MIT Technology Review 11/2016
S. 28
Horizonte
Tiefsee

Unter dem Horizont

Unter dem ewigen Eis der Pole und in der Tiefsee liegen die letzten weißen Flecken der Erde. Nun sollen autonome Roboter und autarke Meereslabore die Geheimnisse lüften.

Welcher ist der größte einzelne Vulkan der Erde? Mauna Loa, Hawaii, würden Kenner antworten: Über 5000 Quadratkilometer erstrecken sich seine Hänge; inklusive des Teils unter Wasser ragt er vom Fuß bis zum Gipfel 17 Kilometer hoch. Doch seit Kurzem ist klar: Diese Antwort ist falsch. Der größte Einzelvulkan liegt im nordwestlichen Pazifik, 1600 Kilometer östlich von Japan. Das sogenannte Tamu-Massiv ist zwar nur 4,4 Kilometer hoch, seine Hänge erstrecken sich jedoch über 300000 Quadratkilometer. Entdeckt wurde Tamu erst 2013, als Geophysiker seismische Daten des US-Forschungsschiffs „Marcus G. Langseth“ analysierten. Zuvor hatte niemand eine Ahnung von diesem Giganten. Denn selbst sein Gipfel liegt noch fast zwei Kilometer unter der Meeresoberfläche.

Einsatz in der Arktis: Das „Nereid Under Ice Vehicle“ (NUI) soll die Stärke des arktischen Eises messen. Foto: Chris German/ Woods Hole Oceanographic Institution

Tamu ist ein erloschener Tiefseevulkan. Und nur eine der vielen unglaublichen Entdeckungen, die Forscher in den vergangenen Jahren am Grund der Weltmeere gemacht haben. „Bis heute sind weniger als zehn Prozent der Unterwasserlandschaften erkundet“, sagt Jan Erik Arndt, Geophysiker am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. Das so gern zitierte Statement, wir wüssten mehr über die Rückseite des Mondes als über den Boden unserer Meere, ist wahr, beteuern auch andere Forscher. „Doch mit modernen Methoden können wir diese weißen Flecken nun erschließen“, verspricht Laurenz Thomsen, Direktor des Ocean Lab an der Jacobs University in Bremen. „Da unten tun sich völlig neue Welten auf.“ Ähnlich wie man mit robotischen Missionen ferne Planeten und Monde erkundet, soll nun die Tiefsee erschlossen werden.

Fuhrpark für die Tiefe

Rover, Torpedos und autonome Stationen erkunden den Grund der Weltmeere. Die Tauchroboter bringen Licht in eine unbekannte Welt.

Fotos: Argo, AWI/D. Wagner, GEOMAR, Marum, Monterey Bay Aquarium Research Institute, Casey Machado/Woods Hole Oceanographic Institution

Suche nach dem Riesenkraken

Antje Boetius ist Professorin für Geomikrobiologie an der Universität Bremen und leitet die Brückengruppe „Tiefseeökologie und -Technologie“ zwischen dem Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven und dem Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen. Foto: Achim Multhaupt/ Laif

TR: Sie haben schon viele Tauchfahrten mit U-Booten in die Tiefsee gemacht. Was erlebt man dort unten?

Antje Boetius: Ich finde immer wieder die Begegnungen mit Tieren das Spannendste. Wenn sich ein Tintenfisch genau aufs Bullauge setzt und einen anzuschauen scheint. Oder wenn wir in einen Krebsschwarm geraten und man vor lauter Krebsen nichts mehr sieht. Es ist fantastisch, was die Roboter in Hunderten oder gar Tausenden Metern Tiefe im Licht ihrer Lampen filmen. Dort gibt es wirklich skurrile Wesen und Ökosysteme.

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