im Test hatten wir in einem Radius von 300 Metern, trotz Hindernissen wie Bäumen, stets eine stabile Verbindung. Das Livebild der Drohne wird in 1080p (1920 × 1080 Pixeln) mit 60 Bildern pro Sekunde übertragen.

Auch die Air 3 lässt sich für einen einfachen Transport zusammenklappen, hat gegenüber dem Vorgängermodell aber 120 Gramm an Gewicht zugelegt, sodass sie jetzt auf 720 Gramm kommt.
Auch die Air 3 lässt sich für einen einfachen Transport zusammenklappen, hat gegenüber dem Vorgängermodell aber 120 Gramm an Gewicht zugelegt, sodass sie jetzt auf 720 Gramm kommt.

Duale Kamera

Die beiden Kameras der DJI Air 3 teilen sich eine Drei-Achsen-Kardanaufhängung für die Stabilisierung des Bildes und nutzen jeweils einen 1/1,3 Zoll großen Sensor. Die Weitwinkelkamera hat eine Blende von ƒ/1,7, die Telekamera ƒ/2,8. Beide Sensoren lösen jeweils 48 Megapixel auf, die sich per Pixel Binning auf 12 Megapixel reduzieren lässt.

Videos nehmen beide Kameras in 4K (3840 × 2160 Pixel) auf, für Zeitlupen mit 100 Hertz. Im HDR-Modus reduziert sich die Bildrate auf bis zu 30 Bilder pro Sekunde. Die DJI Air 3 bietet einen neuen vertikalen Aufnahmemodus für Social-Media-Posts, dreht dafür aber den Gimbal nicht, sodass sich die Auflösung im 9:16-Format auf 2,7K (1512 × 2688 Pixel) reduziert. Insgesamt ist die Bildqualität gut, man merkt den Kameras aber vor allem bei schlechteren Lichtverhältnissen den kleinen Sensor an. So neigt das Bild in dunkleren Bereichen zum Rauschen und wirkt insgesamt etwas überschärft.

Fazit

Mit ihrem dualen Kamerasystem bietet die Air 3 gegenüber der Vorgängerin neue kreative Möglichkeiten. Aber die DJI Air 2S mit Einzelkamera bot einen größeren Sensor mit 1 Zoll Diagonale und erreichte damit eine bessere Bildqualität. Die Air 3 kontert wiederum dank 70-mm-Tele mit der Möglichkeit, ein Motiv scharf vor einem unscharfen Hintergrund abzubilden.

Die autonomen Flugmodi bessert DJI hoffentlich noch mit einem Firmware-Update nach; aktuell machen autonome Flüge mit der neuen Drohne noch nicht so viel Spaß wie mit anderen Modellen des Herstellers. Insgesamt ist die DJI Air 3 aber eine leistungsstarke und vielseitige Drohne für Videofilmer und Fotografen. (nij@ct.de)

DJI Air 3
Quadrokopter mit Zweifachkamera
Hersteller DJI, dji.com
Videoauflösung Hauptkamera: UHD (3840 × 2160 Pixel) bei 24/25/30/48/50/60/100 fps; Full HD (1920 × 1080 Pixel) bei 24/25/30/48/50/60/120/200 fps; vertikale Aufnahmen in 2,7K (1512 × 2688) mit 24/25/30/48/50/60 fps, in FHD: (1080 × 1920 Pixel) mit 24/25/30/48/50/60 fps
Videoformat MP4 / MOV (H.264 / H.265)
Fotoauflösung jeweils 8064 × 6048 Pixel
Fotoformat JPEG, Adobe DNG-RAW
Größe (L × B × H) zusammengeklappt: 207 mm × 100,5 mm × 91,1 mm / auseinandergeklappt ohne Propeller: 258,8 mm × 326 mm × 105,8 mm
Lieferumfang Controller, Verbindungskabel, Akku, Schutzkappe, 6 Propeller, Netzteil, Bedienungsanleitung / „Fly More Combo“-Paket zusätzlich zwei weitere Akkus, sechs weitere Propeller, Akku-Ladestation, Adapter Batterie auf Power Bank, ND-Filter, Reisetasche
Preis 1099 € / 1349 € („Fly more Combo“-Paket), 1549 € („Fly more Combo“-Paket inklusive DJI RC 2)

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