MIT Technology Review 12/2020
S. 85
Fokus
Energie
Mit Tokamak-Reaktoren wie diesem wollen Forscher schon in wenigen Jahren das gewaltige Energiepotenzial der Fusion nutzen. Foto: Bob Mumgaard/Plasma Science and Fusion Center

Der Joker im Energiepoker

Fusionsenergie galt lange Zeit als reine Zukunftsvision. Nun kommt sie vielleicht schneller als gedacht.

Von Wolfgang Stieler

Bei der Kernfusion wird so viel Energie frei, dass sich alle anderen Energiequellen dagegen mickrig ausnehmen: Ein Kilogramm Wasserstoff verschmolzen zu Helium liefert so viel Energie wie 11000 Tonnen Steinkohle. Aber um Wasserstoffatome zu Helium zu verschmelzen, muss man die elektrische Abstoßung zwischen den Atomkernen überwinden. Das aber gelingt nur bei extrem gro-ßer Hitze und Druck – technisch eine riesige Heraus­forderung, die bisher nur ein einziges Mal gelungen ist: 1997 zündeten Forscher am Joint European Torus (Jet) für zwei Sekunden eine Fusionsreak­tion mit den Wasserstoff-Isotopen Deuterium und Tritium.

2021 wollen die Forscher das Kunststück wiederholen – mit mehr Energie und über längere Zeit. Doch obwohl die Kern­fusion im Vergleich zur Kernspaltung als sichere und saubere Alternative gilt, ist der Versuch nicht ohne Risiken und Nebenwirkungen: Zum einen muss dabei die sichere Handhabung von Tritium geübt werden. Der radioaktive Wasserstoff mit einem Proton und zwei Neutronen im Kern ist nicht nur extrem selten und teuer. Das Gas kann auch in Atombomben die Wirkung verstärken. Zum anderen wird die Wand des Reaktors durch das Neutronen-Bombardement während der Fusion ­radioaktiv. Das Experiment ist zwar nötig, um zu testen, ob die Reaktorwand den enormen Belastungen einer Fusion wirklich standhält. Man muss die Wände danach aber austauschen und kann den Reaktor für weitere Versuche nicht mehr verwenden.

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