KI-Modell „Eden“: Hoffnung auf Heilung von Krebs und seltenen Krankheiten

Das KI-Modell „Eden“ soll neue Gentherapien gegen Krebs und seltene Krankheiten sowie Wirkstoffe gegen multiresistente Bakterien generieren.

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(Bild: greenbutterfly / Shutterstock)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Mit dem KI-Modell „Eden“ erhoffen sich die Wissenschaftler, neue Gentherapien und Medikamente zu erschaffen, die die schlimmsten Krankheiten heilen können, berichtet die Financial Times. Das KI-Modell soll die Therapien aus der Evolution ableiten und dadurch erkennen können, welche Enzyme für die Gentherapie geeignet sind. Beobachter sehen allerdings noch viele offene Fragen, die es zu beantworten gilt.

Schon der Name „Eden“ ist als Anspielung auf den paradiesischen Garten in der Bibel ein Statement: Das internationale Team greift bei seinem KI-Modell auf einen riesigen Datensatz zurück. Zu diesem gehören über zehn Milliarden Gene von mehr als 1,03 Millionen Spezies, wovon die meisten von Mikroben stammen. Die britische Firma Basecamp Research hat den Datenbestand beigetragen. Das Trainingsmaterial habe es bislang so nicht in öffentlichen Datenbanken gegeben. Nvidia tritt über seinen Venture-Capital-Arm NVentures als Investor und Partner auf, ebenso Microsoft.

Doch nicht nur der Umfang des Datenmaterials hat die Forscher offenbar dazu ermutigt, beim Namen des KI-Modells auf die christliche Schöpfungslehre anzuspielen. Auch der Ansatz, wie Menschen mit den Erkenntnissen geholfen werden soll, klingt ambitioniert. Mit KI-designten Enzymen sollen präzise große Gen-Insertionen beim Menschen vorgenommen werden.

Neben der Gen-Addition gibt es auch die Methoden des Umschreibens von DNA (Gen-Editing) und das Stilllegen von problematischen Genen (Gen-Silencing). Das KI-erzeugte Gen kann mit umgebauten, harmlosen Viren in die Zelle transportiert werden. Alternativ können auch Lipid-Nanopartikel wie bei mRNA-Impfstoffen oder direkte Injektionen eingesetzt werden.

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An über 10.000 krankheitsrelevanten Stellen im menschlichen Genom seien diese Ergänzungen von Genen bereits vorgenommen worden. Sie ergänzen defekte Gene. In Labortests sei es so bereits gelungen, Krebszellen abzutöten. Gegenüber früheren Methoden sei dieses Einfügen ohne DNA-Schädigung gelungen und für größere DNA-Abschnitte. Dadurch werde unter anderem Veränderungen an falschen Stellen (Off-Target-Effekte) vorgebeugt.

Die Forschung soll aber zum Beispiel auch dabei helfen, Peptide gegen multiresistente Bakterien zu generieren. Mit dem KI-Modell als einheitliche Grundlage könnte es auch möglich werden, schneller und günstiger als bisher Medizin für seltene Krankheiten zu entwickeln.

Forscher wie Fyodor Urnov von der UC Berkeley geben zu bedenken, dass es nicht mit einem neuen Werkzeug alleine getan ist. Dass die Technologie tatsächlich klinisch angewendet werden kann, hänge auch von Faktoren wie Regulierung, Herstellung und Versicherung ab. Omar Abudayyeh von Harvard Medical School zeigte sich ebenfalls skeptisch: Sicherheit und Effizienz der Methode müssten erst noch nachgewiesen werden.

(mki)