Was macht eigentlich ein Ingenieur der Elektromobilität?
Abwägen und Kompromisse finden – zwischen Leistung und Reichweite oder Gewicht und Kosten. Das sind die Aufgaben eines Elektromobilität-Ingenieurs.
Der neue Elektrosportwagen Mission E von Porsche hat eine Leistung von 440 Kilowatt und beschleunigt in 3,5 Sekunden von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde. Das Auto soll in etwa drei Jahren auf den Markt kommen. Marcus Zacher, 29, ist zuständig für die Hochvoltbatterie, das größte, schwerste und teuerste Teil des Autos.
Zacher hat zuerst an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mechatronik studiert und zwischen 2013 und 2016 den viersemestrigen Masterstudiengang Elektromobilität draufgesetzt. Das Studium fand berufsbegleitend bei der Hochschulföderation Südwest statt. Durch den Zusammenschluss der Hochschulen entsteht ein großer Fundus an Spezialisten unter den Professoren und ein breites inhaltliches Angebot an Vorlesungen. „Unser Angebot richtet sich an Ingenieure, die sich in der Elektromobilität weiterqualifizieren möchten“, sagt Studiendekan Gerd Wittler. Die Studierenden lernen neue Werkstoffe einzusetzen, den Antriebsstrang zu optimieren oder die Effizienz der Leistungselektronik zu erhöhen.
Seit Oktober 2016 arbeitet Zacher bei Porsche und ist Projektmanager für die Batterie des Mission E. „Mein Job erfordert viel Abstimmungsarbeit zwischen den Bereichen, und oft geht es darum, einen Zielkonflikt so zu lösen, dass alle Beteiligten zufrieden sind.“ Beispiel Leistung und Reichweite: Starke Beschleunigung mindert die Reichweite. Ein Porsche aber muss sprinten können und möglichst weit kommen.
Auch bei Gewicht und Kosten ringen sämtliche Projektbeteiligten um die beste Lösung. Die Batterie ist das teuerste Bauteil am Elektroauto – und das schwerste. „Gewichtsersparnis hat zwar ihren Preis, aber für die Dynamik eines Fahrzeugs sollte die Batterie möglichst leicht sein“, sagt Zacher. Bei einem Gewicht von über 700 Kilogramm machen sich 50 Kilo Gewichtsersparnis bei Beschleunigung und Energieverbrauch schon deutlich bemerkbar. Aber eine Batterie in Leichtbauweise ist teurer.
Bei der Hochschulföderation Südwest kostet der Master Elektromobilität 18000 Euro. Mit 20 Studenten ist der aktuelle Jahrgang schon ausgebucht. „Die Jobaussichten unserer Absolventen sind hervorragend“, sagt Wittler. Der Elektromobilität gehöre die Zukunft. Peter Ilg