Ausprobiert: Basketball ganz nah mit der Vision Pro
Apple hat damit begonnen, in Zusammenarbeit mit den Los Angeles Lakers ganze Sportpartien immersiv auszustrahlen. Ist die Technik weit genug?
Erste Apple-Immersive-Video-NBA-Partie: Die Lakers trafen auf die Milwaukee Bucks.
(Bild: Apple)
Nach diversen Versuchen mit Kurzfilmen, Sportzusammenfassungen und anderen immersiven Events auf der Vision Pro hat Apple zusammen mit den Los Angeles Lakers, der US-Basketballliga NBA und der TV-Senderkette Spectrum damit begonnen, ganze Sportübertragungen auf das Headset zu holen. Ein erstes Spiel fand am 9. Januar 2026 statt. Live kann man die Partien in der EU allerdings nicht sehen, stattdessen gibt es – immerhin kostenlose – Gesamtpartien sowie Rückschauen, die einen Tag später verfügbar gemacht werden. Wie fühlt es sich an, in der „ersten Reihe“ zu sitzen, wie das Projekt beworben wird?
Komplexe Rechtesituation
Zunächst muss man erst einmal einige Hürden überwinden. Die Übertragung erfolgt nicht über Apples TV-App, wo man sie womöglich erwartet hätte, sondern über den für visionOS optimierten NBA-Client. Diesen lädt man sich gratis aus dem App Store herunter und muss dann zunächst eine NBA-ID anlegen. Auch diese kostet nichts. Dabei muss man darauf achten, die korrekte Region zu wählen – sowohl beim Apple-Account für den App Store als auch bei den Regioneinstellungen der NBA-ID. Denn verwirrenderweise sind die Rückschauen je nach Konfiguration nicht kostenlos.
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Hinzu kommt, dass die NBA die Ortsdaten verlangt, um die komplexe Rechtesituation, die sich von Region zu Region unterscheidet, managen zu können. Man muss der App diese Rechte also einräumen, um keine Probleme zu bekommen. Ist das alles geglückt – also Anlegen der NBA-ID samt Einloggen –, sollte die immersive Partie direkt auf der Startseite der App auftauchen. Falls nicht, wählt man den Menü-Bereich mit dem Vision-Pro-Logo, mit denen auch die immersive Partie und deren Zusammenfassung gekennzeichnet sind.
Zwischendurch in die Passthrough-Welt zurĂĽckgeworfen
Startet das Spiel, wechselt man quasi in eine eigene Welt. Nervig ist, dass das Hin- und Herwechseln zwischen Immersion und visionOS-Oberfläche jeweils mit einem kurzen Ausflug in den Passthrough-Modus verbunden ist, selbst wenn man die Brille auf ein Environment eingestellt hat. Das ist bei Immersives allerdings ein Standardproblem. Die Partie selbst wird nur von wenigen „Sitzplätzen“ verfolgt, die sich allesamt im Bereich des Courts befinden. So ist eine in der Mitte und zwei weitere hinter den Körben. Hinzu kommt noch eine Perspektive von den Rängen für die Darstellungen von Tabellen.
Apple und die NBA bieten leider keine Möglichkeit, zwischen den Kameras umzuschalten – zumindest in der Aufzeichnung nicht. Man muss also mit dem jeweiligen Blick leben, kann natürlich auch etwas den Kopf drehen, was man besonders bei der Mittelposition oft tut. Abgefilmt wird mit den teuren Blackmagic-URSA-Kameras, die 180-Grad-Bilder liefern. Dreht man sich um, wird es schwarz.
Es ist noch zu pixelig – aber das geht nicht anders
Trotz der Tatsache, dass pro Kamera mit 8160 mal 7200 Pixeln gefilmt wird, wirkt das Bild besonders in der Entfernung recht pixelig – man merkt, dass nicht so viele Bildpunkte herangeschafft werden können, wie die 4K-Displays der Vision Pro eigentlich darstellen könnten. Doch die Technik kommt hier an die Grenzen der Bandbreite – inklusive heimischem WLAN. Dennoch hat man das Gefühl der Immersion besonders am Anfang des Spiels.
Wenn etwa bei Showeinlagen die Tänzerinnen über den Court laufen, die Spielfläche zwischenzeitlich gewienert wird oder Gäste selbst Körbe werfen dürfen, hat man das Gefühl, vor Ort zu sein – es wird eine gewisse Form von Realität hergestellt, die man aus dem Fernsehen so nicht kennt. Beim eigentlichen Spiel nervt, dass Apple und die NBA vor allem auf die Hinter-Korb-Perspektive setzen. Es wird dabei ständig, je nachdem, wo die Spieler sind, zwischen Heim- und Gegner-Korb hin und her geschaltet, woran man sich gewöhnen muss. Mehr Perspektiven – also die aus der Mitte des Courts – wären hier wünschenswert, am besten sollte Apple ein Umschalten erlauben. Das sollte zumindest bei der Aufzeichnung möglich sein.
Noch ein Versuchsballon
Alles in allem ist immersives Basketball auf der Vision Pro durchaus ein Erlebnis, auch wenn man schnell das Gefühl hat, dass hier mehr gehen sollte. Die fehlende Umschaltmöglichkeit der Perspektive fühlt sich unnatürlich an, man hat das Gefühl, hinter dem Korb eingesperrt zu sein. Aber Apple und die NBA experimentieren ja noch. Für echte Fans ebenfalls nervig: Nur Partien der Los Angeles Lakers werden überhaupt immersiv angeboten.
Man merkt also, dass das noch ein Testballon ist. Geld dafĂĽr wĂĽrde ich aktuell noch nicht zahlen. Das Abo fĂĽr die NBA-App kostet derzeit knapp 17 US-Dollar im Monat, in Europa geht es mit dem Team-Pass ab 18 Euro los, die ganze Liga gibt es ab 20 Euro.
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(bsc)