c't 4/2023
S. 50
Aktuell
iPhone

Eiliger Beutelschneider

Preiserhöhung für den Akkuwechsel von iPhones

Apple hebt die Preise für den Akkuwechsel seiner Smartphones deutlich an. Die Höhe, die versteckte Art der Ankündigung und der Zeitpunkt der Preiserhöhung irritieren.

Von Dušan Živadinović

Für die meisten iPhone-Nutzer dürfte der Akkuwechsel ein Reizthema sein, für Apple anscheinend auch: Der Konzern hat Anfang Januar eine saftige Preiserhöhung angekündigt, aber nur verschämt als Randnotiz auf einer Serviceseite, versteckt zwischen Beschreibungen des Reparaturvorgangs (siehe ct.de/yxet).

Ab März verlangt die Firma 24 Euro mehr für den Akkuwechsel bei iPhones bis einschließlich Modell 13. So erhöhen sich die Servicekosten für Geräte ohne Home-Button – iPhone X, XR, XS, 11, 12 und 13 – von 75 Euro auf 99 Euro. Bei Modellen mit Home-Button, etwa iPhone SE, 6s oder 7 sind ab März bei Apple und Vertragswerkstätten nicht wie zuvor 55 Euro zu zahlen, sondern 79 Euro. Für die Geräte der aktuellen 14er-Reihe bleibt es bei 119 Euro.

Wie die allermeisten anderen Smartphones bezieht auch das iPhone seinen Strom aus einem Lithium-Ionen-Akku (im Bild rechts unten). Apple verlangt ab März je nach Modell bis zu 120 Euro für den Austausch dieses Verschleißteils.
Wie die allermeisten anderen Smartphones bezieht auch das iPhone seinen Strom aus einem Lithium-Ionen-Akku (im Bild rechts unten). Apple verlangt ab März je nach Modell bis zu 120 Euro für den Austausch dieses Verschleißteils.

Unterm Strich muss man bei Apple für den Akkutausch ab März also 80 bis 120 Euro veranschlagen; für den Postweg berechnet Apple zusätzlich 12 Euro. Aber für rund 120 Euro bekommt man aktuell schon ein brauchbares neues Android-Smartphone mitsamt neuem Akku ähnlicher Kapazität, darunter etwa das Samsung Galaxy A04 mit 32 GByte Speicher oder ein Motorola E40 mit 64 GByte Speicher. Ein technischer Grund für den teuren Akkuersatz ist nicht ersichtlich; Android- und Apple-Smartphones setzen auf dieselbe Li-Ion-Technologie.

Auch wirkt der Zeitpunkt der Preiserhöhung ungeschickt bis befremdlich, denn erst Mitte Dezember legte die EU fest, dass Akkus für Elektroautos, Laptops, Smartphones und andere Geräte künftig leicht und „durch Endnutzer“ wechselbar sein müssen (ct.de/yxet). Auch dürfen zur Demontage keine „speziellen Werkzeuge, Wärmeenergie oder Lösungsmittel verwendet werden“. Da die Verordnung eine Übergangsfrist von dreieinhalb Jahren gewährt, erscheint Apples Preiserhöhung wie der Versuch, bis zum Ende der Duldung noch möglichst viel aus diesem Ersatzteilgeschäft herauszuschlagen.

Das exkommunizierte iPhone

Alternativen gibt es zwar, aber sie haben Tücken: Bei freien Werkstätten ist zu beachten, dass Apple ein iPhone von jeglicher weiterer Reparatur exkommuniziert, wenn der neue Akku nicht aus Apples Lieferkette, sondern vom freien Markt stammt. Für iPhones der Reihen 12 und 13 bietet Apple passende Ersatzteilsets ab 50 Euro, aber die Reparatur auf eigene Faust erfordert Feingefühl und ist auch wegen unerwarteter Hürden wie elektronischer und telefonischer Autorisierung sehr aufwendig. Mehr dazu finden Sie in der kommenden Mac-&-i-Ausgabe 1/23.

Noch weniger dürfte für viele Nutzer ein Wechsel auf ein anderes Smartphonebetriebssystem infrage kommen, weil sich der Vorgang je nach Umfang der gespeicherten Daten Tage hinziehen kann und viel Erfahrung erfordert, beispielsweise für den Umzug von eSIMs, Banking-Apps und Apple-Pay-Kreditkarten.

Apples iPhones können ihren Akku zwar schonend aufladen, aber anders als bei manchen Android-Geräten und Elektroautos lässt sich keine feste Obergrenze zu Verlängerung der Lebensdauer einstellen.
Apples iPhones können ihren Akku zwar schonend aufladen, aber anders als bei manchen Android-Geräten und Elektroautos lässt sich keine feste Obergrenze zu Verlängerung der Lebensdauer einstellen.

So könnten sich am Ende viele Nutzer gezwungen sehen, ihren verschlissenen iPhone-Akku von Apple oder einer Vertragswerkstatt tauschen zu lassen, obwohl es Alternativen gibt.

Lebensdauer verlängern

Zur Unzufriedenheit trägt Apple auch mit seinem halbherzigen Akkumanagement bei. Wer die Lebensdauer verlängern möchte, kann bestenfalls eine pseudo-intelligente Aufladung mit abgeflachter Ladekurve verwenden. Dann wird der Akku nachts langsam bis 80 Prozent und in den Morgenstunden schnell noch auf 100 Prozent geladen, bevor es der Nutzer üblicherweise wieder in die Hand nimmt. Diese Zwei-Schritt-Methode soll den Akku schonen. Die Rechnung geht aber nur dann auf, wenn man jeden Tag konstant um die gleiche Zeit beginnt.

Elektroautos und viele Notebooks, die wie Smartphones Li-Ionen-Akkus nutzen, kann man hingegen seit Jahren auf eine Obergrenze festnageln. Das schont den Akku nachhaltiger, weil es die Aufladung oberhalb von zum Beispiel 80 Prozent grundsätzlich verhindert. Manche Android-Smartphones können das inzwischen auch, darunter das Samsung Galaxy A51 und A52.

iPhone-User, die dieselbe Funktion wollen, sind auf zusätzliche Hardware angewiesen. Das Start-up Chargie hat einen Stecker entwickelt, den man per USB zwischen Netzteil und Smartphone einkoppelt (35 Euro). Eine gleichnamige Smartphone-App überwacht den Ladevorgang und steuert den USB-Stecker. Wer will, kann so automatisch unterbinden, dass der Akku jemals über 80 Prozent geladen wird. (dz@ct.de)

Akku-Infos: ct.de/yxet

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