MIT Technology Review 6/2016
S. 80
Fokus
Gentechnik

Der Tabubruch

Das Erbgut menschlicher Embryonen galt bis vor Kurzem für Gentechniker des Westens als unantastbar. Doch jetzt lassen Versuche in China die Mauer der Abwehr bröckeln.

In China sehen viele Wissenschaftler kein ethisches Problem darin, das Erbgut menschlicher Embryonen zu manipulieren. Foto: Photri Inc./Okapia

Im Frühjahr 2015 sorgte ein Artikel in „Protein & Cell“, einem Fachmagazin für biologische Forschung, für erhebliches Aufsehen. Dabei hielt sich die wissenschaftliche Signifikanz des Papiers mit dem sperrigen Titel „CRISPR/Cas9-mediated gene editing in human tripronuclear zygotes“ in Grenzen. Das Thema jedoch war brisant: Erstmals stellten 16 chinesische Mitarbeiter der Sun-Yat-Sen-Universität im kantonesischen Guangzhou den Einsatz der Genschere CRISPR/Cas9 an menschlichen Embryonen öffentlich vor. Im Fokus stand ein Gen, das als verantwortlich gilt für die vererbbare Blutkrankheit beta-Thalassämie. Die Erkrankten produzieren weniger Hämoglobin und werden dann nur unzureichend mit Sauerstoff versorgt. Die Chinesen wollten das Gen aus dem Erbgut verbannen, um die Krankheit zu besiegen, bevor sie sich manifestieren kann.

Zwei renommierte Fachmagazine – „Nature“ und „Science“ – hatten aus ethischen Gründen eine Veröffentlichung abgelehnt. Denn das Projekt brach mit einem Tabu, das vor allem in westlichen Industrienationen die Wissenschaft bestimmt: die Frage, ob der Mensch in das Erbgut von menschlichen Embryonen eingreifen darf. Denn solche Eingriffe sind nicht nur unumkehrbar für denjenigen, der sich aus dem manipulierten Embryo entwickelt, sondern auch für dessen Nachfahren. Der Mensch greift damit elementar in die Evolution ein.

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