Einfach nur einen Webbrowser, bitte
„Just the Browser” ebnet den Weg zu schlanken Webbrowsern am Desktop. Nervender Ballast wird binnen Sekunden aus Chrome, Edge oder Firefox entfernt.
So schön kann browsen sein!
(Bild: Fabia Meyer)
Die führenden Webbrowser verzetteln sich. Jetzt gibt es Abhilfe: Das neue Projekt „Just the Browser” erleichtert Google Chrome, Microsoft Edge und Mozilla Firefox um Ballast. Deaktiviert werden, binnen Sekunden, nach Kräften die meisten KI-Dienste, Autostart, Einkaufsfunktionen, aufgedrängte Inhalte Dritter wie bezahlte Icons oder täglich frischem Klickbait, die Belästigung mit „Mach mich zum Default”-Popups, die Übertragung von Nutzungsdaten sowie das Einführungssemester nach der Erstinstallation.
Der Witz: Das geht alles weg mit Bordmitteln. Weder kommen Plug-ins hinzu, noch wird der Sourcecode der Browser angetastet. Damit erhalten sie auch weiterhin automatische Updates, wenn verfügbar. Und Updates reaktivieren in aller Regel die unerwünschten Zusätze auch nicht.
Just the Browser macht einfach die für große Organisationen gedachten Gruppenrichtlinien einzelnen Anwendern zugänglich. Ein in die Shell kopierter Befehl reicht, Browser auswählen, bestätigen, und im Handumdrehen sind die Richtlinien installiert. Der gleiche Shell-Befehl ermöglicht dann auch die Rückgängigmachung, also die Entfernung der installierten Browserrichtlinien.
Edge und Firefox blenden in den Einstellungen den Hinweis ein, dass der Browser durch eine „Organisation” gemanagt werde. Diese Organisation sind dann aber die Nutzer von Just the Browser selbst.
Windows, MacOS, Linux
Hinter dem Projekt steckt der US-Journalist und Programmierer Corbin Davenport. „Nennen sie mich altmodisch, aber ich möchte, dass mein Webbrowser bloß ein Webbrowser ist”, erläutert er den Beweggrund für Just the Browser. „Ich möchte keine Shopping-Integration, oder KI-Agenten, die meinen Cursor okkupieren, noch lokale KI-Modelle, die andauern im Hintergrund laufen, um meine Browsertabs umzuschichten. Ich sollte dafür nicht auf Safari oder halbgare Firefox-Forks zurückgreifen müssen.”
Daher hat Davenport entsprechende Gruppenrichtlinien für die drei großen Browsermarken veröffentlicht, zusammen mit Dokumentation, die Installation und gegebenenfalls Anpassung der Richtlinien an eigene Vorstellungen erläutert. Dazu gibt es Installationsskripte für Windows (x86 32 und 64 bit, ARM 64 bit), MacOS und Linux (vorerst nur Firefox; Debian/Ubuntu x86 und Fedora/openSUSE x86,). Alles ist Open Source (MIT License) und darf auch weiterverbreitet und kommerziell genutzt werden.
Obacht bei parallelen Instanzen des gleichen Browsers
Wichtigste Ausnahme bei der Entfernung der Large Language Models (LLM) ist die Übersetzungsfunktion in Firefox. Unterstützung für Google Chrome unter Linux ist in Arbeit. Auch die Unterstützung per Flatpak installierter Browser unter Linux steht noch aus. Eine fertige Lösung gegen den Mission Creep bei Browsern für Android gibt es bislang nicht. iOS steht im Github-Repositorium, auf der Liste möglicher Ausweitung.
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In einem ersten Versuch mit Just the Browser unter Linux gelang die Entschlackung des Firefox-Browsers in wenigen Sekunden. Am Längsten dauerte dabei die Eingabe des Passworts. Allerdings wurden sowohl die „normale” Firefox-Instanz als auch der parallel installierte Firefox ESR (Extended Support Release) erfasst, obwohl im Script nur von „Firefox” die Rede war. Die installierten Richtlinien ließen sich ebenso flott rückgängig machen, wieder für beide Firefox’, doch waren dann einige ursprünglich manuell vorgenommene Einstellungen zurückgesetzt.
Normale Browserupdates sollten die Richtlinien nicht tangieren. Es kann aber vorkommen, dass Browser-Herausgeber bestimmte Einstellungsmöglichkeiten entfernen oder andere grundlegende Änderungen vornehmen, die bestehende Organisationsrichtlinien kaputt machen. Dann werden Anwender unter Umständen das Script von Just the Browser neu ausführen müssen, um die dann neueste Version einzuspielen.
(ds)