iOS: Apps können Mitteilungen geräuschlos ausliefern – ohne User-Kontrolle
Eigentlich sollten Nutzer die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden, ob sie über Notifications informiert werden. Doch das steuern App-Entwickler.
iOS-Benachrichtigungen: Gmail, Instagram und Facebook melden sich nur auf Wunsch leise – was letztlich positiv ist.
(Bild: PixieMe / Shutterstock)
Das Topangebot von Too Good to Go für leckere Donuts, die immer so schnell weg sind, oder die Information aus der Airthings-App, dass mit der Luft etwas nicht stimmt: Manche iOS-Mitteilungen (Notifications) scheinen wie verhext zu sein. Sie tauchen trotz der Tatsache, dass sie ganz normal in den Systemeinstellungen aktiviert sind, nur dann auf, wenn man das iPhone gerade aktiv bedient. Es gibt weder einen Auslieferungston noch, bei lautlosem Gerät, eine Vibration. In der Übersicht auf dem Sperrbildschirm sind sie zwar zu sehen – aber eben erst dann, wenn man aktiv nachschaut. Das hat zur Folge, dass selbst vom Nutzer als wichtig angesehene Mitteilungen untergehen. Des Rätsels Lösung: Apple ermöglicht es Entwicklern, Mitteilungen auch „heimlich“ auszuliefern, eine Funktion im Code, die diese aktiv wählen müssen. Der Nutzer hat darüber dann allerdings keinerlei Kontrolle mehr, was viele nicht wissen.
Eine Konstante sorgt für Nerv
Seit iOS 15 können Developer für Mitteilungen nämlich auswählen, welchen "Interruption Level" diese haben. Das Feature nennt sich UNNotificationInterruptionLevel, eine Konstante, die darlegt, wie wichtig eine Notification sein soll. Hier kann der Entwickler sie auf „Active“ stellen und damit ganz normal ausliefern – mit Aufleuchten des Bildschirms und Sound/Vibration. „Critical“ gibt die Mitteilung auch mit Ton aus, wenn das Gerät lautlos gestellt wurde. „TimeSensitive“ macht aus der Mitteilung eine "dringliche Mitteilung", die auch einen Fokus durchbrechen kann.
Videos by heise
Und dann gibt es noch „Passive“, also passiv. Und genau das ist die nervigste Variante für User, die informiert bleiben wollen: "Das System fügt die Benachrichtigung zur Benachrichtigungsliste hinzu, ohne den Bildschirm hell zu machen [falls das Gerät nicht verwendet wird] oder einen Ton abzuspielen." Das Problem betrifft auch die Apple Watch: Auch dort werden solche Mitteilungen lautlos ausgeliefert und landen nur in der Mitteilungsübersicht.
Entwickler nehmen Nutzern Einstellmöglichkeiten
Warum Developer für ihre Mitteilungen manchmal „Passive“ wählen, lässt sich schwer sagen. Eventuell denken diese, dass sie die Kunden nicht mit Mitteilungen überfrachten sollten. Manchmal ändert sich die Einstellung auch von App-Version zu App-Version – so geschehen bei erwähnter Airthings-App, die früher alle Warnungen sichtbar auslieferte. Dass damit dann möglicherweise wichtige Informationen schlicht verpasst werden, nehmen die Developer hin. User können wenig tun, sich nur bei den Entwicklern / App-Herstellern melden und diese bitten, doch wieder eine Änderung durchzuführen, damit Mitteilungen normal (UNNotificationInterruptionLevel auf „Active“) ausgeliefert werden.
Normal heißt dann, dass sich wie gewohnt über die Systemeinstellungen auswählen lässt, ob die Mitteilung einer App einen Benachrichtigungston und/oder eine Vibration hat – eine Sache von wenigen Sekunden. Entwickler, die fürchten, User mit zu vielen Mitteilungen zu überfrachten, können diesen erklären, wie sie hier gegebenenfalls vorgehen, statt ihnen die Entscheidung einfach abzunehmen. Und Apple sollte darüber nachdenken, ob sich die heimliche Auslieferung nicht über einen zentralen Knopf einfach abdrehen lassen könnte, wenn Nutzer dies wünschen. Hinzu kommt: Potenziell nervige Apps – von der Uber-Werbung bis zu Facebook – liefern ihre Mitteilungen natürlich niemals lautlos aus.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
Mit Ihrer Zustimmung wird hier ein externer Preisvergleich (heise Preisvergleich) geladen.
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen (heise Preisvergleich) übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
(bsc)