253 Meter ohne Sauerstoff: Luc Bessons „Im Rausch der Tiefe“ im 4K-Heimkinotest

Können Sie eine halbe Stunde die Luft anhalten? Jean Reno und Jean-Marc Barr waren 1988 verrückt genug, dieses poetische Drama über Apnoe-Taucher zu drehen.

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Im Rausch der Tiefe - Tauchszene

(Bild: Gaumont)

Lesezeit: 16 Min.
Von
  • Timo Wolters
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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Es gibt wohl keinen Extremsport wie das Apnoe-Tauchen: Herbert Nitsch tauchte 2012 im Ozean 253 Meter tief und Vitomir Maričić blieb vergangenes Jahr 29:03 Minuten unter Wasser – beide ohne Sauerstoffflaschen. Der französische Regisseur Luc Besson – selbst Sporttaucher – ging der Philosophie 1988 mit seinem Film „Im Rausch der Tiefe“ auf den Grund. Die Rekorde waren damals noch ein gutes Stück von heutigen Zahlen entfernt, faszinierend waren sie trotzdem.

Heimkino-Enthusiasten mussten jedoch lange auf eine technisch angemessene Würdigung dieses visuellen Meisterwerks warten. Seit Mitte Dezember bietet Studiocanal den Film in einem Set mit zwei Blu-ray Discs und zwei Ultra-HD Blu-ray Discs (UHD) für knapp 50 Euro an. Enthalten sind sowohl der 168 Minuten lange Director’s Cut als auch die französische Kinofassung mit 137 Minuten.

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Wir testen, ob sich das teure Set lohnt und das Bild der alten Blu-ray-Fassung übertrifft. Zudem werfen wir einen Blick auf die günstigere Streaming-Version, um zu prüfen, ob Filmfans hier ein paar Euro sparen können. Bevor wir auf den folgenden Seiten jedoch die Technik der spektakulären Unterwasseraufnahmen und die neue Restauration des Films auseinandernehmen, zunächst ein Blick auf die Entstehungsgeschichte dieses in der Filmgeschichte einzigartigen Drehs. Aber bitte nicht bis zum Ende des Artikels die Luft anhalten – Lebensgefahr!

Jean Reno (links) und Jean-Marc Barr (rechts) spielen die beiden Extremtaucher.

(Bild: Gaumont)

Bevor Luc Besson zum Inbegriff des hyperaktiven Actionkinos wurde und uns mit Filmen wie „Das fünfte Element“ oder „Lucy“ temporeiche Blockbuster lieferte, war er vor allem ein Kind des Meeres. Um sein 1988er-Meisterwerk „Im Rausch der Tiefe“ („Le Grand Bleu“) in seiner vollen Komplexität zu durchdringen, muss man diesen zutiefst persönlichen Hintergrund kennen. Es handelt sich keineswegs um eine bloße Sportdokumentation über das Apnoe-Tauchen, sondern um die schmerzhafte filmische Aufarbeitung eines tragisch geplatzten Lebenstraums.

Besson, der als Sohn von Club-Med-Tauchlehrern quasi im Wasser aufwuchs, wollte ursprünglich Meeresbiologe werden und verbrachte seine Kindheit an den Küsten Griechenlands und Jugoslawiens. Ein schwerer Tauchunfall im Alter von 17 Jahren beendete diese Ambitionen jedoch jäh, noch bevor sie professionell beginnen konnten.

Szenen im Uboot drehte Besson auf kleinstem Raum.

(Bild: Gaumont)

Das Wasser ließ ihn dennoch nie los. Die erste Grundidee zu diesem Skript trug er bereits als Teenager mit sich herum und feilte über zehn Jahre lang daran. Erst nach seinen frühen Erfolgen innerhalb des Cinéma du look, einer französischen Filmströmung der 80er Jahre, gelang es ihm, das renommierte Studio Gaumont für die riskante Finanzierung zu gewinnen. „Im Rausch der Tiefe“ wurde zum Bindeglied seiner Karriere und steht heute als melancholischer Monolith in seinem Schaffen, denn nie wieder war Besson so ruhig, so poetisch und so weit entfernt von Explosionen oder Verfolgungsjagden.