c't 20/2023
S. 88
Test & Beratung
Linux-Distribution

Minze, Zimt und Mate

Linux Mint 21.2 Victoria hübscht Cinnamon-Desktop auf

Die Linux-Distribution Linux Mint bringt im jüngsten Release der 21er-Reihe viele Detailverbesserungen und sichert das hauseigene Dateiaustauschtool gegen Angriffe ab.

Von Keywan Tonekaboni

Das Team um Mint-Hauptentwickler Clement Lefebvre hat gut ein Jahr nach Linux Mint 21 dessen zweites Zwischenrelease mit dem Codenamen Victoria veröffentlicht. Im neuen Release wurde die Desktopumgebung Xfce auf Version 4.18 aktualisiert, MATE bleibt unverändert auf Version 1.26. Die größten Änderungen kommen von Cinnamon 5.8, was ebenfalls von Lefebvre und seinen Mint-Mitstreitern entwickelt wird.

Beim Desktop hat das Team an vielen Details gefeilt. So lässt sich das Hauptmenü jetzt in der Größe ändern. Stile kann man auf Wunsch in einem Rutsch für Anwendungen, Mauszeiger, Symbole und den Desktop wählen.

Wer das neue Cinnamon mit einem Touchpad, Touchscreen oder Tablet nutzt, kann es mittels Gesten steuern, etwa um Fenster zu verschieben, Arbeitsflächen zu wechseln oder einen Medienplayer zu bedienen.

Da Linux Mint 21.2 die wichtige Schnittstelle XDG Desktop Portal unterstützt, interagieren Sandbox-Programme wie Flatpak-Apps nun besser mit der Desktopumgebung – neben Cinnamon auch MATE und Xfce. Die moderne Linux-Grafikarchitektur Wayland unterstützt Mint weiterhin nicht. Lediglich der Anmeldebildschirm versteht seit diesem Release das Wayland-Protokoll. 

Die Bedienoberfläche der Anwendungsverwaltung wurde nochmals überarbeitet. Die Empfehlungen stehen nun prominenter weiter oben und enthalten auch Anwendungen aus dem Flathub-Repository. Das verbesserte Bewertungssystem soll aktuell beliebten Apps mehr Sichtbarkeit verschaffen.

Die überarbeitete Anwendungsverwaltung empfiehlt nun auch Flatpak-Apps.
Die überarbeitete Anwendungsverwaltung empfiehlt nun auch Flatpak-Apps.

In Warpinator, dem vom Mint-Projekt selbst entwickelten Dateiaustausch-Tool, ist das Sicherheitskonzept verschärft worden. Dies soll sicherstellen, dass es außerhalb des eigenen Download-Verzeichnisses keine Daten schreiben kann. Das Tool empfiehlt zudem jetzt, ein Gruppenkennwort festzulegen. Nur Instanzen mit dem gleichen Kennwort können einander sehen. Legt man keinen Code fest, beendet sich das Tool nach einer Stunde automatisch und manche Funktionen wie die automatische Annahme von Dateien sind nicht aktivierbar.

Das Dateiübertragungswerkzeug Warpinator fordert auf, den neuen Sicherheitsmodus zu aktivieren, sonst beendet es sich nach einer Stunde von selbst.
Das Dateiübertragungswerkzeug Warpinator fordert auf, den neuen Sicherheitsmodus zu aktivieren, sonst beendet es sich nach einer Stunde von selbst.

Mit AVIF und HEIF unterstützt Mint systemweit zwei neue Bildformate, unter anderem in der Bildbearbeitung und -verwaltung Pix. Xreader kann nun Dateien von Adobe Illustrator anzeigen.

Upgrade und Secure Boot

Das über die Aktualisierungsverwaltung zu startende Upgrade-Tool arbeitete in unseren Tests problemlos, auch von der Vor-Vorversion Mint 21 Vanessa aus.

Bei einem Testsystem mit aktiviertem Secure Boot verweigerte dieses dem Mint-Live-System den Start. Dies liegt an in Ubuntu aktualisierten Shim-Signaturen. Das Mint Team hat seine Installations-Images darauf bisher nicht angepasst.Das Problem ist seit dem Frühjahr bekannt und betrifft auch ältere Mint-Versionen. Laut Lefebvre unterstützt Mint derzeit kein Secure Boot; er empfiehlt, den Schutz abzuschalten. Unseren Tests nach reicht es aber, Secure Boot lediglich für die Zeit der Installation zu deaktivieren und nach dem ersten System-Update wieder einzuschalten. Das Problem verdeutlicht noch einmal, wie stark Linux Mint von Ubuntu abhängig ist, da mehr als 90 Prozent der Software direkt und unverändert von den Ubuntu-Servern bei den Mint-Nutzern auf der Platte landet.

Trotz Baustellen ist Linux Mint 21.2 eine solide Distribution für Traditionalisten, die sich ein einfach zu bedienendes Desktop-System wünschen. (ktn@ct.de)

Weitere Informationen: ct.de/yt4s

Linux Mint 21.2
Linux-Distribution
Hersteller, URL Linux-Mint-Projekt, linuxmint.com
Systemanf. 64-Bit-x86-Prozessor, mind. 2 GByte RAM und 20 GByte Datenträgerplatz (4 GByte RAM / 100 GByte Datenträger empfohlen)
Supportzeitraum bis 2027
Preis kostenlos (Open Source)

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