Urlaub im Hotel der Unendlichkeit
David Hilbert (1862-1943) gehört zu den bedeutendsten Mathematikern der Neuzeit. Unter anderem gab er den Anstoß für eine kritische Analyse der Begriffsdefinitionen und Beweise in der Mathematik, manifestiert in 23 Fragen. In seinem berühmten Gedankenexperiment „Hilberts Hotel“ erdachte der Göttinger Professor ein Hotel mit unendlich vielen Zimmern und unendlich vielen Gästen. Damit demonstrierte Hilbert, welche Konsequenzen es nach sich zieht, dass man in der Mathematik den Unendlichkeitsbegriff eingeführt hat.
Davon inspiriert ist das im Browser kostenlos spielbare Point-&-Click-Adventure Hilbert’s Holidays. Der Spieler wandert darin im Hotel von Zimmertür zu Zimmertür und lernt Mathematiker wie Evariste Galois oder Kurt Gödel und deren Problemstellungen kennen. Das Spielprinzip erschließt sich schnell, fatale Fehler kann man außerdem nicht machen. Im Vordergrund steht vielmehr das spielerische Lernen, zum Beispiel, warum unendlich viele Leute bei Hilbert ein Zimmer bekommen können, obwohl alle belegt sind. Vorausgesetzt, Hilberts Computer streikt nicht und will erst mit der 23 gefüttert werden.
Hinter dem datenschutzfreundlichen Spiel mit seinen liebevollen Illustrationen und Animationen steckt die Künstlerin und Informatikerin Marlene Knoche. Unterstützt wurde sie vom MIP.Labor, einer von der Klaus-Tschira-Stiftung geförderten Ideenwerkstatt für Wissenschaftsjournalismus in Mathematik, Informatik und Physik an der FU Berlin. (mon@ct.de)
Angespielte Physik
Auch andere Naturwissenschaften wie Physik lassen sich spielerisch vermitteln. Dieser Aufgabe widmet sich das Team von Science at Home um Professor Jacob Sherson an der Universität Aarhus, Dänemark. Auf ihrer englischsprachigen Website bietet ein großes internationales Team aus Natur- und Datenwissenschaftlern, Spieleentwicklern und -designern sowie Grafikern verschiedene Spiele für den Browser an, die physikalische Zusammenhänge verdeutlichen.
In Potential Penguin lernt man zum Beispiel anhand von neun verschiedenen Aufgaben die Wechselwirkung von potenzieller (Lage-)Energie (m·g·h) und kinetischer Energie (1/2 m·v2) sowie den Energieerhaltungssatz kennen. Dazu lässt man einen kugelrunden Pinguin über eine Eisbahn schlittern. Der muss am richtigen Ort die richtige Geschwindigkeit erreichen. Das Tempo des Vogels beeinflusst man, indem man die Bahn an einem vorgegebenen Punkt auf das erforderliche Niveau anhebt oder absenkt oder den Pinguin antreibt. Kleine Vektorpfeile und variable Schriftgrößen von m·g·h und 1/2 m·v2 helfen dabei, die Energiezustände richtig auszutarieren. Rutscht das Federtier über die Kante, wird es Orcafutter.
Mit anderen Spielen wie „Quantum Moves 2“ wollen Sherson & Co. sogar mehr tun, als Wissen zu vermitteln. Dort werten sie zusätzlich die Spielverläufe aus, um Daten zu gewinnen. Die fließen beispielsweise in die Entwicklung von Quantencomputern oder liefern Antworten darauf, weshalb und wie menschliches Lernen Quantenalgorithmen überlegen ist. (mon@ct.de)
Küchenfreundlich zubereitete Rezepte
Viele Rezeptwebsites oder -Blogs sind durch Werbung und Aufbau so unübersichtlich, dass sich Rezepte kaum küchenfreundlich auf einem Tablet- oder gar Smartphonebildschirm darstellen lassen. Abhilfe und noch viel mehr verspricht das englischsprachige Cooked.
Das von dem portugiesischen Entwickler Eduardo Gonçalves erstellte Webtool für den Browser fasst ohne vorherige Registrierung Rezepte von anderen Webseiten und Webvideos werbefrei und kompakt zusammen, sobald man deren URL in das Suchfeld eingibt oder ihr in der Adresszeile des Browsers ein „cooked.wiki/“ voranstellt. Deutsche Rezepte wirft Cooked auf Deutsch aus, nur hier und da mogelt sich ein englischer Begriff aus den Templates der Website dazwischen. Außerdem kann man Rezepte anderer Nutzer in der Community einsehen oder nach Rezepten mit bestimmten Zutaten wie Käse suchen. Auch Kategorien wie Nudeln sind möglich.
Wer sich kostenlos registriert, darf zudem Videos in schriftliche Rezepte konvertieren, Rezepte plattformunabhängig speichern und in die Community laden oder Einkaufslisten erstellen. Mit einer Fördermitgliedschaft für 90 US-Dollar im Jahr oder monatlich 10 US-Dollar lassen sich Rezepte auch aus Text- und Fotodateien oder Spracheingabe importieren und auf Wunsch in mehrere separate Anleitungen zum Beispiel für Teig und Füllung zerlegen. (mon@ct.de)