Manipulierte Daten: Japanische Behörde stoppt AKW-Wiederinbetriebnahme

Wegen manipulierter Daten hat eine japanische Behörde die Wiederinbetriebnahme eines Atomkraftwerks gestoppt.

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Omaezaki,City,Shizuoka,Prefecture,Japan,-,April,12,2011,Hamaoka

AKW Hamaoka

(Bild: jcomes / Shutterstock.com)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

In Japan werden derzeit wieder Atomkraftwerke reaktiviert, die nach der Katastrophe von Fukushima stillgelegt wurden. Zwei Reaktorblöcke des Kraftwerks Hamaoka werden jedoch nach Fälschungsvorwürfen vorerst nicht in Betrieb genommen.

Die japanische Atomaufsichtsbehörde hat die Sicherheitsbewertung der Reaktoren 3 und 4 des Atomkraftwerks Hamaoka eingestellt. Die Behörde wirft dem Betreiber Chubu Electric Power Company vor, Daten zur Erdbebengefahr gefälscht zu haben, wie die US-Nachrichtenagentur AP berichtet.

Das Kraftwerk Hamaoka liegt an der Ostküste der Hauptinsel Honshu, etwa auf halber Strecke zwischen Tokio und Osaka. Vor dieser Küste verläuft der Nankai-Graben, der die Grenze zwischen zwei tektonischen Platten darstellt. Hier kommt es alle 100 bis 200 Jahre zu sehr schweren Erdbeben, die große Tsunamis auslösen. Das letzte dieser Nankai-Megathrust-Erdbeben fand Ende 1946 statt.

Nach der Fukushima-Katastrophe 2011 wurden viele Atomkraftwerke in Japan stillgelegt. Chubu Electric Power beantragte 2014 und 2015 Sicherheitsprüfungen, um die Reaktoren 3 und 4 in Hamaoka wieder in Betrieb zu nehmen. Dafür legte das Unternehmen der Aufsichtsbehörde Daten zu seismischen Risiken vor. Die Behörde erhielt im Februar 2025 von einem Whistleblower den Hinweis, dass Chubu über Jahre manipulierte Daten vorgelegt habe, die das Erdbebenrisiko herunterspielten.

Die Atomaufsichtsbehörde leitete daraufhin eine Untersuchung ein. Die Angelegenheit wurde aber jetzt erst bekannt, als das Verfahren für die Sicherheitsbewertung eingestellt wurde. Chubu hat zugegeben, dass die angewandten Methoden vom Standardverfahren zur Bewertung solcher Risiken abwichen, und das möglicherweise absichtlich.

Die Sicherheitsbewertung ist die Voraussetzung fĂĽr eine erneute Betriebsgenehmigung. Ob und wann das Verfahren wieder aufgenommen wird, ist unklar. Damit steht auch die Inbetriebnahme von Hamaoka 3 und 4 infrage.

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Nach Fukushima wurden gut 50 der japanischen Atomkraftwerke vom Netz genommen. Inzwischen setzt die Regierung jedoch wieder verstärkt auf Atomkraft. Grund sind unter anderem der Klimaschutz sowie die Auswirkungen des Ukrainekriegs auf den Energiesektor. In wenigen Tagen soll unter anderem Kashiwazaki-Kariwa, das größte Atomkraftwerk der Welt, wieder in Betrieb gehen. Es gehört dem Energieversorger Tepco, der auch Fukushima betrieben hat.

(wpl)