Durchschnittsverbrauch von Neuwagen sinkt

Fast alle konnten den durchschnittlichen Verbrauch ihrer Neuwagen im vergangenen Jahr senken. Ohne mehr E-Autos sind die nächsten Ziele nicht zu erreichen.

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Volvo XC60 und S60

Bei Volvo stieg der durchschnittliche Verbrauch im vergangenen Jahr leicht an - allerdings auf einem sehr niedrigen Niveau.

(Bild: Volvo)

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Noch immer spielt der Kraftstoffverbrauch in vielen Kaufentscheidungen eine untergeordnete Rolle. Nicht so für die Autohersteller: Seit ein paar Jahren macht die Politik Vorgaben für den Durchschnittsverbrauch der in der EU verkauften Neuwagen, und eine Überschreitung des herstellerspezifischen Flottenverbrauchs könnte empfindliche Strafen nach sich ziehen. Bislang wurde allerdings noch kein Cent fällig, und das dürfte auch so bleiben. Die Hersteller konnten im vergangenen Jahr den Verbrauch ihrer Neuwagenflotte gegenüber dem Jahr 2024 senken.

Die 2025 erstmals in der EU zugelassenen Autos stießen im Schnitt rund 12 Prozent weniger Kohlendioxid aus als 2024. Im Schnitt sank der nominelle Wert auf 105,8 Gramm CO₂ pro Kilometer, wie aus Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) hervorgeht. Bei vielen großen Marken lag der Rückgang sogar noch ein Stück höher. Das gilt aber nicht für alle Hersteller. Der deutsche Marktführer VW konnte den CO₂-Ausstoß im Schnitt um 14,5 Prozent auf 109 Gramm pro Kilometer senken. Bei der Nummer zwei Mercedes sind es dagegen nur 2,6 Prozent auf 118,6 Gramm pro Kilometer und BMW auf Rang drei der Zulassungsstatistik liegt mit 11,3 Prozent Einsparung auf 105 Gramm pro Kilometer weitgehend im Marktschnitt.

Die Volkswagen-Marken Skoda, Audi und Seat, die nach der Zahl der Neuzulassungen auf den Plätzen vier bis sechs liegen, reduzieren ihre CO₂-Emissionen um überdurchschnittliche 15,8, 14,5 und 18,7 Prozent und damit mindestens so stark wie die Kernmarke des Konzerns. Seat, zu dem das KBA auch die Marke Cupra zählt, kommt dabei unter den 16 Marken mit mindestens 50.000 Neuzulassungen im vergangenen Jahr sogar auf den höchsten Rückgang und mit 96,7 Gramm pro Kilometer einen der niedrigsten Werte. Ein Anstieg findet sich dagegen nur bei einer der 16 wichtigsten Marken: Bei Volvo steigt der Wert um 9,2 Prozent, allerdings auf außergewöhnlich niedrige 78,3 Gramm.

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Die Veränderungen des vergangenen Jahres lassen sich dabei zumindest teilweise mit den Elektroauto-Anteilen in den Neuzulassungen erklären. VW und seine Marken haben diese stark gesteigert und damit ihre Flottenbilanz verbessert. Bei Mercedes dagegen stagniert der Anteil praktisch, beim Volvo ist er sogar ein Stück gesunken. Alleine auf die gesteigerten Verkaufszahlen von Elektroautos lässt sich die Veränderung allerdings nicht zurückführen. So sind die Rückgänge in der Regel größer als der Anstieg bei den reinen E-Autos (BEV), und beispielsweise BMW erreicht eine Verbesserung annähernd im Marktschnitt, obwohl es den Stromeranteil deutlich unterdurchschnittlich steigert.

Ohne Elektroautos würde die Bilanz allerdings sehr viel schlechter ausfallen. Für reine Diesel-Fahrzeuge nennt das KBA einen durchschnittlichen CO₂-Ausstoß von 166 Gramm pro Kilometer, bei Benzinern von 144 Gramm pro Kilometer. Die Werte basieren jeweils auf den offiziellen Verbrauchs- beziehungsweise Emissionszahlen. Wie hoch sie in der Realität ausfallen, kann davon deutlich abweichen. Ein Beispiel dafür sind Plug-in-Hybride, bei denen diese Ermittlung nicht erfasst, wie oft sie rein elektrisch gefahren werden.

Die Hersteller kommen perspektivisch nicht um einen stark erhöhten Anteil von Elektroautos herum – nicht nur im Angebot, sondern bei den tatsächlichen Verkaufszahlen pro Jahr in der EU. In den Jahren 2030 bis 2034 gilt eine durchschnittliche Flottenverbrauchsvorgabe von 49,5 Gramm CO₂ je Kilometer. Das entspräche etwa 2,1 Liter Benzin pro 100 Kilometer oder 1,9 Liter Diesel. Damit würden Verbrennungsmotoren an Grenzen stoßen, die mit einem wirtschaftlich vertretbarem, technischem Aufwand kaum zu erreichen sind. Müssen sie auch nicht, denn es bleibt natürlich der Mix entscheidend, denn die Hersteller müssen für die Erfüllung der Vorgaben nur mehr Elektroautos absetzen als bisher.

(mfz)