MIT Technology Review 2/2017
S. 72
Fokus
Sicherheit
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Foto: Shutterstock

Dich scanne ich

Vorhersagesoftware für Verbrechen, erweitere DNA-Analyse und Vorratsdatenspeicherung – Polizei und Justiz erheben mit neuen digitalen Ermittlungstechniken immer mehr Informationen zur Aufklärung von Verbrechen. Opfern wir den persönlichen Datenschutz zugunsten der öffentlichen Sicherheit?

Es ist eine tückische Droge mit einem sperrigen Namen: Bei Gamma-Butyro-1,4-Lacton, besser bekannt als GBL, liegen zwischen glückseliger Enthemmung und Bewusstlosigkeit mit Atemstillstand nur wenige Tropfen aus der Pipette. Gleich ein Schnapsglas voll davon hatte sich die Ex-Freundin an jenem Abend nach ihrem heftigen Streit ins Bier geschüttet. Der junge Mann wusste sofort, dass es viel zu viel war. Er ließ sie erbrechen, schleppte sie in ein Zimmer und schloss die Tür. Am nächsten Morgen war sie tot. Er selbst, sagte der Mann aus, sei apathisch gewesen und habe nicht eingreifen können. Ein Unfall? Die Ermittler hatten Zweifel: Der Mann war in der Drogenszene bekannt und wusste, dass eine Überdosis GBL schnell tödlich endet. Dazu der Streit? Sie ließen seinen Laptop analysieren. Die Rekonstruktion des Browserverlaufs und seiner Suchanfragen überführten den Mann: „Krämpfe“, „Atemaussetzer“, „starre Pupillen“ – über Stunden googelte er die Stadien ihres Todeskampfes. Den Notarzt rief er nicht. Das Urteil: Totschlag durch Unterlassen, sieben Jahre Gefängnis.

Dass digitale Spuren oft entscheidende Hinweise liefern, zeigt sich nicht nur an diesem Fall. Die Bedeutung von Spuren aus Handy und Computer als Beweismittel in Strafverfahren habe analog zu ihrer gesellschaftlichen Verbreitung drastisch zugenommen, sagt Carola Jeschke, Pressesprecherin des Landeskriminalamts (LKA) Schleswig-Holstein: „Es ist aktuell kaum eine Ermittlung denkbar, in der nicht auch digitale Spuren gesichert, untersucht und bewertet werden müssen.“ Die Ermittler im LKA gehen davon aus, dass sich dieser Trend künftig noch weiter verstärken wird. „Mit dem ‚Internet der Dinge‘ entstehen immer neue Träger von digitalen Spuren“, sagt Jeschke. So könnten zunehmend auch die Smart-Home-Technologie oder die Autoelektronik „kostbare Ermittlungsansätze“ liefern.

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