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Was ist VPN eigentlich?

Theresa Möckel

Wir erklĂ€ren Ihnen, was sich hinter der AbkĂŒrzung VPN verbirgt und wo es zum Einsatz kommt.

Immer wieder taucht der Begriff VPN auf - doch was ist das eigentlich und wofĂŒr kann es verwendet werden? Wir erklĂ€ren Ihnen, welche Möglichkeiten es gibt und welche Vor- und Nachteile die Technik bietet.

Das Stichwort „VPN“ taucht inzwischen regelmĂ€ĂŸig im Netz auf. Entweder wenn es darum geht, anonym im Internet zu surfen, oder um eine sichere Verbindung zwischen Computern und Netzwerken herzustellen. VPN bedeutet „Virtual Private Network“, also virtuelles privates Netz, und genau das ist es auch: Eine verschlĂŒsselte Netzwerkverbindung in Form sogenannter Tunnels, die eine sichere Verbindung zwischen Computern ĂŒber das Internet ermöglicht. Allerdings ist VPN nicht gleich VPN: Obwohl es sich immer um die gleiche zugrundeliegende Technik handelt, wird in aller Regel zwischen den Anwendungsbereichen „Virtuelles Netzwerk“ und „Anonymisierung“ unterschieden.

UrsprĂŒnglich wurde VPN entwickelt, um Computer sicher ĂŒber das Internet zu vernetzen. Wer in einem grĂ¶ĂŸeren Unternehmen arbeitet, dĂŒrfte das Prinzip kennen: Der Computer, das Smartphone oder das Tablet kann vom Home-Office oder von unterwegs eine Verbindung per VPN herstellen und sich auf diese Weise mit dem Netzwerk des Arbeitgebers verbinden. Anschließend ist der Zugriff auf Netzwerk-Daten innerhalb des Unternehmens-Netzwerks oder die Nutzung von Diensten wie Outlook möglich, als wĂ€re man vor Ort an seinem Arbeitsplatz. Um das zu realisieren, muss auf den Servern des Unternehmens ein VPN-Serveranwendung laufen, gleichzeitig benötigen Anwender Zugangsdaten und gegebenenfalls eine VPN-Client-Software. macOS kann das auch „ohne“. Der Rechner nimmt Verbindung mit dem Server auf, die Verbindung zwischen den Rechnern lĂ€uft zwar ĂŒber das Internet, ist jedoch so gut verschlĂŒsselt, dass eventuelle Angreifer nichts damit zu tun haben. Wer ĂŒber die VPN-Verbindung surft, ist nach außen sichtbar, als wĂŒrde er im Unternehmen im Internet surfen - erhĂ€lt also die IP-Adresse des Unternehmens und ist als Einzelner damit nicht mehr auf den ersten Blick erkennbar.

Genau dieses Prinzip machen sich sogenannte VPN-Dienste wie NordVPN [10] oder CyberGhost [11] zunutze: Sie bieten gegen einen kleinen monatlichen Obulus im Grunde das gleiche an, was Anwender von der VPN-Verbindung mit ihrem Unternehmen kennen. Mit dem Unterschied, dass die Anbieter weltweit zahlreiche Server verteilen und deren Verwendung nach Wunsch des Nutzers ermöglichen. Der erhĂ€lt daraufhin die IP-Adresse des Ausgangspunkts des VPN-Anbieters und surft mit dessen IP-Adresse. Auf diese Weise kann die Surf-AktivitĂ€t nur bis zum VPN-Dienst zurĂŒckverfolgt werden. Zudem arbeiten die meisten VPN-Anbieter in aller Regel mit einer sogenannten Zero-Knowledge-Strategie: Intern sorgen weitere Weiterleitungen dafĂŒr, dass auch der Anbieter selbst nicht mehr zurĂŒckverfolgen kann, welcher User welche Internetseiten angesurft hat. Die Verbindung selbst ist ebenfalls verschlĂŒsselt. Dadurch ist der einzelne Nutzer eines VPN-Dienstes zunĂ€chst einmal nicht mehr erkennbar. Sind Sie ĂŒber eine VPN-Verbindung im Netz unterwegs, werden Ihre AktivitĂ€ten also verschleiert und sind nicht rĂŒckverfolgbar. So sind Sie vor Cyber-Attacken geschĂŒtzt. Da die VPN-Server im Ausland stationiert sind, können keine Informationen zum tatsĂ€chlichen Aufentaltsort des VPN-Nutzers abgerufen werden. Die Nutzung von VPN-Dienstleistern ist in Deutschland grundsĂ€tzlich legal. In anderen LĂ€ndern sind die Regelungen diesbezĂŒglich aber deutlich strenger: in China und im Iran ist eine besondere Lizenz zur Nutzung eines VPN erforderlich, in Russland, der TĂŒrkei und in Weißrussland sind VPN sogar gĂ€nzlich verboten.

