MIT Technology Review 9/2020
S. 82
Fokus
Fälschung
Das linke Bild ist ein Fake, das Gesicht wurde von einem Algorithmus generiert. Die Frau auf dem rechten Bild existiert wirklich. Links: Avatarify; Rechts: Shutterstock

Täuschen für den guten Zweck

Die deutsche Polizei möchte gefälschte Bilder im Kampf gegen Kinderpornografie einsetzen, ein indischer Politiker nutzt die sogenannten Deepfakes zur Wahlwerbung. Ab wann wird die Technologie unethisch?

Von Thomas Brandstetter

Wenn sich ein Politiker in sozialen Medien per Videobotschaft an potenzielle Wähler wendet, ist das nicht ungewöhnlich. Tut er das jedoch in einer Sprache, die er eigentlich gar nicht spricht, hat er womöglich die ­Büchse der Pandora geöffnet. So geschehen am 7. Februar dieses Jahres, als die Bharatiya-Janata-Partei in Indien vor einer wichtigen Wahl ein manipuliertes Video ihres führenden Parteimitglieds Manoj Tiwari verbreitete. Über WhatsApp warb er bei Millionen von Menschen in ihrem eigenen Hindi-Dialekt um ihre Stimme. Hat hier ein Politiker lediglich mithilfe neuer Technologien einen besseren Draht zu den Menschen gesucht? Oder handelt es sich bereits um eine mutwillige Täuschung?

Für Alexander Filipovic, Professor für Medienethik an der Hochschule für Philosophie in München, ist die Antwort klar: „Wenn das nicht transparent gemacht wird, ist das eindeutig Betrug und moralisch verwerflich.“ Schließlich nehme man so in Kauf, dass die Leute denken könnten, man spreche mehr Sprachen, als man tatsächlich beherrscht.

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