MIT Technology Review 2/2021
S. 32
Horizonte
Interview
Erin Staples verfolgt an den amerikanischen Centers of Disease Control, wie sich das Heartland-Virus verbreitet.Foto: Rebecca Stumpf

Rasterfahndung nach Viren

Von vielen Krankheiten, die vom Tier zum Mensch übertragen werden, wissen wir wahrscheinlich noch gar nichts. Erin Staples Job ist es, sie zu finden.

Von Mallory Pickett

Neue Krankheiten finden den Weg häufig über Tiere zu uns Menschen. Influenza – die echte Grippe – Milzbrand, Tuberkulose, Borreliose und Malaria sind nur einige der bekanntesten sogenannten Zoonosen. Und auch SARS-CoV-2 gehört zu dieser Gruppe. Viele von ihnen werden durch einen Zwischenwirt übertragen: Zecken oder Mücken. Zwischen 1900 und 2009 wurden nur 14 durch Zecken übertragene neue Krankheitserreger entdeckt. 2009 meldeten sich dann in Missouri innerhalb weniger Tage zwei Farmer mit Fieber, Übelkeit, Durchfall und einer rapide abnehmenden Anzahl weißer Blutkörperchen beim Heartland-Krankenhaus. In ihren Blutproben fanden die Ärzte ein unbekanntes Virus, das eine Zecke übertragen hatte. Und nur fünf Jahre später entdeckte ein Labortechniker, der Proben für einen mutmaßlichen „Heartland“-Fall untersuchte, ein weiteres neuartiges Virus: „Bourbon“.

Solange sie den Zwischenwirt brauchen, um Menschen zu infizieren, ist die Gefahr einer Pandemie überschaubar. Gelingt es den Erregern jedoch, sich – wie jetzt das Corona-­Virus – direkt von Mensch zu Mensch zu verbreiten, steigt die Gefahr. Die Epidemiologin Erin J. Staples erforscht, was gegen Erreger, die noch einen Zwischenwirt brauchen, unternommen werden kann, damit sie nicht außer Kontrolle geraten. Sie ist bei den amerikanischen Centers of Disease Control (CDC) unter anderem für die Nachverfolgung des Heartland-Virus verantwortlich.

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