Allerdings anonymisieren VPN-Dienste nur die IP-Adresse des Anwenders. Wenn andere Technologien verwendet werden, etwa soziale Netzwerke wie Facebook oder Google, die permanent angemeldet sind, ist die Anonymisierung nur teilweise möglich. Zwar verrĂ€t der VPN-Nutzer nichts ĂŒber seinen Standort – er kann zum Beispiel von Deutschland aus einen US-Ausgangspunkt wĂ€hlen und wirkt fĂŒr Websites durch die IP-Adresse danach, als wĂ€re er in den USA im Internet. Doch Facebook und Co. können diese Verbindung wieder personalisieren, sofern der Browser angemeldet ist. Die Zahl der permanent angemeldeten Dienste im Browser wĂ€chst tĂ€glich, wirklich problematisch sind aber solche Dienste, die Teilen-Knöpfe auf Websites haben, also etwa Facebook, Twitter oder Pinterest. Hier hilft nur konsequentes Abmelden.

Auch browserseitig werden natĂŒrlich alle angesurften Seiten im Cache gespeichert. Von daher ist es sinnvoll, beim Surfen mit VPN-Diensten regelmĂ€ĂŸig den Cache seines Browsers zu leeren [14]. Zwar kann auf den zunĂ€chst einmal niemand, der nicht auch an den Rechner kann, zugreifen. Doch im Fall der FĂ€lle können hier Daten auflaufen, die Schwierigkeiten verursachen können. ZusĂ€tzlich sollte bei der Auswahl eines VPN-Dienstes darauf geschaut werden, ob dieser eine Zero-Knowledge-Strategie verfolgt und von wo aus das Unternehmen agiert. So sind Dienste mit Hauptquartier in den Vereinigten Staaten – Stichwort: NSA-Skandal – immer mit Vorsicht zu genießen. FĂŒr die AnonymitĂ€t der VPN-Dienste gelten also enge Grenzen. Wer einen VPN-Dienst verwendet, kann zwar Geo-Sperren, Zensurmaßnahmen umgehen und seine IP-Adresse verschleiern – vollstĂ€ndig anonym ist er jedoch nur, wenn er zusĂ€tzliche Maßnahmen ergreift.

Übrigens kann VPN auch anders herum sinnvoll sein. So ermitteln viele Dienstanbieter im Internet ĂŒber die IP-Adresse das Land, in dem sich der Nutzer befindet – und liefern andere Inhalte aus. Websites wie Youtube etwa können aufgrund der unterschiedlichen Urheberrechtsbestimmungen manche Inhalte in manchen LĂ€ndern nicht ausliefern. ZusĂ€tzlich blockieren viele Regierungen fĂŒr Nutzer im Inland bestimmte Inhalte. Vor allem Diktaturen nutzen die Internet-Zensur, um ihren BĂŒrgern Dienste, Websites und vor allem bestimmte Soziale Netzwerke vorzuenthalten. Wer als Tourist in einem solchen Land unterwegs ist, wird das schnell merken. Genau deshalb kann es sinnvoll sein, sich ein heimisches VPN mit Hilfe der FRITZ!Box einzurichten [16]. Das ist dann vergleichbar mit der Unternehmens-Lösung, ist also nicht anonym. Dieses VPN hat jedoch den Vorteil, dass es einerseits gratis ist und andererseits höchstwahrscheinlich nicht gesperrt wird, wie das bei VPN-Anbietern durchaus der Fall sein kann. Sie können dadurch mögliche Zensurmaßnahmen umgehen und im Ausland eigentlich gesperrte Internetseiten abrufen. Die besten VPN-Anbieter haben wir Ihnen hier zusammengestellt. [17]

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(them)


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Links in diesem Artikel:
[1] #was_bedeutet_VPN
[2] #VPN_ursprĂŒngliche Idee
[3] #VPN-Dienstleister fĂŒr anonymes Surfen
[4] #Grenzen der AnonymitĂ€t
[5] #Browser-Cache-bei-VPN
[6] #gratis-VPN-deutsche-IP
[7] 
[8] 
[9] 
[10] https://www.nordvpn.com
[11] https://www.cyberghostvpn.com/de_DE/
[12] 
[13] 
[14] https://www.heise.de/tipps-tricks/Firefox-Cache-loeschen-so-klappt-s-3835108.html
[15] 
[16] https://www.heise.de/tipps-tricks/VPN-auf-einer-FritzBox-einrichten-3978124.html
[17] https://www.heise.de/download/specials/Anonym-surfen-mit-VPN-Die-besten-VPN-Anbieter-im-Vergleich-3798036
[18] https://www.heise.de/tipps-tricks/Per-VPN-anonym-surfen-so-geht-s-3900830.html
[19] https://www.heise.de/tipps-tricks/Netflix-per-VPN-ueberall-streamen-4454887.html
[20] https://www.heise.de/tipps-tricks/Kodi-VPN-einrichten-4676566.html