iPhone nur auf dem Papier offen: Erster App-Marktplatz in EU schließt
Statt mehr werden es weniger: Mit Setapp Mobile schließt ein erster alternativer App-Marktplatz seine Pforten. Für Nutzer ist das unbequem.
(Bild: heise medien)
Die von der EU erzwungene Öffnung des iPhones bleibt ein Papiertiger. Nach knapp zwei Jahren haben sich gerade einmal eine Handvoll App-Store-Alternativen auf den Markt gewagt und einer der bislang wichtigsten Anbieter wirft nun hin: Am 16. Februar wird Setapp Mobile seine Pforten schließen, wie das Entwicklerstudio MacPaw am Mittwoch in einem Schreiben an Nutzer mitteilte. Alle Apps werden dann von der Plattform entfernt. Nutzer sollten ihre Daten aus den Apps im Vorfeld sichern, da diese ab dem genannten Termin nicht länger zugänglich sind, warnt MacPaw.
Anbieter verweist auf Apples Geschäftsbedingungen
Apples „sich ständig weiterentwickelnde und komplexe Geschäftsbedingungen“ machten es aktuell nicht rentabel, das Angebot weiterzubetreiben, begründet der Betreiber. Es sei ein „mutiges, bahnbrechendes Projekt“ gewesen, mit dem Ziel, „ein neues App-Ökosystem zu schaffen“, von dem Entwickler wie Nutzer profitierten.
Setapp ist ein bekannter App-Marktplatz für macOS, alle dort angebotenen Apps sind zu einem Abo-Festpreis verfügbar – darunter auch seit Langem schon iOS-Apps. Dieser bleibt weiterhin unverändert im Betrieb. Setapp Mobile war ebenfalls Teil des Setapp-Abos und erlaubte so Abonnenten, alle dort angebotenen iOS-Programme zu nutzen. Das Angebot zählte nur überschaubare 50 Apps und war seit Monaten statisch.
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Das vom Gesetz über digitale Märkte (Digital Markets Act) in der EU vorgeschrieben Sideloading hat Apple zwar praktisch in iOS (und später auch iPadOS) umgesetzt, aber zugleich hohe Hürden für Anbieter errichtet: Direkt-Downloads von iPhone-Apps aus dem Web sind zwar möglich, bislang aber praktisch nicht existent. Zudem erwies sich der alternative App-Vertrieb bislang immer wieder als fehlerbehaftet. Es gibt lästige Einschränkungen etwa bei Updates zu beachten, wenn Nutzer die EU-Mitgliedsstaaten länger verlassen.
Apples Core Technology Fee weicht der Core Technology Commission
Auch alternative App-Marktplätze müssen hohe Anforderungen erfüllen und die sogenannte „Core Technology Fee“ (CTF) an Apple entrichten: Für jeden neuen Download (darunter auch App-Updates) innerhalb eines Zeitfensters von 12 Monaten berechnete Apple jeweils 50 Cent. Zum Jahresanfang 2026 stellt Apple auf ein neues Modell um: Die CTF wird durch die „Core Technology Commission“ ersetzt. Statt pro Installation abzurechnen, veranschlagt Apple nun 5 Prozent Provision auf den Verkauf digitaler Inhalte – plus je nach Vertriebsform weitere Provisionen. Konkrete Details dazu stehen noch aus.
(lbe)