Mehr Wildnis wagen
Rewilding ist ein Konzept, das mit dem traditionellen Naturschutz bricht. Es geht darum, die Wildheit der Natur zurück in die Fläche zu bringen. Am Oder-Delta an der deutsch-polnischen Grenze liegt das einzige deutsche Rewilding-Gebiet. Das Motto dort: Die Natur einfach mal machen lassen.
„Ich glaube, wir müssen hier durch“, übernimmt Peter Torkler die Führung der kleinen Gruppe in das Unterholz auf dem Truppenübungsplatz Jägerbrück. Sie sind zu viert – zwei Mitarbeiter der zuständigen Wasserschutzbehörde, ein Planer mit GPS-Vermessungsgerät in der Hand und Peter Torkler – einer der zwei Geschäftsführer von Rewilding Oder Delta (ROD). Einer der Männer prüft mit grimmigem Gesicht die langen Grashalme im Unterholz des Waldes und schimpft auf die Zecken. Torkler schimpft nicht, er steckt sich die Hosenbeine in die Socken.
Die Autos parken am Rand des holperigen Waldweges. Unmittelbar daneben geht es ein, zwei Meter tief runter in ein trübes, unscheinbares Wasserloch, das ins Unterholz ausläuft. Dieses Wasser ist der Grund für die Waldbegehung. Es ist der Überrest eines Baches, der sich früher durch den Wald geschlängelt hat. Vor vielen Jahren – niemand weiß mehr, wann und weshalb – ist er auf 600 Metern Länge in Betonrohre im Untergrund eingesperrt worden.